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Mit den besten Empfehlungen

Für alle, die es kurz mögen: Unsere Bücher, Musik und bewegten Bilder

Der Roman

Eleonore Büning
Eleonore Büning
Thomas Wolfe: „Eine Deutschlandreise. Literarische Zeitbilder 1926–1936“
Manesse, 25 Euro.
Erschreckend aktuelle Protokolle aus dem Alltag einer präfaschistischen Gesellschaft. Der objektive Beobachter, der sich ahnungslos wähnt und tatenlos bleibt, sind wir.
Julia Encke
Julia Encke
David Grossman: „Was Nina wusste“
Roman. Hanser, 25 Euro.
Kriegsbericht, Liebesgeschichte, Familienroman und in allem überwältigend. Grossman ist für mich einfach der größte lebende Schriftsteller.
Andreas Kilb
Andreas Kilb
Ralf Rothmann: „Hotel der Schlaflosen“
Erzählungen. Suhrkamp, 22 Euro.
Elf Erzählungen des besten deutschen Romanautors seiner Generation. Viel mehr als ein Roman.
Peter Körte
Peter Körte
Don DeLillo: „Die Stille“
Kiepenheuer und Witsch, 20 Euro.
Vom Tag zu erzählen, an dem alle Systeme zusammenbrechen – das kann noch immer keiner so wie DeLillo. Und dank Frank Heiberts Übersetzung bleibt der DeLillo-Sound auch im Deutschen erhalten.
Karen Krüger
Karen Krüger
Giulia Caminito: „Ein Tag wird kommen“
Wagenbach, 23 Euro.
Zwei ungleiche Brüder, eine Äbtissin, die als Kind aus Afrika geraubt wurde, die Spanische Grippe und die anarchistische Bewegung in Italien. Und dann beruht alles auch noch auf wahren Begebenheiten.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Felix Mitterer: „Keiner von euch“
Haymon, 24,90 Euro.
Der Autor der legendären „Piefke-Saga“ hat seinen ersten Roman geschrieben. Er zeichnet das Leben von Angelo Solimann nach, einem Afrikaner, der im 18. Jahrhundert am Wiener Hof lebte. Schräg, rasant, aktuell.
Barbara Liepert 1.6281627
Barbara Liepert 1.6281627
Franz Hessel: „Pariser Romanze“
Lilienfeld Verlag, 18,90 Euro.
Vor den allgegenwärtigen Reisewarnungen ins Paris vor dem Ersten Weltkrieg fliehen und dort Freiheit und Frieden finden.
Niklas Maak
Niklas Maak
J. G. Ballard: „Liebe & Napalm“
Diaphanes, 17,50 Euro.
Großer, dunkler Roman von 1970 über die Vereinigten Staaten, Glückssucher, Idole und auseinanderfallende Identitäten, jetzt wieder aufgelegt. Immer noch eines der besten Bücher, um Amerika zu verstehen.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Emma Becker: „La Maison“
Rowohlt, 22 Euro.
Eine Französin arbeitet in zwei Bordellen in Berlin. Und alles an der Story ist hart und ist pervers, traurig und schön – und ist vor allem elegante Literatur.
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Giorgio Agamben: „Was ist Wirklichkeit? Das Verschwinden des Ettore Majorana.“
Matthes & Seitz, 12 Euro.
Wie die Wirklichkeit, durch die Kalküle der statistischen Wahrscheinlichkeitsrechnung bezwungen, gar nicht anders kann, als hinter die Wahrscheinlichkeit zurückzutreten, ist besser nie beschrieben worden. Ein Text des Jahres.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Ayad Ahktar: „Homeland Elegien“
Ullstein, 24 Euro.
Die Geschichte eines amerikanischen Sohns als Autobiographie einer Nation von Geflüchteten.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Ayad Akhtar: „Homeland Elegien“
Ullstein, 24 Euro.
Biographie, Essay und Fiktion, Trump und 9/11, vom Tod der Mutter zu Syphilis: das übervolle Buch eines säkularen Muslims über die Hassliebe zu seinem Amerika.
Claudius Seidl
Claudius Seidl
Ayad Akhtar: „Homeland Elegien“
Ullstein, 24 Euro.
Amerikaner zu sein, das kann auch heißen, seine Wurzeln und seine Vorgeschichte in Pakistan zu haben. Das versteht sich scheinbar von selbst, wird aber von Akhtar ganz wunderbar in Erzählung, Anschauung, Leben übersetzt.
Mark Siemons
Mark Siemons
Rolf Lappert: „Leben ist ein unregelmäßiges Verb“
Hanser, 32 Euro.
992-Seiten-Schmöker über das abenteuerliche Leben von vier Kaspar-Hauser-Existenzen in der Bundesrepublik von 1980 bis heute.
Harald Staun
Harald Staun
Ben Lerner: „Die Topeka Schule“
Suhrkamp, 24 Euro.
Männer, die auf Wörter starren: Über die Schönheit und die Gewalt der Manipulationen durch Sprache.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Hilary Mantel: „Spiegel und Licht“
DuMont, 32 Euro.
Wenn in der Corona-Zeit wirklich alle so viel lesen, wie sie immer behaupten – wie wäre es mit einem Großprojekt? Mit Mantels grandioser Tudor-Trilogie fällt das Durchhalten nicht einmal besonders schwer.

