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Glosse zum neuen Scrabble : Was für eine Innovation!

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Mal ehrlich: Was war denn so schlecht an den alten Wörtern, dass wir ständig neue brauchen? Bild: dpa

Das altehrwürdige Spiel Scrabble wird vom deutschen Hersteller in „Buchstaben-YOLO“ umbenannt. Die Erklärung dazu steht dem neuen Namen in nichts nach – genau wie der Werbespot.

          Hinweis: Mittlerweile kam die Pressemitteilung von Mattel, es habe sich bei der Umbenennung um einen Scherz gehandelt. „Wir wollten unseren Fans zeigen, was sie an ihrem Scrabble haben. Oft merkt man erst, wenn etwas weg ist, wie lieb man es gewonnen hat“, sagte die Unternehmenssprecherin. Wir sind gerührt.

          Wer heute mittelalt ist, kommt in den doppelten Genuss: seinen Kindern zu erklären, was Hedonismus ist, und seinen Eltern, wofür YOLO steht. Nämlich für ungefähr das Gleiche – „you only live once“ lautet das Akronym ausgeschrieben, und man benutzt es wie einen Schlachtruf, wenn man entscheidet, spätnachts doch noch auszugehen, den achten Muffin zu essen oder das teure Handy zu kaufen. Ein wichtiger und schöner Begriff also, aber von Menschen über zwanzig doch nur höchst ironisch im Munde zu führen.

          Das hat sich allerdings nicht bis zum Spielehersteller Mattel durchgesprochen, wo man gerade eine stolze Pressemitteilung herausgab: Das altehrwürdige Scrabble wird nun in „Buchstaben-YOLO“ umbenannt. „Muss ich jeden Trend mitmachen? Die Antwort von Mattel lautet ganz klar: Nein! Aber mit der Zeit gehen sollte man hingegen schon“, heißt es in der Bekanntmachung, die im weiteren Verlauf „mehr Spaß für die ganze Family Crew“ ankündigt. In einem hochnotpeinlichen Werbespot dazu hüpft der Rapper MC Fitti durch ein bürgerliches Wohnzimmer und sagt zur Mutter: „Du hast Swag, kleine Maus.“ Swag wiederum würde man den Großeltern wohl mit „Charisma“ übersetzen, jedenfalls scheint jemand bei Matell eine interne Wette laufen zu haben zur Frage, wie viele Jugendwörter man in einer einzigen Kampagne unterbringen kann.

          Dafür mussten die Verantwortlichen das Spiel offenbar nicht besonders gut kennen: „Mit vielen neuen Begriffen aus dem Jugendjargon“ komme Scrabble jetzt daher, schreiben sie. Das ist etwa, als würden die Wasserwerke damit werben, dass ihre Anlagen jetzt auch Putzwasser liefern. Scrabble lebt schließlich genau davon, dass man nur die Buchstaben bekommt und damit machen kann, was man will. Manche lassen alles gelten, was im Duden steht, bei manchen geht ehrenhalber noch das Wort „Schwanzhund“ durch, andere spielen es von vornherein mit Anarchoregeln: Wer mal bei der Schwiegerfamilie das Eis brechen will, dem sei die Variante empfohlen, bei der man nur Schimpfwörter legen darf. Jetzt gelten dann eben auch noch YOLO und Swag, was für eine Innovation!

          Der Name wird übrigens nur in Deutschland geändert, als wäre es nicht schon schlimm genug, dass die englischen Filmtitel hier meist eigenwillig übersetzt werden. Eine völlig unnötige Aktion, denn Scrabble war bereits der perfekte Name: „to scrabble“ bezeichnet das Wühlen nach neuen Buchstaben im Säckchen. Dagegen kommt YOLO nun wirklich nicht an. Welcher Teenager schreibt schon seinen Freunden: „Heute komm ich nicht in die Kneipe, stattdessen Brettspiele mit meiner Familie, YOLO!“? Aber wahrscheinlich werden die wahren Fans des Spiels ohnehin nur mit den Schultern zucken: Die Worte Scrabble und YOLO ergeben beide je 16 Punkte. Alles andere ist egal.

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