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Selbstversuch mit Tesla S : Mein iPod fährt zweihundertzehn

Ist kein Apple, bekommt aber Energie aus derselben Quelle: Der Tesla S fährt mit Strom aus Laptop-Batterien Bild: Dewhurst Photography

Alle reden über Opel, dabei entstehen die Vehikel der Zukunft ganz woanders: im krisengebeutelten Amerika. Bringt das Elektro-Auto Tesla unsere Gegenwart in Form? Niklas Maak hat in Los Angeles zwischen Chryslers und Chevrolets eine Testfahrt gemacht.

          Vielleicht muss man diese Geschichte dort beginnen, wo die Revolution nicht stattfindet: Am Schalter der Autovermietungen des Flughafens von Los Angeles.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          In Los Angeles braucht man ein Auto. Die Stadt ist ein Gewirr von Straßen, in dem man dort, wo ausnahmsweise nicht Auto gefahren wird, Häuser aufgestellt hat. Ohne Auto von Malibu nach Santa Monica und von dort nach Arcadia zu kommen, ist ungefähr so schwierig, wie mit dem Auto quer durch Venedig ans Meer zu fahren.

          Memento Mori einer untergehenden Kultur

          Also ein Mietwagen. Jeder braucht einen, zu Hunderten stehen die Geschäftsleute Schlange, um sich eine halbe Stunde später in genau der gleichen Aufstellung, nur diesmal umhüllt von zwei Tonnen amerikanischem Blech, Plastik und schlechtem Design, im Stau wiederzutreffen. Der Parkplatz von National und Hertz sieht aus wie das Memento Mori einer untergehenden Kultur: Chevrolet, Chrysler - die Karossen, die hier stehen, haben nichts zu tun mit den Traumwagen der fünfziger und sechziger Jahre. Die Motoren der amerikanischen Autos, die man 2009 mieten kann, sind steinzeitlich, das Design ist so depressiv, als wüssten die Autos, wie schlecht sie sind. Das Innere des - als offenbar letzter Versuch, sonnige Assoziationen herbeizuzwingen, kanariengelb lackierten - Chevrolets, den man uns gibt, ist ein Panorama des Schreckens: Holzimitat, Plüschsessel, Plastikhebel, tausend Knöpfe, Lämpchen - es ist die gleiche überfüllte Gemütlichkeit, die man aus den Wohnzimmern der auf Pump gekauften Häuser kennt; alles extralarge, extrakomfortabel, extraschwer. So wie in diesem Chevy müssen sich die Römer der Verfallszeit in ihren viel zu schweren Rüstungen gefühlt haben.

          Alles wirkt leicht, aluminiumglatt, es ist das gleiche Erstaunen wie beim iPod, beim Besteigen eines Raumschiffs

          Im Stau stehen all die Autos, die jetzt keiner mehr haben möchte, die SUVs, die oft fast drei Tonnen wiegen, 25 Liter auf hundert Kilometer brauchen. Hätten amerikanische Autos denselben Durchschnittsverbrauch wie Autos in Italien, wären die Vereinigten Staaten von Erdölimporten aus der arabischen Welt unabhängig. Langsam bemerkt man im Land des SUVs die böse Dialektik dieser Autos: Es war nicht nur ein Akt des ökologischen Bewusstseins, sondern auch einer des politischen Feingefühls, dass Arnold Schwarzenegger seinen Hummer-Geländewagen, mit dem er auf den Boulevards von Hollywood als Actionheld posierte, einmotten ließ, als etliche seiner jungen Wähler in baugleichen Fahrzeugen im Irak starben. Sogar die Namen der SUVs wirken jetzt unheilvoll. Eins heißt „Avalanche“, „Lawine“, eins von Ford „Escape“. Obama fährt privat einen „Escape“ mit umweltfreundlichem Hybridmotor; die konkursbedrohten US-Hersteller stopfen jetzt eilig Hybridmotoren in ihre schweren Geländewagen, was so effektiv ist, wie mit einer Wasserpistole auf ein brennendes Haus zu zielen; und was hat es zu bedeuten, wenn ein Präsident ein Auto fährt, das „Flucht“ heißt? Es geht eine Epoche zu Ende, die Metallsaurier werden sterben, die Ritterrüstungen zusammenbrechen. Und was kommt dann?

          Einmal tanken: Drei Euro, bitte!

          Vielleicht das, was am Santa Monica Boulevard Nummer 11161 gezeigt wird. Seit einem Jahr hat das Unternehmen Tesla hier einen Showroom und eine Werkstatt - und die kleinen weißen Wagen, die hier stehen, sehen nicht nur aus, als wären sie iPods auf Rädern, sie sind das genaue Gegenteil des klassischen amerikanischen Autos. Der Name Tesla ist eine Hommage an den Ingenieur Nicola Tesla, der den zweiphasigen elektrischen Generator entwickelte und die Verbreitung des Wechselstroms möglich machte, denn das Bahnbrechende des Tesla ist sein Antrieb - der Elektromotor bezieht seine Leistung aus 6831 wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akkus, wie man sie aus Laptops und Mobiltelefonen kennt. Je nach Fahrweise kommt man damit um 350 Kilometer weit, dann lädt man drei Stunden - und zahlt für diese Tankladung drei Euro.

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