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Serie (7): Bundeskultur : Klassiker neu entdecken

  • -Aktualisiert am

Serie, Teil 7: Was ist Bundeskultur? Bild: FAZ.NET

Das heute noch gültige in den Klassikern zu entdecken, das ist nach Meinung Hilmar Hoffmans die Aufgabe der Bundeskulturstiftung.

          2 Min.

          Den Anspruch einer Bundeskulturstiftung zu legitimieren, ist für mich kein großes Problem: In der Arbeit der Goethe-Institute überall auf der Welt bin ich auf großes Interesse gestoßen, das Kultur aus Deutschland genießt.

          Es bezieht sich auf die Klassik, das Erbe der idealistischen Philosophie ebenso wie auf zeitgenössisches Denken, Schreiben und Bilden. Wie die verschiedenen kreativen Szenen in Deutschland, die der hier Geborenen ebenso wie derjenigen, die als Arbeitsmigranten, Flüchtlinge und moderne Weltbürger zu uns gekommen sind, die Gegenwart verarbeiten, ihre Symbolwelten aus den unterschiedlichen Prägungen schaffen, all das wird außerhalb mit Neugier betrachtet.

          Umkämpftes Territorium Deutschland

          Kultur hat immer auch etwas von zielgerichteter Konstruktion: Künstler sehen die Welt mit geschärften Augen, sie entscheiden, was ihnen wichtig ist und wo sie ihre eigenen Akzente, Symbole und Interpretationen setzen. Für was denn dieses Deutschland in der Welt stehen soll, das wird von den gestaltenden Kräften der inneren und äußeren Politik, von der Ökonomie, den Religionsgemeinschaften definiert, und es ist umkämpftes Territorium, in dem um die Definitionsmacht gestritten wird.

          Dass die kulturellen und künstlerischen Kräfte mit eigener Stimme mitwirken, wenn es um die zentralen Werte und Standarts in einer Gebietskörperschaft wie Deutschland geht, das gehört zu den Selbstverständlichkeiten eines modernen Staates, der ja immer auch Kulturstaat sein will, also als demokratisches Gebilde immer wieder neu seine spezifischen Werte und sozialkulturellen Standards aushandeln und prozedurale Geltung verschaffen will. Er will im Ausland, anderen gegenüber, diesbezüglich wahrgenommen werden und seine spezifische Sicht der internationalen Dinge beachtet wissen.

          Kein Gütesiegel der Feuilletons

          Für das alles steht die Bundeskulturstiftung. Sie hat all das zu pflegen und vorzuhalten, was aus der Tradition als dem übernommenen Erbe nicht vergessen werden soll und was nach Auffassung der Akteure aus Gesellschaftspolitik, Künsten, Medien, Institutionen der Pflege von Bildung und Wissenschaft wichtig bleiben soll.

          Das heute noch Gültige in den Klassikern zu entdecken und neugierig darauf zu machen, entsprechende Vermittlungsprozesse zu ermöglichen und zu ermutigen, dazu bedarf es der tatkräftigen Hilfen. Kulturpolitik hat auch dann aktiv zu werden, wenn Lücken entstehen und der begründete Eindruck entsteht, hier werde vernachlässigt, was aktiviert bleiben sollte; auch hat sie Anregungen zu geben (verbunden mit materiellen Ressourcen), um den notwendigen Innovationen in den gewaltigen Veränderungen der Gegenwart einen angemessenen Platz im Denken und Fühlen zu verschaffen. Und da hat die Stiftung die unter uns lebenden Künstler verschiedenster Herkunft ebenso zu berücksichtigen wie die unterschiedlichsten Sparten der Künste, auch solche, die nicht dem Gütesiegel der Feuilletons entsprechen.

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