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Andreas Rossmann (aro.)

Schwimmbadverbot für Muslime : Schlag ins Wasser

Ein Schwimmbad nahe Bonn erteilt muslimischen Männer pauschal Hausverbot. Für die sexuellen Belästigungen, über die sich Besucher und Angestellte beschwert hatten, sind jedoch nur die wenigsten von ihnen verantwortlich.

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          Die öffentliche Badeanstalt ist schon länger ein Ort, an dem Integrationsfähigkeit und Integrationserwartung keine Verwässerung dulden. Bisher ging es dabei vor allem um muslimische Schülerinnen, die aus religiösen Gründen nicht am koedukativen Schwimmunterricht teilnehmen wollten. Nach strenger Auslegung des Korans müssten sie, so ihr Argument, vom siebten Lebensjahr an ihren ganzen Körper, bis auf die Hände und das Gesicht, bedecken. Im Herbst 2013 hatte das Bundesverwaltungsgericht dazu die Revision einer Schülerin des Helene-Lange-Gymnasiums in Frankfurt zurückgewiesen und dies damit begründet, dass das dreizehn Jahre alte Mädchen seiner Pflicht zur Verhüllung durch das Tragen eines sogenannten Burkinis gerecht werden könne. Der Ganzkörperbadeanzug sei islamisch angemessen und vertretbar, begrüßten der Zentralrat der Muslime und die türkische Gemeinde in Deutschland das Urteil.

          In Bornheim bei Bonn kommt es nun zur Umkehrung dieser Segregation: Nicht muslimische Frauen schließen sich vom Schwimmbad aus, sondern muslimische Männer werden vom Schwimmbad ausgeschlossen, weil sich, so der Sozialdezernent der Kommune, immer mehr Besucherinnen und Angestellte über sexuelle Belästigungen durch Bewohner einer nahen Asylbewerberunterkunft beschwert hätten. „Vorübergehend und kurzfristig“, so der Sprecher der Stadt auf Nachfrage, werde die Maßnahme nur durchgeführt; zu sexuellen Übergriffen sei es nicht gekommen. Der Sozialdezernent setzt offenbar darauf, durch Verhaltenshinweise die Situation bald beruhigen zu können. Bei einer Informationsveranstaltung für Flüchtlinge, so heißt es weiter, sei die Maßnahme, auch wenn sie alle betreffe, sogar auf großes Verständnis gestoßen. Eine Rechtsberatung dürfte dabei allerdings nicht erfolgt sein. Denn warum erhalten alle Männer über achtzehn Jahren - Bornheim hat insgesamt rund achthundert Flüchtlinge aufgenommen - ein Hausverbot, das im gegebenen Fall gegenüber der auffällig gewordenen Person auszusprechen wäre?

          Immerhin kann das „HallenFreizeitBad“ in der Rilkestraße den Neuankömmlingen, für ein paar Stunden, wenigstens den Klimaschock lindern. „Unter Naturholz und viel Glas scheint das ganze Jahr die Sonne“, macht es in seiner Werbung auf gut Wetter. Da können auch leitende Stadtbedienstete offenbar leicht ein paar Strahlen zu viel abkriegen.

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

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