Nächstes Kapitel:

Sachbuch



Sachbuch

Eleonore Büning
Eleonore Büning
Alex Ross: „Die Welt nach Wagner“
Rowohlt, 40 Euro.
Zur Wagner-Rezeption ist schon alles gesagt worden. Nur noch nicht von Ross. Sein Kompendium ist das dickste, aber auch das mit Abstand brillanteste. Ein Riesen-Lesespaß.
Julia Encke
Julia Encke
Benjamin Moser: „Sontag – Die Biografie“
Penguin, 40 Euro.
Wo über Susan Sontag geschrieben wird, wird oft versucht, noch Susan-Sontag-hafter zu sein als Susan Sontag. Mosers großartiges Buch ist völlig frei davon.
Andreas Kilb
Andreas Kilb
Christoph Nonn: „12 Tage und ein halbes Jahrhundert: Eine Geschichte des Deutschen Kaiserreichs“
C.H. Beck, 34 Euro.
Marienerscheinungen, Arbeiterbewegung, Flottenbau, Judenhetze: Die Welt unserer Urgroßväter, geschildert in einem Ton, der nie großväterlich ist.
Peter Körte
Peter Körte
Emma Southon: „A Fatal Thing Happened on the Way to the Forum. Murder in Ancient Rome“
Oneworld Publications, 13,99 Euro.
Starker Titel frei nach Richard Lester, interessanter Blickwinkel: der politische Mord als ein Schlüssel zur römischen Kultur und Politik.
Karen Krüger
Karen Krüger
Benjamin Moser: „Sontag. Die Biographie“
Penguin, 40 Euro.
Für alle, die Susan Sontags Essays, Reden und Romane lieben und sich immer gefragt haben, woher sie ihr Gespür für Zeitgeist, ihre Neugier und ihre anthropologische Skepsis nahm.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Christoph Schrahe, Thomas Biersack, Stefan Herbke: „111 Skipisten, die man gefahren sein muss“
Emons, 16,95 Euro.
Im Stil der „Things you have to see before you die“-Bücher. In Zeiten von Pandemie und Klimawandel besser: „Things you have to see before they die“.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
François-Régis Gaudry und Freunde: „Die Gourmet-Bibel Frankreich: Absolut alles über die französische Küche“
Christian Verlag, 70 Euro.
Der Winter wird lang und dieses Buch hat – Dieu merci! – 400 Seiten.
Niklas Maak
Niklas Maak
Le Corbusier: „Aircraft“
Wasmuth und Zohlen, 38 Euro.
1935 stellte der Architekt, beraten von Antoine de Saint Exupéry, seine Ode ans Abheben und Schweben zusammen. 1942 verbrannten die Vorlagen in London bei einem Luftangriff. Fast 80 Jahre später erstmals auf Deutsch.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Katja Eichinger: „Mode und andere Neurosen: Essays“
Blumenbar, 20 Euro.
Bitte unbedingt lesen! Weil auf der Welt nie jemand schöner, klüger, witziger über die Birkin Bag geschrieben hat und über andere Kleinigkeiten.
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Judith Butler: „Die Macht der Gewaltlosigkeit. Über das Ethische im Politischen“
Suhrkamp, 28 Euro.
Butlers Versuch, Gewaltlosigkeit als Machtpraxis zu denken, nimmt sich viel vor, denn das institutionelle Leben der Gewalt lässt sich nicht durch Verbote überwinden, sondern nur durch ein gegen-institutionelles Ethos und Praxis.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Anna Wiener: „Code kaputt“
Droemer, 18 Euro.
Unterwegs in der Männerwelt des Silicon Valley, supersmart erzählt.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Antonia Baum: „Eminem“
KiWi, 10 Euro.
Für alle Dorfkinder, die wissen wollen, warum ihnen Eminem als Held erschien und wie aus ihrem Rapper der alte weiße Mann geworden ist, der er womöglich leider schon damals war.
Claudius Seidl
Claudius Seidl
James Poniewozik: „Audience of One: Donald Trump, Television, and the Fracturing of America“
Liveright.
Man versteht das Publikum Donald Trumps viel besser, wenn man den Mann als TV-Star betrachtet. Das Buch ist ein Jahr alt; es wird, als Reflexion über die Macht der Bilder, noch lange gültig bleiben.
Mark Siemons
Mark Siemons
Jonathan Lear: „Radikale Hoffnung. Ethik im Angesicht kultureller Zerstörung“
Suhrkamp, 28 Euro.
Worauf kann man bauen, wenn der Rahmen der vertrauten Kultur wegbricht? Hochergiebige Spekulation an der Hand des Crow-Häuptlings Plenty Coups.
Harald Staun
Harald Staun
Jill Lepore: „If Then. How the Simulmatics Corporation Invented the Future“
Norton & Company, ca. 18 Euro.
Die vergessene Geschichte der Mutter aller Datenunternehmen, deren größenwahnsinnige Visionen heute wie ein Witz wirken.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Desmond Morris: „Das Leben der Surrealisten“
Unionsverlag, 26 Euro.
Klatsch und Tratsch über Affären und komplizierte Dreiecksbeziehungen – wer liest das nicht gern? Mit diesem Buch kann man seinen Voyeurismus auch ganz geschickt als Kunstinteresse kaschieren.

Nächstes Kapitel:

