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Schweizer Imperialismus : Wir wollen Deutschland!

Die Schweiz als neue Großmacht Europas? Bild: FAZ.NET, Stepmap

Eine Ohrfeige für Gaddafi: Während das libysche Staatsoberhaupt die Schweiz unter ihren Nachbarstaaten aufteilen will, planen konservative Politiker nun eine Vergrößerung des Alpenlandes.

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          Der erste April war längst vorbei, die Zeit der sauren Gurken hatte noch lange nicht begonnen. Die Bieridee kam aus dem Kanton Jura, der Ende des zwanzigsten Jahrhunderts nach jahrzehntelangen Kämpfen und ein paar Attentaten per eidgenössischer Abstimmung durch die Abspaltung vom Kanton Bern entstanden war. Sein Abgeordneter in der Hauptstadt, Nationalrat Dominique Bättig, hat kürzlich von der Landesregierung gefordert, sie solle Vorbereitungen treffen, um die umliegenden Gebiete der Schweiz einzuverleiben: Norditalien und Vorarlberg, Savoyen, das Elsass und den französischen Jura. Auch an Baden-Württemberg hat der Politiker gedacht.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Bättig gehört zur Schweizer Volkspartei SVP, der man immer wieder faschistische und fremdenfeindliche Tendenzen unterstellt. Aber er will jetzt keineswegs die Armee losschicken, für die in der Regierung sein Genosse Ueli Maurer zuständig ist, der versprochen hatte, sie zur besten der Welt zu machen. Sie ist trotz aller Modernisierung auf Verteidigung eingestellt und für den Offensivkrieg nicht gerüstet: Bättig will die Grenzregionen demokratisch annektieren, nach dem jurassischen Beispiel.

          Ade Berlin!

          Sein Vorschlag war zunächst eine Reaktion auf die Demütigungen des Landes durch Gaddafi, der vor den Vereinten Nationen eine Zerschlagung der Schweiz gefordert hatte. Deren Einzelteile will der Libyer den umliegenden europäischen Ländern zuschlagen. Bättigs Genossen erkannten schnell das propagandistische Potential des provozierenden Gegenvorstoßes, der eigentlich nicht ganz ernst gemeint war. Zwei Dutzend Abgeordnete, der Parteipräsident inklusive, unterschrieben die Petition an die Regierung. Ihr und den anderen Parteien ist die Sache äußerst peinlich. Bei der deutschen Botschaft hat man schon lange nicht mehr so gelacht.

          Doch in den angesprochenen Gebieten, denen die SVP eine neue Heimat anbietet, ist das Echo weitgehend positiv. In Obersavoyen gibt es längst eine Unabhängigkeitsbewegung, die zur Schweiz möchte. In Como hat eine Zeitungsumfrage ergeben, dass vierundsiebzig Prozent den Anschluss gerne vollziehen würden. Auf „Vorarlberg online“ werden die Qualitäten der Schweiz unterstrichen: „Geordnete Staatsfinanzen, höherer Lebensstandard, Probleme werden gemeinsam mit dem Volk gelöst.“ Aus Baden-Württemberg tönt es ganz ähnlich: „Die Schweizer sind uns von der Mentalität her näher“, schreibt ein Leser des „Südkuriers“ in Konstanz: „Nichts wie weg von den Pleitegeiern aus Berlin.“

          Europa soll der Schweiz beitreten

          Das ist Balsam auf die Seele der Eidgenossen. Sie sind als Bankenplatz und Hort des Schwarzgelds aus der internationalen Steuerhinterziehung auf die Anklagebank der Welt geraten. Peer Steinbrück wollte den Indianern die Kavallerie schicken. Jetzt bietet das kleine Reservat den Euro-Exilanten und Europa-Geschädigten (und nicht nur ihrem Geld) territoriales Asyl.

          Die SVP war bislang durch ihre Abschottungspolitik hervorgetreten. Einem Beitritt Europas, das auch ganz klein begonnen hat, zur Schweiz stimmt sie gerne zu. An ihrem politischen System soll die Union genesen.

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