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Schauspieler Devid Striesow : Am Ende muss es stimmen

Devid Striesow hat eher spät angefangen mit dem Kino. 2000, in der Ingrid-Noll-Verfilmung „Eiskalt ist der Abendhauch“. Er liest viele Drehbücher, er sucht dabei nicht nach den Plot Points, die ihn gut aussehen lassen, er ist auch keiner, der zum Drehort kommt und sich viel vorgenommen hat. Er fragt sich, sobald ihm ein Buch gefällt, ob sich das zeitlich realisieren lässt, und er klingt dabei so, als sei da nicht allzu viel Ausschuss, den man ihm zuschickt. Natürlich sind auch die Rollen größer geworden mit der Zeit. In Petzolds „Yella“ etwa spielt er zum ersten Mal einen Mann, der sich wider Erwarten verliebt, und wenn man ihn dabei zusammen mit Nina Hoss sieht, spürt man, dass Devid Striesow längst einen ganzen Film auch allein tragen könnte.

Kaum festzulegen

Devid Striesow ist kaum auf einen Typus festzulegen, er kann sehr kühl einen Staatsanwalt verkörpern, im „Untergang“ einen Feldwebel, einen humorlosen Ehemann in „Eden“. Er hat sich gewissermaßen durch die „Berliner Schule“ gespielt: Zweimal für Ulrich Köhler (in „Bungalow“ und „Montag kommen die Fenster“), zweimal für Angela Schanelec (in „Mein langsames Leben“ und „Marseille“), einmal für Christoph Hochhäusler („Falscher Bekenner“), jetzt für Petzold - aber er gehört deshalb nicht zur „Familie“. Er hat Spuren in den Filmen hinterlassen, aber die Filme haben an ihm keine Spuren hinterlassen, weil er seine jeweils letzte Rolle auf eine Weise vergessen machen kann, als finge er wieder ganz neu an.

Es hat ihn auch nicht eingeengt, dass er in Hans-Christian Schmids „Lichter“ einen Matratzenverkäufer in Frankfurt/Oder spielte, einen Ossi-Loser, der innerhalb eines Tages alles verliert. Dass er in „Napola“ einen blond-blauäugigen, ideologisch glühenden Sportlehrer spielte, wäre allerdings fast zum Hindernis für „Die Fälscher“ geworden, weil Ruzowitzky, der das erste Mal in „Lichter“ auf Striesow aufmerksam geworden war, zunächst befürchtete, er entspräche zu sehr dem Bilderbuchnazi, wie ihn sich das Kino seit Jahren entworfen hat.

Intensiver Blick

Mit der hilflosen Kritikerformel „Wandlungsfähigkeit“ hat das alles wenig zu tun. Da bleibt ja immer dieser intensive Blick, der zur Verzweiflung taugt wie für grenzenlosen Optimismus, so kann ein Handwerker gucken, der sich seiner Sache sicher ist, und ein Manager wie in „Yella“, der sich superseriös gibt und heimlich seine Kunden abzockt. Ja, selbst der junge Karol Wojtyla, den er für eine eher frömmelnde ZDF-Produktion spielte, guckt dann doch eher wie Devid Striesow. Er hält sich irgendwo dazwischen: Weder verschwindet er in seinen Rollen, noch verleibt er sie sich rücksichtslos ein. Er spielt den SS-Kommandanten in den „Fälschern“ als jovialen Menschenfeind, er tut, was der Film von seinem nicht allzu differenzierten Personal verlangt, und ist doch der Einzige, der einer eng angelegten Rolle noch eine neue Facette abgewinnt.

Wie er das macht, darauf muss er nicht antworten. Er ist kein analytischer Rollensezierer, der wissen muss, was Hamlet in der Hosentasche hat oder welches Rasierwasser Private-Equity-Manager bevorzugen. „Ich muss situativ reagieren“, sagt er, und das ist nicht zu übersehen, wenn man ihm eine Stunde gegenübergesessen hat. „Am Ende muss es stimmen“, sagt er, das habe er bei Jürgen Gosch am Theater gelernt, der seinen Schauspielern erklärt, wie sie ihre unterschiedlichen Methoden aufeinander abstimmten, sei ihm egal, es müsse nur passen. „Das habe ich mir zur Maxime gemacht, das ist das Spiel.“ Und wenn man ihm zusieht und zuhört, könnte man beinahe auf den Gedanken kommen, mal ins Theater zu gehen. Aber erst einmal sind da zum Glück die Leinwände der Berlinale.

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