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Autor und Hotelportier : Aus dem Leben eines Kosmopolen

  • -Aktualisiert am

Das Hotel „Lindley“ sieht in der Dämmerung aus wie ein großes Bilderbuch. Bild: Steve Herud

Als Schriftsteller muss man manche Nebenbeschäftigung eingehen. Ich arbeite als Nachtportier in einem Frankfurter Hotel – und das ausgerechnet in Corona-Zeiten.

          7 Min.

          Lindley“, „Leuchtendroter“, „Marmion“ – in dieser Reihenfolge heißen Hotel, Restaurant und Bar in der Lindleystraße 17. Und der nach Teer, Schiffsöl und Frikadellen stinkende Hafen am Mainkanal ist unser direkter Nachbar. Im Fenster meines Hotelzimmers im vierten Stock lächelt mich allerdings der schwerbewachte Glasturm der Europäischen Zentralbank an. Das „Lindley“ ist mein neues Zuhause, nach dreißig Jahren Ehe, die urplötzlich zu Ende ging, nach 35 Jahren im Verdener Sachsenhain bei Bremen und nach seit 1997 achtzehn Büchern. Ich wurde in der Volksrepublik Polen geboren und bin wieder im Osten gelandet – Frankfurt-Ostend, wo die Ratten nachts zwischen den schönen neuen Büro- und Hotelgebäuden graziös spazieren gehen; sie haben’s hier nicht so eilig wie ihre Verwandten in Manhattan. Und ich führe seit dem 1. Juli im ersten Jahre der Pandemie ein dreifaches Leben: als Hoteldichter, Heimatloser (möge mir Frankfurt gnädig sein!) und Nachtportier für zwei Nächte pro Woche.

          Die verbringe ich in der Lobby, wo ich die Menschheit noch einmal neu kennengelernt habe: Sobald Gäste das „Lindley“ betreten haben, geben sie ihre Freiheit im Namen der Sicherheit vollkommen auf (Zygmunt Bauman!), indem sie sich vollständig auf die Concierges und den Service des Hotels verlassen; man kann ihnen zigmal erklären, dass es in den Gemeinschaftsküchen gefiltertes Trinkwasser „for free“ gibt oder wie man mit der Zimmerkarte die Haupteingangstür spät in der Nacht öffnet – sie hören einfach nicht zu, sie schalten das Denken aus, das Hotel denkt nun für sie. Und obwohl sie alle ein Smartphone in der Hand halten, bestellen sie trotzdem an der Rezeption ein Taxi. Reiche Frankfurter Schnösel, die Hipster sein wollen, lassen sich in der Hotelbar volllaufen, und stockbetrunken stehlen sie dann aus der Lobby eines der Kunstwerke, das sie wenige Minuten später wieder zurückbringen – schließlich gibt’s überall Videokameras, und das fällt ihnen schon irgendwann ein, bevor sie sich mit ihrer Beute ins Taxi setzen.

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