Der Bildband



Der Bildband

Eleonore Büning
Eleonore Büning
Richard Wagner: „Lohengrin, in Bildern von Rosa Loy und Neo Rauch“
C.H.Beck, 34 Euro.
Vor zwei Jahren flog der Bayreuther Gralsritter direkt aus den blauen Bergen ein: Wolken, Flüsse, Fliegen, Käfer, Prospekte, Figurinen – alles märchenhaft blau.
Julia Encke
Julia Encke
Christian Werner: „Everything so democratic and cool“
Blake&Vargas, 35 Euro.
„Wenn ich die Bilder betrachte, habe ich den Eindruck, sie zeigen etwas, das auch ich hätte sehen können, wenn ich genauer hingeschaut hätte", schreibt Friederike Haupt im Epilog. Genau.
Andreas Kilb
Andreas Kilb
Harald Hauswald: „Voll das Leben!“
Steidl, 45 Euro.
Die besten und die schlimmsten, die schönsten und die traurigsten Fotos aus der DDR, aufgenommen von einem, der so genau hingeschaut hat, dass ihn die Stasi rund um die Uhr überwachte.
Peter Körte
Peter Körte
Daniel Freeman: „Midnight on Main“
Hatje Cantz, 44 Euro.
Der britische Fotograf, der in der Nacht sehen lernt: verlassene Welten, Neon-Elegien, Kleinstadtstraßen in Amerika, irgendwo zwischen Edward Hopper, David Lynch und William Eggleston.
Karen Krüger
Karen Krüger
Reuel Golden/Christopher Warwick: „Her Majesty. A Photographic History 1926 – today“
Taschen, 50 Euro.
Die 5. Staffel von „The Crown“ wird es erst 2022 geben. Dieses Buch bietet Trost: großartige Fotos der Queen und ihrer Lieben zwischen Kitsch, Kultur und Glamour.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Lois Hechenblaikner: „Ischgl“
Steidl, 34 Euro.
Noch Fragen, wie es im Tiroler Wintersportort Ischgl so weit kommen konnte? Diese schonungslosen Fotos geben die Antworten darauf.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
Peter Ortner: „The Essence of Berlin-Tegel, Taking Stock of an Airport's Architecture“
Jovis, 22 Euro.
Weil sich die wenigsten von Tegel verabschieden konnten, noch mal die schönsten Details des weltbesten Stadtflughafens.
Niklas Maak
Niklas Maak
Jan Koslowski: „Rabauken“
Korbinian, 20 Euro.
Ja, nein, das ist kein Bildband, aber dafür ein Kunstwerk, nämlich ein von Janes Haid-Schmallenberg elegant-rabaukig illustrierter Roman über Hedonisten, die mit viel Zitronensorbet und getönten Sonnenbrillen in den Sommer treiben.


Anna Prizkau
Anna Prizkau
