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Schmiergeld an Amerikas Unis : Das sind wirklich Supereltern

  • -Aktualisiert am

Angeklagt wegen mutmaßlicher Bestechung: die Schauspielerinnen Lori Loughlin (links) und Felicity Huffman. Bild: AP

In den Vereinigten Staaten habe Reiche und Prominente hohe Schmiergelder gezahlt, damit ihre Kinder an Elite-Unis kommen. Dass dort nur die Besten reüssieren, lässt sich wohl kaum noch behaupten.

          Olivia Jade Giannulli, Tochter der amerikanischen Schauspielerin Lori Loughlin und bekannte Influencerin, ist bislang weder durch sportliche noch schulische Leistungen aufgefallen. Auf Twitter klagte sie vor zwei Jahren, wie schwer es sei, sich in der Schule zu bemühen, wenn einem total egal sei, was man lerne.

          Olivia hat aber eine ehrgeizige Mutter, die ihre zwei Töchter unbedingt an der renommierten University of South California unterbringen wollte. Weil diese dafür offenbar nicht schlau genug waren, pries sie die beiden über den Berater William Singer, dem sie dafür 500.000 Dollar Bestechungsgeld zahlte, als Ruderinnen an. Für talentierte Sportler halten amerikanische Universitäten immer ein paar Plätze frei.

          Nach Lori Loughlin fahndet inzwischen die Polizei. Ihre Schauspielkollegin Felicity Huffman, bekannt als Supermutter aus der Serie „Desperate Housewives“, ist nach kurzem Gefängnisaufenthalt vorerst wieder frei. Huffmann hatte fünfzehntausend Dollar an Singer gezahlt, um die Punktzahl ihrer Tochter beim Eingangstest für Universitäten zu frisieren.

          Wie das FBI am Dienstag aufgedeckt hat, war Singer das Zentrum eines weitmaschigen Betrugsnetzes. 25 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern von 46 Unternehmern, Investoren und Schauspielern sind über ihn nach FBI-Angaben an Gutachter und Beamte an amerikanischen Universitäten geflossen. Ziel der Schmiergelder war es jeweils, Kinder an Elitehochschulen zu schleusen, die es aus eigener Kraft nicht geschafft hätten.

          Ein Telefonat zwischen Singer und einem Klienten, das vom FBI abgehört wurde, zeigt, wie geschickt dieser den Ehrgeiz der Eltern ausnutzte: „Wenn sie (gemeint war die Tochter des Klienten) die Punktzahl (beim Eingangstest) erreicht und wählen kann, dann werden Sie sagen, ich mache das für alle meine Kinder“, sagt Singer. Antwort des Kunden: „Ja, das werde ich.“

          Dass diskrete Geldzuwendungen beim Zugang zu amerikanischen Eliteuniversitäten eine Rolle spielen, ist kein Geheimnis. Auch Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Trump, wird nachgesagt, sein Harvard-Studium nicht seinen schulischen Leistungen, sondern einer Millionenspende seines Vaters zu verdanken. Was die Zahl der Verdachtsfälle betrifft, gibt es bisher aber keinen vergleichbaren Fall. Er trifft die amerikanischen Universitäten in einer Zeit, in der die Kritik an Privilegien beim Hochschulzugang besonders stark ist.

          Die These, dass beim Zugang zu amerikanischen Spitzenuniversitäten allein die Leistung zähle, wird nicht mehr so leicht zu vertreten sein. Ohnehin sind für ein Studium in Yale oder Berkeley schon sechzig- bis achtzigtausend Dollar pro Jahr aufzubringen. Als der Betrug aufflog, hatte sich Olivia Jade Giannulli schon mit dem Campus angefreundet. Sie freue sich, sagte sie 2018 in einer Radioshow, dass ihre Eltern sie zum Studium gezwungen hätten, um sich sofort zu korrigieren, nein, gezwungen worden sei sie eigentlich nicht. Sie möge das Studium, denn es sei toll, „content von einer ganz anderen Sichtweise als der Schule zu produzieren“.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

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