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Schröder und die Medien : Das Ende des Kuschelfernsehens

  • Aktualisiert am
Doris Schröder-Köpf fand den Kanzler „zu krawallig”

Doris Schröder-Köpf fand den Kanzler „zu krawallig” Bild: REUTERS

Ein aggressiver, arroganter Kanzler, streitlustige Journalisten - die Elefantenrunde war für die vom Christiansen-Kuschelfunk eingelullten Fernsehzuschauer eine Überraschung. Nur Doris Schröder-Köpf hat es nicht gefallen.

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          Daß es Doris Schröder-Köpf war, die den Kanzler für seinen aggressiv arroganten Auftritt im Fernsehen zurechtwies, ist kein Wunder. Gerhard Schröders Attacken am Wahlabend hatten zwei Hauptstoßrichtungen: Merkels Union und die Medien. Und seine pauschale Schelte gegen die, die „schreiben und senden“, kann der gelernten Journalistin nicht gefallen haben.

          Der erste Angriff erfolgte gleich in Schröders erstem, von seiner erfolgreichen Aufholjagd beflügelten Auftritt am Wahlabend. Medienmacht und Medienmanipulation hätten das demokratische System nicht erschüttern können, rief Schröder seinen Anhängern zu. Das war mindestens genauso überraschend wie seine Ankündigung, Regierungschef bleiben zu wollen. Medienkanzler, dieses Attribut paßt seit dem 18. September 2005 nicht mehr zu Gerhard Schröder.

          „Auch wenn es Ihnen nicht paßt“

          Dabei machte Schröder jedoch einen schon klassischen Fehler. Nicht, daß er die mehr oder minder offensichtlichen Wahlempfehlungen großer Zeitungen für Schwarz-Gelb monierte. Nein, Gerhard Schröder echauffierte sich vor allem über das ständige „Senden und Schreiben“ der schlechten Umfragewerte. Er nahm den Boten ihre schlechten Nachrichten übel.

          Hatte sich Schröder im TV-Duell und in der Sechserrunde am Montag vor der Wahl noch staatsmännische Zurückhaltung auferlegt, ließ er am Wahlabend seiner offensichtlich aufgestauten Wut über die Berichterstattung freien Lauf. Er sei noch Bundeskanzler, „auch wenn Sie dagegen arbeiten“, fuhr Schröder den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender an. „Nicht alles, was Ihnen nicht paßt, ist eine Medienkampagne“, erwiderte der Fernsehmann trotzig. Während Schröder sein Abendziel erreicht hat, die Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel mit seiner zur Schau gestellten Siegessicherheit in die Defensive zu drängen, blieben Brender und sein ARD-Counterpart Hartmann von der Tann standhaft.

          „Ein bißchen zu krawallig“

          Solche Töne waren im deutschen Fernsehen lange nicht zu hören. Wo sonst Christiansens Kuschelfunk läuft, waren auf einmal streitlustige Journalisten zu sehen. Weder Brender noch von der Tann wollten sich die Unterstellung der parteiischen Berichterstattung gefallen lassen. „Diese Formen der Unterstellung geziemen sich nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“, sagte Brender. „Sie haben uns nichts zu unterstellen, und wir haben ihnen nichts zu unterstellen“, sagte von der Tann. Da war Schröder still, zumindest für den Moment. Solche Widerworte in der Öffentlichkeit, in einer solchen Schärfe vorgebracht, überraschten selbst den vermeintlichen Medienprofi. Doch der Kanzler erholte sich schnell, unterbrach angriffslustig immer wieder seine politischen Gegner Guido Westerwelle, Angela Merkel und Edmund Stoiber, die beiden Fernseh-Chefredakteure sowieso.

          „Ich sei vielleicht ein bißchen zu krawallig gewesen“, berichtete Schröder später am Sonntag abend vor geladenen Ehrengästen im 5. Stock des Willy-Brandt-Hauses in Berlin über die Kritik seiner Ehefrau. „Na ja, sie hat zu mir gesagt, ich muß mehr Staatsmann sein.“ Allerdings erwarteten die Menschen auch von ihm, daß er kämpfe. „Und das habe ich getan.“ Doris Schröder-Köpf hat der Kampfstil nicht gefallen, doch für die politische Streitkultur im Fernsehen war die „Elefantenrunde“ ein Glücksfall. Die Harmoniebedürftigen unter den Fernsehzuschauern durften sich nach der Streitrunde bei der „Lindenstraße“ entspannen, die die ARD mitten im hochspannenden Wahlabend abspulte. Danach kam „Christiansen“. Vielleicht hätte es Frau Schröder-Köpf gefallen.

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