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Saudi-Arabiens Schulbücher : Den Erstklässlern droht das Höllenfeuer

  • -Aktualisiert am

Alles dreht sich um die reine Lehre: Muslime in Mekka, Saudi-Arabien Bild: dpa

Die neuen Schulbücher Saudi-Arabiens sind erschienen. Sie indoktrinieren die Kinder in jener reinen Lehre des Islams, um die sich alles dreht. Nur über Palästina wird sachlich informiert.

          Nach den Anschlägen des 11. September - der Großteil der Täter waren bekanntlich Saudis - wurde das Erziehungssystem in Saudi-Arabien von der internationalen Öffentlichkeit kritisch durchleuchtet. Studien westlicher Orientalisten ergaben, dass der Schulunterricht im saudischen Königreich nicht nur sehr stark auf die Religion fixiert, sondern auch durchaus tendenziös war.

          Der Islam wurde in den Schulbüchern als eine Religion und Zivilisation dargestellt, die in großer Gefahr sei. Als Feinde wurden Säkularismus, Existentialismus, Sozialismus, Panarabismus und Zionismus markiert - Letzterer wurde auch des Strebens nach Weltherrschaft bezichtigt. Den Kindern wurde suggeriert, sie seien auserwählt und hätten sich vom Rest der Welt abzugrenzen. Die saudischen Behörden reagierten prompt auf diese Kritik und gaben 2005 bekannt, ihre Schulbücher überarbeitet und alle hetzerischen Inhalte daraus entfernt zu haben.

          Feindbilder geschürt

          Doch eine amerikanische Studie aus dem vergangenen Jahr ergab das genaue Gegenteil - Feindbilder über andere Religionen wurden weiter geschürt. Selbst Sunniten wurden getadelt, nicht der richtigen Auslegung des Islams zu folgen. Wer nämlich nicht an die saudische Staatsauslegung des Wahhabismus glaube, deren Anhänger sich als Auserwählte und als die einzig wahren Muslime betrachten, habe nichts anderes als Hass verdient.

          Die Schüler wurden also nach wie vor im missionarischen Geist erzogen: Der Islam soll verbreitet werden, wenn nötig, durch den Heiligen Krieg. 2006 wurde zudem die Ansicht vertreten, dass sich die Muslime gegen die Kreuzzüge, die noch immer andauerten, zur Wehr setzen müssten. Gewalt gegen Juden wurde weiter verherrlicht, der Inhalt der antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ galt als wahr.

          Rigide Erziehung

          Das Erziehungsministerium Saudi-Arabiens hat nun auf diese Vorwürfe nicht nur mit der Herausgabe neuer, wesentlich überarbeiteter Schulbücher reagiert, sondern diese jetzt als Volltextdateien gleich auch auf seine Internetseite gestellt. Offenbar will das Königreich Saud damit Transparenz und Weltoffenheit demonstrieren.

          Tatsächlich präsentiert sich die Gestaltung der neuen Lehrinhalte schon deutlich moderner als früher. So werden Erstklässlern zwar vor allem die Grundlagen des islamischen Glaubens beigebracht, sie lernen aber auch schon Rechnen und Grundlegendes über Biologie und Natur. Das Religionsbuch „Einheitsglaube und Religionsgesetz“, das, der jeweiligen Jahrgangsstufe angepasst, bis in die zwölfte Klasse verwendet wird, vermittelt den Schulanfängern, Muslime zu sein - von Gott geschaffen. Doch mündet die kindgerechte Einführung bald in eine rigide Erziehung mit tendenziös-exklusivem Charakter, wenn es heißt, Muslim zu sein bedeute die Ablehnung aller anderen Religionen.

          Lohn der Gottestreue

          Der Lohn der Gottestreue, präzisiert nun das Lehrbuch, sei das Paradies. Wer den Islam jedoch ablehne, werde - hier wird Koranvers 3:85 zitiert - im Jenseits zu denen gehören, „die den Schaden haben“. Der Teil über den Einheitsglauben endet unmissverständlich: „Wer die Lehre des Propheten Mohammed ablehnt, den erwartet das Höllenfeuer.“ Die Erziehung zum religiösen Gehorsam rundet der zweite Teil dieses Lehrbuches ab, in dem die Erstklässler in den rituellen Waschungen und im angemessenen Verhalten beim Gottesdienst unterwiesen werden.

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