Orhan Pamuk: "Orange".
Steidl, 35 Euro.
Sich schon mal eine Stadt mit den Augen eines Literaturnobelpreisträgers angeschaut? Ja, das geht wirklich – mit Orhan Pamuk, der Istanbul fotografiert hat.
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Klaus Theweleit: „Warum Cortes wirlich siegte. Technologiegeschichte der eurasisch-amerkanischen Kolonialismen“
Matthes & Seitz, 38 Euro.
Kein klassischer Bildband, aber bestimmt besser, sprechender und schöner bebildert als die meisten Bildbände.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Wally Koval: „Accidentally Wes Anderson“
DuMont, 23,99 Euro.
Man muss Anderson nicht mögen, um dieses Buch zu mögen: Weil es den preppy Puppenstuben-Stil des Regisseurs an Orten findet, wo der nie war.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Rebecca Solnit: „Unziemliches Verhalten. Wie ich Feministin wurde“
Hoffmann und Campe, 23 Euro.
Ist genau ein Bild drinnen – das von Rebecca Solnits Schreibtisch, an dem sie eine Stimme gefunden hat, um über ihren Überlebenskampf zu schreiben, als Frau.
Claudius Seidl
Claudius Seidl
Jürgen Tietz (Hg.): „TXL“
Park Books, 38 Euro.
Wenn die Bewohner Berlins merken, dass ein moderner Bau etwas taugt, schön und funktional ist, dann ist der meistens so verwahrlost, dass er nicht mehr zu retten ist. Der Flughafen Tegel, immerhin, wird stehenbleiben, als Erinnerung an modernere Zeiten. Und ohne Bestimmung.
Mark Siemons
Mark Siemons
Harald Jähner: „Wolfszeit. Ein Jahrzehnt in Bildern 1945 – 1955“
Rowohlt Berlin, 28 Euro.
Von der Frau, die auf dem Hochseil über den Trümmern balanciert, bis zu der Frau, die im abstrakt bedruckten Kleid ein abstraktes Gemälde anschaut: archäologisches Dokument einer nahen Zeit.
Harald Staun
Harald Staun
Ashok Sinha: „Gas and Glamour. Roadside Architecture in Los Angeles“
Kehrer Verlag, 38,00 Euro.
Ein greller Blick zurück in die Zeit, als man an Tankstellen noch Richtung Zukunft abheben konnte.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Anna Haifisch und Stefanie Leinhos: „Gnocchi, Gnocchi – who‘s there?“
Colorama, 22 Euro.
Wie sagte schon ein weiser Mensch: „No man is lonely while eating spaghetti, for it takes so much attention.“ Dieses lustige Büchlein über Pasta feiert das beste Gericht der Welt.

