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Gioconda Belli über Nicaragua Die Diktatur ist zurück, die Revolution aber auch

Ein ganzes Land lehnt sich auf: Im Interview spricht die Schriftstellerin Gioconda Belli über die Angst, die Wut, die Morde in Nicaragua und darüber, wie Präsident Daniel Ortega vom Revolutionär zum Diktator wurde.

Von Henning Kober

Gioconda Belli, am Freitag in Darmstadt
© Jana Mai
Gioconda Belli, am Freitag in Darmstadt

Wie Diktaturen enden, lässt sich noch heute gut in Darmstadt besichtigen, die britische Royal Air Force leistete ganze Arbeit, als sie im September 1944 die mittelalterliche Altstadt zerstörte. An ihrer Statt gibt es heute einiges an Brutalismus zu sehen sowie viel Nachkriegsmoderne. In einer Seitenstraße nicht weit vom zentralen Luisenplatz findet sich ein besonders schwerelos wirkendes Exemplar, das über eine Parkgarage gebaute „Best Western Hotel“, dessen weiße Fassade mit roten Streifen strukturiert ist. So einen ähnlichen Bau könnte man auch in Managua finden, der einst so modernen Hauptstadt von Nicaragua. Vor dem Eingang steht die berühmteste Schriftstellerin des Landes, Gioconda Belli, die in ihren Lebenserinnerungen („Die Verteidigung des Glücks“) den Untergang ihrer Stadt (1972, in einem großen Erdbeben) sprachmächtig beschrieben hat. Belli hat schönes, gelocktes Haar, eine wahre Löwenmähne, sie raucht. In Darmstadt hat das deutsche Pen-Zentrum ihr am Donnerstag den Hermann-Kesten-Preis verliehen. Eigentlich hatte sie aufgehört zu rauchen. Aber als im April in Nicaragua Gewalt ausbrach: „Da musste ich wieder anfangen“, sagt sie. Fünfhundert Menschen sind gestorben, mehr als tausend werden vermisst, viele sind inhaftiert, mehr als 20.000 in das Nachbarland Costa Rica geflüchtet. Rentner, Studenten, Mütter: das ganze Land lehnt sich auf gegen Präsident Daniel Ortega, mit dem Gioconda Belli einst in der sandinistischen Revolution gekämpft hat.

Gioconda Belli, Sie leben in Managua, haben Sie im vergangenen halben Jahr Angst gehabt, verhaftet zu werden?

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