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Schachspieler Robert Hübner : Ein Individuum

  • -Aktualisiert am

Robert Hübner (rechts) löst ein Problem: Mit Viktor Korschnoi in Frankfurt. Bild: Picture-Alliance

Die Empfindlichkeit seines Gehörs war ein Fluch, aber das Gewinnen ohnehin uninteressant: Dem eigensinnig nachdenklichen Schachspieler Robert Hübner zum Siebzigsten.

          Das Schachspiel nutzt besondere Begabungen. Von Robert Hübner gibt es die zumindest gut erfundene Anekdote, er habe einst in Island, wo ihn ein befreundeter Schachgroßmeister beherbergte, für diesen ein Telefonat entgegengenommen. Eine Minute lang sprach der Anrufer auf den des Isländischen nicht mächtigen Hübner ein. Als der Freund zurückkam, sagte Hübner den Text fehlerfrei auf.

          Das Unwahrscheinlichste an dieser Geschichte ist, dass Robert Hübner kein Isländisch spricht. Acht Sprachen soll er nämlich beherrschen, und er hat beispielsweise aus dem Finnischen übersetzt. Als er schon seit Jahren zur Weltklasse im Schach gehörte, 1976, wurde er an der Kölner Universität in Papyrologie promoviert. Aber auch sonst ist er ein Individuum. Die Empfindlichkeit seines Gehörs kostete ihn einst das Viertelfinale der Weltmeisterschaft: Der Zweiundzwanzigjährige brach das Match bei Gleichstand ab, weil ihn, anders als seinen schwerhörigen Gegner Petrosjan, der Lärm im Turniersaal von Sevilla störte und niemand ihm beistand.

          Kameras und sachfremde Presseberichte

          Als Hübner 1980 auf dem Höhepunkt seiner Spielstärke nach einem völlig uninteressanten Fehler eine Partie des Kandidatenfinales gegen den Exilrussen Viktor Kortschnoi verloren und kurz danach das Match vorzeitig aufgegeben hatte, war auch dem eine Zermürbung durch die Umwelt des Spiels vorangegangen, hier: durch Kameras und sachfremde Presseberichte. Er spiele Partien, die jedermann zugänglich seien, ließ Hübner wissen, damit diene er dem Schach, stehe der Öffentlichkeit aber nicht mit seiner ganzen Person zur Verfügung.

          Der „Spiegel“, der sich mitgemeint fühlen durfte, fand das damals arrogant, obwohl es nur den Unwillen eines Spielers bekundete, sich nach den Erwartungen Dritter zu richten. Hübner sieht im Schach ohnehin keinen Sport, in dem es vor allem auf das Gewinnen ankommt. Das Gewinnenwollen diene hier nämlich der Lösung von Problemen, die in ihrer Abfolge ein Werk hervorbrächten. Sieg und Niederlage löschen hier das Gedächtnis nicht. Als Hübner einst ein Recht der Spieler an ihren Partien durchsetzen wollte, wurde er belehrt, das Urheberrecht kenne keine Werke, die durch das Gegeneinander ihrer Produzenten entstünden. Dass unter Hübners Publikationen auch zwei Bände sind, in denen er akribisch nur seine eigenen Schnitzer im Schach untersucht, passt zu seiner abweichenden Meinung über diese besondere Kunst. Im Schach entsteht auch das große Werk nur, wenn jemand einen Fehler macht. Heute wird Robert Hübner, der eigensinnig Nachdenkliche, siebzig Jahre alt. Til hamingju!

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