Nächstes Kapitel:

Für Kinder



Für Kinder

Eleonore Büning
Eleonore Büning
„Das tapfere Schneiderlein“
Gelesen von Ulrich Noethen, mit Musik von Mozart u. a. (Edition See-Igel).
Riesen und Einhörner sind ausgestorben, genäht wird in Fernost. Aber die Parabel passt immer noch, es gibt sogar ein Rezept dazu: Pflaumenmus macht klug und stark.
Julia Encke
Julia Encke
Lea Schmidbauer: „Ostwind 5 – Der große Orkan“
(ab 17. Dezember endlich im Kino, wenn die Kinos wieder aufmachen. Also Kinogutschein in den Adventskalender oder unter den Weihnachtsbaum.)
Andreas Kilb
Andreas Kilb
Matthias Sodtke: „Nulli und Priesemut: In die Möhre, fertig, los!“
Carlsen, 10 Euro.
Die großen Lebensfragen werden am schnellsten im streitbaren Dialog zwischen Frosch und Hase geklärt.
Peter Körte
Peter Körte
„Arminia ist wieder da! Die Saison 2019/2020 – Der Aufstiegsfilm“
(Youtube)
Die reine Freude für das Kind in einem, das an den Aufstieg zum letzten Mal geglaubt hat, als es wirklich noch Kind war.
Karen Krüger
Karen Krüger
Melanie Jahreis: „Rebel Minds. 44 Erfinderinnen, die unsere Welt verändert haben“
C.H. Beck, 19,95 Euro.
Unwiderstehliche und schön illustrierte Kurzporträts von Frauen, die ein Problem erkannten, darüber nachdachten und eine Lösung fanden.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Tamara Bach: „Sankt Irgendwas“
Carlsen, 13 Euro.
„Hast du was gehört von der b?“ „Wieso gehört? Was ist denn passiert, ist was passiert?“ „Auf der Klassenfahrt.“ Eine ganze Menge ist passiert, aber auch: nicht viel. Großartige Montage-Erzählung für Jugendliche und Erwachsene.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
Andreas Steinhöfel: „Rico, Oskar und das Mistverständnis“
Carlsen, 16 Euro.
Leider der letzte Band der Berliner Kiezgeschichten für Kinder, mit den wundervollen Illustrationen von Peter Schössow. Unbedingt zelebrieren!
Niklas Maak
Niklas Maak
Mark-Uwe Kling: „Das Neinhorn“
Voland & Quist.
Hörbuch zum gleichnamigen Bestseller, der von einem renitenten Einhorn handelt, das immer nein sagt. Haben wir schon? Dann: „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat“, auch von Kling, auch sehr lustig.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Masha Gessen: „Leben mit Exil“
Suhrkamp, 12 Euro.
Klar, kompliziert. Doch, klar, kann man das niemals früh genug begreifen: Die Storys von Ausländern, Flüchtlingen und Fremden sind mehr als nur Geschichten guter Opfer oder böser Täter.
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Sonja Eismann/Amelie Persson: „Wie siehst Du denn aus? Warum es normal nicht gibt“
Beltz, 14,95 Euro.
Der schönste Einwand gegen den Terror der Gaussschen Normalverteilung in der Wirklichkeit, dazu noch verständlich und lustvoll am immer besonderen Körper illustriert. Smarter geht es nicht.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Erich Kästner: „Freundschaft auf den ersten Blick“
Atrium, 14 Euro.
Und dazu „Das Fliegende Klassenzimmer“ (gleicher Verlag und Preis), dann kann Weihnachten werden, egal, wie wir feiern, Johnny Trotz und Martin Thaler sind da.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Das einzige, nun ja, Kind (zwölf Jahre) in meinem Umfeld wünscht sich einen E-Roller.
Claudius Seidl
Claudius Seidl
Hans Fallada: „Meine lieben jungen Freunde – Briefe an die Kinder“
Aufbau, 16 Euro.
Der schönste Text in diesem schönen Buch ist gar kein Brief, sondern ein Selbstporträt: „Meine lieben jungen Freunde, ich will Ihnen davon erzählen, wie ein Mensch zum Schriftsteller wird.“
Mark Siemons
Mark Siemons
Robin Stevens: „Eine Prise Mord“
Knesebeck, 16 Euro.
Neuester Band der englischen Retro-Krimireihe „Ein Fall für Wells & Wong“, in der zwei Internatsschülerinnen den Verbrechen der Erwachsenen auf die Spur kommen. Ab 12 Jahren.
Harald Staun
Harald Staun
V.A.: „Unter meinem Bett 6“
Oetinger Media.
Pünktlich zu Weihnachten liefern Deutschlands knuddeligste Songwriter sympathische Kindermusik, bei der auch abgebrühte Eltern manchmal aus Versehen mitwippen müssen.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Heike Faller und Valerio Vidali: „Freunde. Was uns verbindet“
Kein und Aber, 20 Euro.
Gute Freunde braucht jeder – egal in welchem Alter. Dieses Buch zeigt ganz wunderbar, warum.

