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Konzert in Saudi-Arabien : Sollte Nicki Minaj in Dschidda singen?

  • -Aktualisiert am

Erst sagte sie zu, dann sagte sie ab: Nicki Minaj. Bild: dpa

Zuerst sagte die amerikanische Rapperin Nicki Minaj zu, bei einem Festival im saudischen Königreich aufzutreten. Dann machte sie einen Rückzieher. Sie hat wohl etwas spät bemerkt, worauf sie sich einließ.

          Die amerikanische Rapperin Nicki Minaj hat ihr Konzert in Saudi-Arabien abgesagt. Eigentlich wollte sie in ein paar Tagen beim „Jeddah World Festival“ auftreten, aber nachdem sie sich, wie sie in einer Erklärung schrieb, eindringlicher „mit den Dingen“ auseinandergesetzt habe, entschied sie anders.

          Mit „den Dingen“ meinte sie die erschreckende Menschenrechtslage. In Saudi-Arabien verschwinden Andersdenkende von der Frauenrechtlerin bis zum religiösen Kritiker im Gefängnis. Oder werden, wie der Journalist Jamal Khashoggi, gleich ermordet.

          Dass Nicki Minaj überhaupt zusagen und sich damit zur Zielscheibe scharfer Kritik machen konnte, lag indes daran, dass in Saudi-Arabien seit langer Zeit erstmals Pop-Konzerte wie jenes in Dschidda möglich sind. Kronprinz Muhammad bin Salman hat seinem Land einen Modernisierungsprozess verordnet, der zwar wirtschaftlich motiviert ist, aber kulturelle Blüten treibt, wie man sie im Königreich noch nicht gesehen hat.

          Imagewandel ohne große Veränderungen

          Das Land benötigt ausländische Investitionen, da gibt man sich weltoffen. David Guetta, Mariah Carey, Enrique Iglesias und die Black Eyed Peas – es gab in den vergangenen Monaten erstaunlich viele internationale Stars, die sich auf saudische Bühnen bitten ließen und dort der Führung bei einem Imagewandel halfen, den sie für den Erfolg ihrer Reformbemühungen braucht.

          Da ist es gut, wenn jemand wie Nicki Minaj jetzt dem Ruf (des Geldes) widersteht und qua Prominenz die Blicke, die eigentlich ihr gelten sollten, auf die immer harschere Repression lenkt, welche die Modernisierungskampagne begleitet. Man sollte allerdings nicht jene Initiativen übersehen, die ein wenig abseits des grellen Scheinwerferlichtes entstehen. Und die ins Innere des Königreiches zielen, wo man versucht, saudische Künstler vieler Sparten auf eine Weise zu fördern, die ihnen ermöglichen soll, eines Tages ebenfalls auf großen, internationalen Bühnen zu bestehen.

          Dass etwa das kürzlich lancierte „Red Sea International Film Festival“ in Dschidda bekanntgab, einen Fonds zur Unterstützung saudischer Filmprojekte einzurichten, ist in diesem Sinn keine schlechte Nachricht. Dass der saudische Regisseur Mahmoud Sabbagh zum Präsidenten dieses Festivals ernannt wurde, ist ebenfalls ein gutes Zeichen. Er forderte noch vor kurzem, man dürfe in Saudi-Arabien nicht nur Kinos eröffnen, sondern müsse auch eine Infrastruktur schaffen, die saudischen Filmleuten die Arbeit erleichtert. Er will, dass man saudische Filme zeigt und nicht nur amerikanische Blockbuster. Denn die saudische Kulturszene steht erst am Anfang. Und man wird sehr genau hinsehen müssen, ob der autoritäre Kronprinz ihr mehr erlaubt, als Baustein einer weltoffenen Fassade zu sein.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

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