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Sechs Monate vor der Wahl : Dunkle Wolken über Teheran

  • -Aktualisiert am

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Dieser Tage sind die Zeitungen in Teheran voller widersprüchlicher Nachrichten. Einige meinen, wir werden die Krise überwinden, während einige andere wiederum glauben, dass sie die Gelegenheiten dazu verpasst hätten. Einige glauben an den Messias und an den Krieg am Ende der Zeiten, andere glauben an die große Weltverschwörung der Zionisten. Aber das Volk glaubt generell, dass alles Geld, das in seine Hände gerät, sofort in Dollar umzutauschen sei. Und in der Zwischenzeit schreibt ein staatliches Organ: Der Markt an Grundwaren sei gesättigt; das Volk solle nicht horten.

Aber es scheint ganz so, dass der Kriegsgeruch im Mittleren Osten stärker ist als der Dollargeruch in Iran. Wenn ihr Frieden wollt, dann mobilisiert für den Krieg. Es gibt keine groteskere Aussage, dennoch rücken immer mehr Regionalpolitiker gerade sie ins Zentrum ihrer Reden. Liegt die definitive Lösung der globalen Wirtschaftskrise in einem weiteren Krieg?

Das Ausmaß an Boykottmaßnahmen hat sogar die Medizin erreicht. Besonders jene Kranke, die an einer seltenen Krankheit leiden und auf spezielle Medikamente angewiesen sind, geraten unter einen größeren Druck. Ein schwebendes, angsterregendes Verharren hat alles unter seine unheilvollen Fittiche genommen. Unterdessen ist das Einzige, was die Verantwortlichen zustande bringen, sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen; dabei stehlen sie sich auf kindliche Weise aus der Verantwortung. Und die Freiheit wird ein weiteres Mal zum Streitthema zwischen politischen Kontrahenten um die Machtstruktur Irans.

Lahmgelegte Druckindustrie

Freiheit ist etwas Gutes, und alle müssen an ihr teilhaben - eine Meinung, die so ungefähr von allen geteilt wird, die sich auf der politischen Bühne Irans engagieren und entweder noch nicht an die Macht gelangt sind oder auf der Machtebene stärkere Konkurrenten vorfinden; selbst der iranische Staatspräsident spricht dieser Tage von der Notwendigkeit einer Meinungsfreiheit. Sein Berater in Medienfragen sitzt im Gefängnis und die Zeitung „Shargh“, die, so behauptet das Kultusministerium, westliches Kulturgut vertreibe, wurde konfisziert. Der Grund dafür sei eine Karikatur, die Leute dabei zeigt, wie sie sich gegenseitig die Augen schließen.

Die Isolation Irans sinkt in tiefere Schichten. Botschaften aus der westlichen Welt sind geschlossen, manche der ausländischen Luftfahrtgesellschaften haben ihre Flüge eingestellt. Iran sank in der Tourismusbranche als ein mehrere tausend Jahre altes Land mit einem seltenen Schatz an touristischen Attraktionen auf den 138.Platz. Die Druckindustrie ist wegen der Zensur und der Papierkrise so gut wie lahmgelegt, während unterschiedliche Fabriken mangels Grundmaterial oder wegen ihres Unvermögens, mit ähnlichen Importwaren zu konkurrieren, die ihren Importeuren Riesengewinne verschaffen, geschlossen wurden.

Selbst inländische Fluggesellschaften haben, durch einen Erlass des Parlaments gedeckt, den Preis ihrer Flugscheine um fünfzig Prozent angehoben. Der steile Anstieg der Preise ist unaufhaltbar, während die Profiteure dieser Wirrnisse mit dem Plündern beschäftigt sind. Der Verfall kreist wie eine unproduktive Wolke über dem Himmel von Teheran, einer Stadt, die mehr als je zuvor zu einem großen Treffpunkt für Scharlatane geworden ist.

Um nicht durch die finsteren Seiten dieser Stadt erdrückt zu werden, erquicken wir unsere Seele an den frischen und schönen Ansichten der Vali-Asr-Straße, die der Herbstwind erschaffen hat. Ein alter, jedoch bekannter Spruch besagt: Winde geben uns Kunde über den Wechsel der Jahreszeiten.

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