Nächstes Kapitel:

Musik



Musik

Eleonore Büning
Eleonore Büning
„Vanitas“
Lieder von Schubert, Beethoven und Rihm. (Alpha Classics/Note 1).
Schon nach der ersten Phrase von Schuberts „Im Freien“ liegt man vor dieser Stimme auf den Knien. Georg Nigl singt vermischte Träume, in Stahl, in Samt und Seide.
Julia Encke
Julia Encke
Hildur Gudnadóttir: „Cernobyl“
(Universal)
Für den Soundtrack der Serie „Chernobyl“ reiste die Isländerin ins Atomkraftwerk Ignalina und sammelte im Strahlenschutzanzug Geräusche. Die Serie vergisst man nie mehr – auch wegen dieser Musik.
Andreas Kilb
Andreas Kilb
Johann Sebastian Bach: „Solo Cello Suites“
Gespielt von Miklos Perényi (Hungaroton).
Nervennahrung für finstere Corona-Tage.
Peter Körte
Peter Körte
Kylie Minogue: „Disco“
(Bmg Rights Management /Warner)
„Drei Minuten Eskapismus und Euphorie“ brauche jeder, hat Kylie M. gesagt. Stimmt! In Corona-Zeiten bringt es einen auf andere, nostalgische Gedanken, wenn sich alle Discokugeln der Siebziger drehen.
Karen Krüger
Karen Krüger
Ennio Morricone: „Morricone Segreto“
(Cam Sugar Decca)
Als Morricone im Sommer starb, weinte ganz Italien. Ihm zu Ehren versammelt das Album weniger bekannte Stücke aus seinen Karriereanfängen und einige bisher unveröffentlichte Songs. Wunderbar.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
Crucchi Gang: „Crucchi Gang“
(Vertigo Berlin)
Deutsch-Pop, jetzt auch auf Italienisch: Von Wegen Lisbeth, Sven Regener, Faber und einige andere interpretieren sich selbst, in italiano. Darauf einen Negroni, „al mio locale“.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
Salaam Remi: „Black On Purpose“
(feat. Black Thought, Busta Rhymes, Chronixx et al; Youtube)
Wer Neues vom jamaikanischen Superstar Chronixx sucht, findet hier wenigstens „African children“ und noch viel mehr großartige Songs. Black sound matters.
Niklas Maak
Niklas Maak
Crystal Murray: „I was wrong“
(Because Music)
Pariser Influencerin, die singt, als habe sie bei Amy Winehouse über Future Funk Synthies promoviert. Zu kühl? Dann „L‘esercito del Selfie“ von Takagi & Ketra hören. Klingt wie große Ferien ohne Maske 1962 in San Remo.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
Joy Denalane „Let Yourself Be Loved“
Vertigo Berlin (Universal Music).
Diese Stimme! Keine Worte!
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
Kode9 & Burial: „Fabric Live 100“
(Fabric/ Rough Trade)
Auch wenn die Clubs gerade dicht sind, bleiben diese beiden Hyperdub-Meister Spezialisten im Herstellen und Heraufbeschwören aller verfügbaren Affekte in ihrem körperlichen Mit-, Neben- und Gegeneinander, wie sie der Dancefloor so schön hierarchielos werden lässt.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
Adrianne Lenker: „Songs and Instrumentals“
(4AD)
Was so hingeworfen und rausgehauen wirkt wie diese kleinen Lieder, ist in Wahrheit die größte Kunst.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Perfume Genius: „Set My Heart On Fire Immediately“
(Matador Records)
Der Titel ist, wie man sagt, Programm. Schön verträumter Pop von einem, der am Rand steht und deshalb den besten Ausgangspunkt hat, um in angrenzende Bereiche hinein- und herauszudriften.
Claudius Seidl
Claudius Seidl
Sault: „Untitled (Black Is)“
(Forever Living Originals)
Wer genau Sault ist, weiß man nicht, was die Musik sein will, aber umso besser: der Soundtrack zu Black Lives Matter. Darf man aber auch mit weißen Ohren hören, sogar im Zustand allergrößter Daseinsbejahung. Und danach, die noch frohere „Untitled (Rise)“.
Mark Siemons
Mark Siemons
Joni Mitchell: „Archives – Vol. 1. The Early Years (1963– 1967)“
(5 CD-Box; Rhino / Warner)
Einfach eine Folksängerin wollte Joni Mitchell nie sein, doch als sie jetzt diese frühen Aufnahmen wieder hörte, war sie plötzlich glücklich damit: „I was a folksinger.“
Harald Staun
Harald Staun
Molchat Doma: „Monument“
(Sacred Bones)
Die belarussische Post-Punk-Band verlegt Manchester nach Minsk und macht sich mit ihrem dritten Album langsam auf den Weg von Joy Division zu New Order.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Crucchi Gang: „Crucchi Gang“
(Vertigo Berlin)
Italo-Pop ist unschlagbar – und deutsche Musiker sind gar nicht so schlecht darin! Anhören und von Aperitivo und Meerluft träumen.

Nächstes Kapitel:

