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Serien-Studie : Ich schau dir in die Augen, Kleiner

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Waffen und Frauen (hier Sarah Shahi in „Life“) sind Garanten des Erfolgs für Serien. Das überrascht wenig. Dass ausgerechnet Horror entspannend wirkt dagegen schon. Bild: © NBC Universal, Inc.

Was fesselt Zuschauer, wenn sie Fernsehserien schauen? Was regt an, was regt auf, was schläfert ein? Eine Studie zeigt, worauf unsere Sinne reagieren. Wir haben es ausprobiert.

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          Wenn ich im Fernsehen Frauen sehe, blicke ich ihnen erst tief in die Augen, dann auf den Mund und danach direkt auf ihr Dekolleté. Ich ging eigentlich davon aus, dass mich im Serienzeitalter vor allem Komplexität, Dramatik und Intelligenz fesseln. Doch wenn sich Menschen abends entspannen - darin liegt die nun wissenschaftlich begründete Entschuldigung -, schalten ihre Gehirne auf Autopilot. Gesichter, sexuelle Stimuli und Waffen ziehen so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass Forscher sagen: „Der Rest des Bildes wird kaum beachtet.“

          Diese Wahrheit über mich und 73 andere Serienvielgucker enthüllt ein Elektroenzephalogramm, das mit 64 Kontakten Hirnströme misst. Hinzu kommen eine Kamera, die jede Augenbewegung verfolgt, und Clips an den Fingern und Bändchen um den Körper. Es gibt kein Entrinnen. Keine körperliche Reaktion soll den Forschern in der fast dreistündigen Prozedur verlorengehen. Selbst Speichelproben werden genommen. Die 38 Gigabyte an Daten, die im Verlauf der Sitzungen gesammelt werden, zeitigen weitere Erkenntnisse: Wir entspannen uns auf dem Sofa besonders, wenn vor unseren Augen grausame Verbrechen stattfinden oder sich anbahnen. Zwar steigern Horrorserien den Stresslevel etwas mehr, als wenn wir Comedy sehen. Doch ist der Stresslevel „niedriger als ganz ohne Serien“.

          An diesem Punkt sagt die Studie „Serienjunkies im Hirnscanner“, mit der die Sender „Fox“ und „Vodafone TV“ ihre Probanden auf ihr Wohlbefinden beim Seriengucken testen, aber vielleicht auch etwas über die Situation aus, vollständig verkabelt im Keller des „Neuromarketing Lab“ in Aspach zu sitzen, sich nicht bewegen zu dürfen und auf einen schwarzen Bildschirm zu starren, in der Hoffnung, dass er sich bald mit Leben füllt - auch wenn das, wie im Falle der Ausschnitte der Zombieserie „The Walking Dead“, weder wirkliches Leben ist noch lange währt.

          Dass dieses Bild in einem Badezimmer gemacht wurde, spielt für die meisten Zuschauer kaum eine Rolle.

          Im Grunde - die Forscher legten dreizehn Kategorien unterschiedlicher Emotionen fest - ist es fast egal, ob wir uns vor dem Fernseher gruseln oder freuen, ärgern oder fremdschämen: Wenn die hervorgerufenen Emotionen stark sind, finden wir an dem Gezeigten Gefallen. Die wichtigste Herausforderung der Serienproduzenten ist, die richtige Balance zu finden. Die zurzeit größte Hassfigur der Serienliebhaber - König Joffrey Baratheon aus „Game of Thrones“ - ist, für sich genommen, völlig unerträglich, dennoch gehört die Serie zu den erfolgreichsten. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem sozialen Gefüge in „The Big Bang Theory“. Den so irren wie genialen Sheldon Cooper ertragen wir nur, weil die schöne und ziemlich normale Penny ihm gegenüber wohnt. Zuschauer dulden Schlächter, Liebhaber, Helden, Trottel und Verbrecher, solange sie und das, was sie tun, ihnen nicht gleichgültig wird.

          Die Stärke der durch Fernsehen hervorgerufenen Emotionen ist bemerkenswert. Wenn in Serien fiktive Nachrichten gezeigt werden, reagieren wir auf sie emotionaler als auf echte Fernsehnachrichten, obwohl wir unterscheiden können, welche bloß ausgedacht sind, sagt Kai-Markus Müller, der die Studie betreut. Natürlich brauchte es weitere Forschung, um daraus Schlüsse zu ziehen. Aber bemerkenswert sind schon erste Überlegungen: Was bedeutet es, dass Fernsehnationen entscheiden, Serien wie „Homeland“ seien wichtiges politisches Fernsehen, während zur selben Zeit Nachrichtensender wie CNN in der Zuschauergunst auf das Niveau besserer Websites sinken, mit weniger als hunderttausend Zuschauern, selbst zur besten Sendezeit?

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