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Schwule Flamingos : So lebt es sich nach der Natur

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Unter den homosexuellen Paaren können sich manche zu regelrechten Adoptionsspezialisten entwickeln. Mit dem Blick erfahrener Eltern, die gerade kein eigenes Küken im Nest haben, erkennen sie unterversorgte oder verlassene Küken sehr schnell und können sich ihrer annehmen. Das kann dadurch eingeleitet werden, dass sie einem Küken einfach ihren Schnabel hinhalten, damit es trinken kann. Oder es kommt vor, wenn ein Küken schon etwas älter ist und wirr und verlassen zwischen den Nestern herumläuft, dass die „neuen“ Alten es auffordern, ihnen zu folgen und in ihr leeres Nest zu klettern. Was diese verlassenen Küken in der Regel gern tun, aber auch nicht immer. Manche verhungern, ohne der Aufforderung gefolgt zu sein.

Es gibt keinen Elterninstinkt

Zwei Dinge sind hier von Bedeutung. Zum einen ist es kein Fehler der Natur, wenn junge, unerfahrene Eltern mit ihren Kindern nicht zurechtkommen; es ist einfach ein Effekt der unzureichenden Erfahrung. Manche Greifvögel zum Beispiel brüten bis zu drei oder vier Mal, bis sie es schaffen, ihr erstes Küken bis zur Flugreife großzuziehen.

Dass Lernen und Erfahrung bei der Jungenaufzucht eine so große Rolle spielen, ist einer der Gründe, warum die aktuelle Biologie nicht mehr mit Begriffen wie Instinkt und Trieb arbeitet. Instinkt wie Trieb sind viel zu mechanistisch gedacht, als dass sie die Dynamik der Interaktionen zwischen Eltern und Jungen auch nur annäherungsweise beschreiben könnten. Kurz gesagt, auch wenn es sich noch nicht herumgesprochen hat: Es gibt keinen Elterninstinkt, genauso wenig wie es ein generell aggressionshemmendes Kindchenschema gibt.

Was es aber gibt, das sind bei unterschiedlichen Individuen ganz unterschiedlich ausgebildete Motivationen, sich der Sache mit den Kindern anzunehmen. Motivationen, die sich bei Flamingos unabhängig davon entfalten können, ob ein Individuum das Ei, aus dem das Küken geschlüpft ist, nun selbst gelegt und ausgebrütet hat oder nicht. Eine Tatsache, die man auch bei in Kolonien brütenden Pinguinen, Krähen, Möwen und Seeschwalben findet. Wobei die Erklärungsverrenkungen, die die moderne, im heteronormativen Klima des 19. Jahrhunderts entstandene Biologie veranstaltete, um homosexuelle Flamingopaare bei der Jungenaufzucht zu erklären, eine eigene Geschichte wert wären.

Bei der Brutpflege und der Aufzucht von Flamingos spielen schwule Tiere eine nicht geringe Rolle

Da man an einem entlegenen See sich aneinander erfreuende männliche oder weibliche Flamingopaare nicht so leicht als unnatürlich verdammen konnte, wich man auf einen anderen Mangel aus. Sie täten das nur, hieß es, weil sich nicht genug Vögel des anderen Geschlechts zur Wahl anbieten würden. Hätten sie die Möglichkeit, würden sie „natürlich“ das andere Geschlecht wählen.

Eine Theorie, die in einem gut dokumentierten Fall zu einer der ungezählten Unglücksvermehrungen in der Welt führten, die durch Nichtstun vermieden werden könnten. In einem Zoo hatte man ein gut funktionierendes Paar homosexueller Pinguine getrennt und ihnen lauter Weibchen in den Käfig gesetzt. Mit dem Ergebnis, dass die beiden Getrennten depressiv und immer dünner wurden, bis man sie endlich wieder zusammensetzte und ihrer „Natur“ nach leben ließ. Der Natur nach leben heißt bei zweigeschlechtlichen Lebewesen eben, dass sie sich in alle Richtungen falten und entfalten können. Und nimmt man das dritte Geschlecht, die bei allen, auch bei Flamingos, natürlich vorkommenden Hermaphroditen noch dazu, potenziert sich die Sache noch mal.

Die Natur ist in diesem Fall polymorph, ohne dabei, wie Freud meinte, „polymorph pervers“ zu sein. Pervers ist nur der Glaube, die Natur folge einem normativen Konzept, was sie schon deshalb nicht tut, weil sie keine Straßenverkehrsordnung kennt.

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