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Zum Umgang mit Sarrazin : Der übliche Prozess

Sarrazin wird wieder der übliche Prozess gemacht - auch von jenen, die erst die Einwanderung leugneten und dann die Probleme, die sie verursachte. Weit ist die Politik bei der Suche nach den Ursachen für das Scheitern der Integration nicht gekommen.

          Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland einem Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank empfiehlt, in die NPD einzutreten. Nun könnte man sagen, es gehe ja nur um den berüchtigten Herrn Sarrazin. Doch legen Bestsellerlisten, Internetforen und Leserbriefe nahe, dass nicht wenige Deutsche dessen Beobachtungen und Ansichten teilen.

          Sollen auch sie der Empfehlung folgen und Mitglied der NPD werden? Immerhin wäre damit Sarrazin widerlegt: Deutschland würde dann nicht dümmer; es wäre dann schon dumm. Das könnte man auch ohne großen Mut behaupten. Wer den autochthonen Deutschen unterstellt, sie seien zu blöde zu begreifen, welche kulturelle Bereicherung ihnen etwa durch die Einwanderung aus Anatolien zuteil wird, muss nicht mit Rassismusvorwürfen und Rücktrittsforderungen rechnen.

          Sarrazin in der Statistik zu widerlegen versucht kaum jemand

          Sarrazin aber wird jetzt wieder der übliche Prozess gemacht. Die Richter entstammen nicht nur den Parteien, die meinten, das deutsche Wesen solle an möglichst viel Einwanderung genesen, sondern auch jenen, die erst diese Einwanderung leugneten und dann die Probleme, die sie verursachte. Seit diese nicht mehr abgestritten werden können - Sarrazin in der Statistik zu widerlegen versucht kaum jemand -, fällt wenigstens noch die Suche nach den Gründen für die gescheiterte Integration einseitig aus: Hauptsächlich die aufnehmende Gesellschaft sei schuld daran, weil sie den Einwanderern nicht in ausreichendem Maße Angebote mache, sich einzufügen.

          Viel weiter ist die Politik bei der Ursachenforschung nicht gekommen, da sind die Dogmen des Multikulturalismus vor. Daher erweisen sich die Parteien nach wie vor als weitgehend ratlos, wenn Einwanderer zwar die Sozialleistungen dieses Staates annehmen, nicht aber seine Einladung zur Integration. Dabei seien Sarrazins Äußerungen „überhaupt nicht hilfreich“, ließ Frau Merkel ihren Sprecher sagen. Die Kanzlerin als oberste Rezensentin der Republik - auch das erlebt man nicht allzu oft.

          Sie gesteht mit ihrer Stellungnahme, wenn auch kaum gewollt, Sarrazins Thesen Gewicht und Einfluss auf den Verlauf der Debatte zu. Den kann man bedauern und das Volk, das Sarrazins Zustandsbeschreibungen für zutreffender hält als die der üblichen Weichzeichner, für bestenfalls desorientiert erklären. Oder man kann sich einmal ernsthaft fragen, warum Sarrazin so viel Zustimmung findet.

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