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„Sex and the City“ : Finale Körperflüssigkeit: Tränen

Harrt des Mannes, der da kommen wird: Sarah Jessica Parker als Carrie Bild: ProSieben/Paramount Pictures

In der letzten Folge von „Sex and the City“, die jetzt in Amerika gesendet wurde, laufen die vier Damen zwar nicht geschlossen in den Hafen der bürgerlichen Ehe ein. Dennoch wird alles - unter Tränen - gut. Und konventionell.

          Von der recht erträglichen Leichtigkeit des geschlechtlichen Seins, mit der vor sechs Jahren und 94 Folgen die Serie "Sex and the City" begann, ist am Ende nichts mehr geblieben: Wo Sex war, ist jetzt Liebe.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die letzte Folge der wegen ihrer "Saftigkeit" bald gepriesenen, bald gescholtenen Serie über Leben und Lieben vier junger Frauen in Manhattan, die der amerikanische Kabelsender HBO am Sonntag ausstrahlte, entsprach diesem Prädikat nur in der Hinsicht, daß als Körperflüssigkeit diesmal einzig Tränen vorkamen. Nach allerlei Turbulenzen in der aufgewühlten See sexueller Begegnungen liefen die vier Damen zwar nicht geschlossen in den Hafen der bürgerlichen Ehe ein, aber immerhin in die ruhige Bucht traditioneller heterosexueller Zweierbeziehungen.

          Für jede eine dabei

          Die "kühle" blonde Samantha (Kim Cattrall), durch Krebs und Chemotherapie erschöpft, glaubt am Ende doch an die monogame Liebe ihres jugendlichen Herkules namens Smith (Jason Lewis), der sich entgegen aller Erwartung und trotz ausdrücklicher Erlaubnis zu sexuellen Nebentätigkeiten für die in die Jahre gekommene einstige Männerfresserin "aufhebt" und damit deren verschüttete Libido wiedererweckt; das ist dann immerhin die einzige Nacktszene der Abschlußepisode mit der fabelhaften Kim Cattrall wert.

          Die "kalte" rothaarige Miranda (Cynthia Nixon) richtet sich vollends im Familienleben mit ihrem neuen Ehemann Steve (David Eigenberg) samt Baby Brady und sogar mit der von Alzheimer gezeichneten Schwiegermutter ein, für deren liebevolle Betreuung ihr in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung zustünden. Die "warme" brünette Charlotte (Kristin Davis) und ihr reicher, aber kahlköpfiger und dazu untersetzter Harry kriegen nach dem gescheiterten Versuch, über eine Leihmutter an das ersehnte Baby zu kommen, plötzlich doch noch ein Adoptivmädchen aus China - und weinen darüber fast um die Wette.

          Die "aufgedrehte" dunkelblonde Carrie (Sarah Jessica Parker) schließlich, temperamentvolle Heroine und Narratorin der Serie, kehrt erwartungsgemäß von ihrem Ausflug nach Paris zurück, wo sie zwar in Restaurants rauchen und auf Bürgersteigen in Hundekot treten darf, sich dafür aber von ihrem egozentrischen Künstler-Liebhaber auf Zeit, Aleksandr Petrovski (Mikhail Baryschnikow), ohrfeigen lassen muß. Die Rückkehr Carries, immerhin eine "all American" Powerfrau, aus einer französisch-russischen Verirrung ins geliebte New York und in die Arme des amerikanischen Geschäftsmannes Mr. Big (Chris Noth) hat hübsche politische Konnotationen, obwohl es dem Chefdrehbuchschreiber Michael Patrick King auch bei seiner Hauptfigur vor allem um die emotionale Festigung gegangen sein dürfte.

          Happy End in der Nachspielzeit

          Die letzte Folge, deren Inhalt streng geheimgehalten worden war, wurde naturgemäß mit großem Rummel angekündigt. Es wurden sogar mehrere letzte Folgen abgedreht, und nur Autor und Regisseur King wußte angeblich am Ende, welche Variante ausgestrahlt würde. Dazu kamen die obligatorischen Auftritte von Sarah Jessica Parker, die nicht nur Hauptdarstellerin, sondern auch Produzentin der Serie war, in diversen Late-Night-Shows und Klatschsendungen. Schließlich gab es vor dem Beginn der letzten Folge, von der üblichen halben Stunde auf 45 Minuten verlängert, eine einstündige Dokumentation über die Serie, in welcher die Selbstbeweihräucherung auf den Gipfel getrieben wurde. Bustouren mit den Fans der Sendungen werden auch nach dem Ende der Serie die einschlägigen Restaurants und Boutiquen in New York mit Konsumenten bedienen.

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