Bewegte Bilder



Bewegte Bilder

Eleonore Büning
Eleonore Büning
„The Crown“
(4.Staffel; Netflix)
Wir nähern uns der Gegenwart, langsam werden die Royals nervös. Dabei stiehlt Margaret Thatcher (Gillian Anderson, hinreißend grotesk, zwischen Küchenschürze und Falklandkrieg) selbst Lady Di locker die Schau.
Julia Encke
Julia Encke
Christian Zübert: „Bad Banks 2“
(jetzt auf Netflix)
In den neuen Folgen erhält Jana Liekam den Auftrag, die Leitung eines FinTechs zu übernehmen. Es geht um Startups und Banken, um Macht und Psyche, um Paula Beer, Barry Atsma, Désirée Nosbusch und Tobias Moretti.
Andreas Kilb
Andreas Kilb
Nuri Bilge Ceylan: „The Wild Pear Tree“
(New Wave Films)
Noch mehr Nervennahrung für finstere Corona-Tage.
Peter Körte
Peter Körte
Volker Heise: „Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt“
(2 DVDs; RBB Media)
Eine dokumentarische Filmerzählung in der Tradition von Walter Kempowskis „Echolot“ – Geschichte in Augenhöhe, eine Collage ohne die übliche retrospektive Besserwisserei.
Karen Krüger
Karen Krüger
„The Crown“
(Staffeln 1–3; Sony Pictures)
Die vierte Staffel der Serie, die selbst Leute umhaut, die sich niemals für die Queen & Ko interessiert haben, ist gerade angelaufen. Aber dann ist erst mal zwei Jahre lang Schluss. Zeit also, um nochmals alles von vorn anzugucken.
Andreas Lesti
Andreas Lesti
„Star Wars: The Mandalorian“
(2. Staffel; Disney Plus)
„Star Wars“ im Serienformat, zeitlich angesiedelt zwischen dem sechsten und dem siebten Hauptfilm – und mit das Beste, was dieses komplexe Universum je hervorgebracht hat. Das will schon was heißen.
Barbara Liepert
Barbara Liepert
Edoardo Ponti: „Du hast das Leben vor dir“
(Netflix)
Sophia Loren endlich einmal wieder auf der Leinwand und nicht nur beim Taufen von Kreuzfahrschiffen zu sehen. Hure und Straßenjunge suchen sich nicht – aber finden einen Weg zusammen aus ihren Traumata.
Niklas Maak
Niklas Maak
Regine Keller, Christiane Thalgott: „Bodenlos“
(kostenlos über bodenlos.net abrufbar)
Darf man mit dem Boden spekulieren – oder muss man ihn als Lebensgrundlage wie Wasser und Luft betrachten? Sehr unterschiedliche Antworten zu einem großen politischen Streitthema.
