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Sat.1 : Harald Schmidts Team wird arbeitslos

  • Aktualisiert am
Zu Vorbild-Talker Letterman kommt auch Madonna
          3 Min.

          Nach dem überraschenden Aus für die „Harald Schmidt Show“ plant der Privatsender Sat.1 eine neue Late-Night-Show. Das sagte der neue Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski der „Bild“- Zeitung. Das hilft Schmidts Mitarbeitern aber wenig, denn mit dem überraschenden Aus für die Harald-Schmidt-Show werden die rund 100 Mitarbeiter zum 1. Januar arbeitslos. Das bestätigte am Dienstag Corinna Busch, die Sprecherin von Schmidts Produktionsgesellschaft Bonito TV in Köln.

          Über die Zukunftspläne von Schmidt gab es auch am Dienstag mangels klarer Aussagen nur Spekulationen. Schmidt hatte seit 1998 seine spätnächtlichen Spöttereien mit der eigenen Firma produziert, nachdem die 1995 begonnene Zusammenarbeit mit Brainpool geplatzt war. Rund 90 Frauen und Männer arbeiteten zuletzt allein für seine Show, die am 23. Dezember zum letzten Mal aufgezeichnet wird. Bonito TV produziert außerdem noch ebenfalls für Sat.1 die Comedy-Sendung „Was guckst du“ mit Kaya Yanar. Dafür werde aber nur ein kleines Team gebraucht, sagte die Sprecherin.

          Harald Schmidt selbst wollte nach den Worten von Busch auch weiterhin nicht mehr zum Ende seiner Show sagen, als daß er nach acht Jahren eine Kreativpause brauche. Schmidt war in seiner Sendung am Montagabend von sich aus nicht auf das Thema eingegangen. Als sein Gast, ZDF-heute-Journal-Moderator Claus Kleber, am Ende der Sendung auf die „kreative Pause“ anspielte und sich beschwerte, daß sein gewohnter Rhythmus (Heute-Journal - Tagesthemen - Schmidt) nun gestört werde, reagierte Schmidt ausweichend: „Dazu später mehr“, sagte er.

          Neue Pläne für den späten Abend bei Sat.1

          „Die neue Late-Night-Show soll aktueller sein - die wichtigste Person des Tages soll Thema sein oder sogar live in der Show sitzen“, sagte Sat.1-Chef Schawinski. Vorbild dafür seien amerikanische Talker wie David Letterman und Jay Leno. Auf die Frage, wer dafür in Deutschland in Frage komme, sagte der Sender-Chef: „Ab heute ist das Rennen eröffnet.“

          Zum Rückzug von Schmidt sagte Schawinski: „Ich glaube, daß jeder irgendwann einen Burn-Out hat und das Gefühl, sein Leben zurückhaben zu wollen.“ Mit Einsparungen habe dies nichts zu tun. Vier Tage nach dem Sat.1-Führungswechsel hatte die ProSiebenSat.1 Media AG am Montag das Ende der Show angekündigt. Der Konzern habe nicht versucht, bei Schmidt die Kosten zu drücken. Die Sendung werde im kommenden Jahr nicht fortgesetzt, weil der 46jährige Moderator und Produzent nach acht Jahren eine Kreativpause einlege. Offiziell keine Bestätigung gab es für die Ansicht, Schmidts Weggang von Sat.1 habe mit der überraschenden Entlassung des Geschäftsführers Martin Hoffmann zu tun. In Branchenkreisen hieß es freilich, Schmidt sei mit Hoffmann befreundet gewesen; dieser Umstand könne durchaus eine Rolle gespielt haben. Es habe auch nichts mit der Änderung in der Geschäftsführung zu tun, versicherte Sat.1-Sprecherin Katja Pichler.

          Politiker für Schmidt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

          Für Politiker steht derweil fest, daß Harald Schmidt ins öffentlich-rechtliche Fernsehen gehört. Heide Simonis (SPD), die Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, sagte der Berliner „tageszeitung“, wenn Schmidt seine „kreative Pause“ wirklich brauche, „sei sie ihm von Herzen gegönnt. Wenn's andere Gründe gibt, daß er aus dem Programm fällt, wär's mehr als schade. Dann sollten ihm vielleicht die Öffentlich-Rechtlichen ein Angebot machen.“ Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Grietje Bettin sagte der Zeitung: „Es würde den Öffentlich-Rechtlichen gut tun, dieses Format aufzunehmen, um junge Leute anzusprechen.“ Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), meinte, Schmidt werde „keine Mühe haben, einen neuen Sendeplatz zu finden“. Harald Schmidt sei „ein fester Bestandteil des deutschen Fernsehens“. Bosbach appellierte an den Entertainer: „Harald, komm bald wieder!“

          Bei ARD und WDR wollten Sprecher nicht auf Spekulationen eingehen, Schmidt werde dorthin zurückkehren. Es gelte die Aussage von ARD-Programmdirektor Günter Struve: „Harald Schmidt ist ein hervorragender Protagonist, aber momentan führen wir keine Gespräche mit ihm.“

          Viele Deutschen glauben an Schmidts Rückkehr zu Sat.1

          Ein knappes Drittel (31 Prozent) der Deutschen erwartet nach einer Umfrage von Forsa, daß Schmidt mit seiner Show zu einem anderen Sender wechseln wird. 23 Prozent nehmen an, daß er nur taktiert und in wenigen Wochen wieder bei Sat.1 auftritt. 20 Prozent glauben dagegen, daß die Sendung endgültig eingestellt wird. Sollte Schmidt tatsächlich wechseln, erwarten ihn 36 Prozent bei RTL, nur sieben Prozent beim ZDF und sechs Prozent bei der ARD.

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