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Satire-Magazin in Nöten : Charlies Tanten

  • -Aktualisiert am

„Je suis Charlie“-Plakat in Paris Bild: AP

„Charlie Hebdo“ hat sein Lachen verloren. Den Anschlag hat das Blatt zwar überstanden, doch die internen Streitigkeiten nehmen zu. Jetzt hat Mohammed-Zeichner Luz erklärt, das Magazin zu verlassen.

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          Bei der Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ gehen alle zum Psychiater, das Lachen ist ihnen abhandengekommen und hilft nicht mehr. Umso tapferer wird die Tradition des ordinären Humors von Jeannette Bougrab hochgehalten. Sie war unter Sarkozy Ministerin und zum Zeitpunkt des Attentats die Freundin des ermordeten Chefredakteurs Charb, was sie der Öffentlichkeit hartnäckig mitzuteilen bestrebt war. Die Familie des Verstorbenen sprach der Beziehung jegliche Bedeutung ab. Aus Kummer, so sagte Bougrab, habe sie nicht mehr weiterleben wollen. Von ihrem Suizidversuch hat sie sich inzwischen so weit erholt, dass sie ein Buch schreiben konnte. „Die Organverpflanzung, die nie gelingt, ist jene der Eier“, höhnt sie.

          Mit dem sexistischen Vergleich zielt sie auf den Zeichner Luz, der sein Überleben nur dem Umstand verdanke, dass er seinen Suff ausschlafen musste und verspätet in die Redaktionskonferenz kam. Mit ihren verbalen Ausschweifungen verleiht die ehemalige Ministerin der Tragödie um „Charlie Hebdo“ eine Komik, die an die Rollenspiele in dem Film „Charleys Tante“ gemahnt, die zumindest eine echte Witwe war. Ein „Hochstapler, Betrüger“ sei Luz, weil er keine Mohammed-Karikaturen mehr zeichnen wolle: „Er vollendet das Werk der Brüder Kouachi.“

          Bloß nichts überstürzen

          Wegen der Streitereien um die redaktionelle Ausrichtung und das Geld will Luz im Herbst die Zeitung verlassen. Der Redakteurin Zineb El Rhazoui wiederum droht die Entlassung. Vor kurzem hatte die Soziologin aus Marokko Morddrohungen erhalten. Ihr Mann verlor seinen Job. Für diese Woche wurde die Journalistin, welche die Texte zu Charbs „Das Leben Mohammeds“ schrieb, zu einem Entlassungsgespräch vorgeladen. Vorgeworfen werden ihr mangelnde Präsenz in der Redaktion und die verspätete Abgabe der Artikel. Das war vor dem Attentat nicht anders. Nur ist sie inzwischen sehr viel öfter im Fernsehen zu sehen. Und sie hat den Aufruf der Mitarbeiter unterschrieben, die aus der Aktiengesellschaft eine Genossenschaft machen wollen. Diesem Ansinnen verweigern sich die Eigentümer, deren Anteile plötzlich Millionen wert sind. Charbs Eltern haben vierzig Prozent geerbt.

          Redaktionsleiter Riss, der als autoritär und wenig gesprächsbereit gilt, will „nichts überstürzen“ und zunächst am neuen Konzept arbeiten: Sonst würde man „uns vorwerfen, emotional zu handeln“. Bedenklicher ist, dass auch die versprochene Stiftung für bedrohte Karikaturisten auf Eis gelegt wurde. Charlies Redakteure selbst brauchen nicht nur den Beistand der Psychiater. Sie leben nach wie vor unter dem Schutz der Polizei.
           

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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