Anna Prizkau
Anna Prizkau
„Teheran“ von Daniel Syrkin
(auf Apple TV)
Eine Mossad-Agentin soll eine Mossad-Sache machen in Iran, doch bleibt dort hängen. Und diese Serie, sie hämmert, dröhnt, und sie erdrückt vor Spannung – auf die gute Art.
Cord Riechelmann
Cord Riechelmann
John Akomfrah: „The Stuart Hall Project“
(UK Import)
Der bildreflektierteste unter den Gegenwartskünstlern in seiner Annäherung an den Mitbegründer der Cultural Studies, Stuart Hall. Ein Glanzstück aus der großen Reihe der „unwissenden Lehrmeister“, denen wie Hall und Akomfrah jeder „Weiß-Bescheid“-Dünkel abgeht.
Tobias Rüther
Tobias Rüther
„Lovecraft Country“
(Sky Ticket/Atlantic)
Die monströsen Vereinigten Staaten des Rassismus und die Kräfte der Transformation: eine historische Horrorserie, so wahr wie queer.
Florentin Schumacher
Florentin Schumacher
Faraz Shariat: „Futur Drei"
Sinnlich, stilvoll und nur minimal zu kitschig. Nach „Futur Drei“ fragt man sich, warum in den Filmen bisher die Kamera immer so weit weg war.
Claudius Seidl
Claudius Seidl
Aaron Sorkin: „The Trial of the Chicago 7“
(Netflix)
Das Buch hat Sorkin vor mehr als zehn Jahren geschrieben, die Handlung spielt vor einem halben Jahrhundert. Ein ganz erstaunlich aktueller Thriller also
Mark Siemons
Mark Siemons
Ai Weiwei: „Coronation“
(Vimeo on Demand)
Ein Dokumentarfilm dieses eigenartigen Jahres: Wuhan im Lockdown, aufgenommen mit versteckten Kameras, ohne Behauptung, aber mit surrealen Bildern und sehr viel Empathie.
Harald Staun
Harald Staun
Christopher Nolan: „Tenet“
(Warner Bros)
Für alle, die den Film im Sommer nicht im Kino gesehen haben. Und für alle, die ihn noch mal sehen müssen.
Anna Vollmer
Anna Vollmer
Levan Akin: „Als wir tanzten“
(Salzgeber)
Es gibt wenige Filme, die mit solcher Leichtigkeit von den ganz großen Themen erzählen: Liebe, Freundschaft und Identität. Mit berührenden Hauptdarstellern und wunderbarer Musik. Unbedingt, unbedingt anschauen!

Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 19.11.2020 20:27 Uhr