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Nach Sarrazins Rücktritt : Aufatmen in der Bankenszene

  • -Aktualisiert am

Bild: Wonge Bergmann

In der Frankfurter Bankenszene überwiegt nach dem Rücktritt von Thilo Sarrazin die Erleichterung. Insbesondere in der Bundesbank wird nun auf eine Beruhigung gehofft. Erste Kandidaten für die Nachfolge sind bereits im Gespräch.

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          Die Trennung von Thilo Sarrazin bezeichnet die Bundesbank als „einvernehmlich“. Das sei zwar eine amüsante Beschönigung, hieß es im Umfeld der Bank, aber immerhin sei das die Voraussetzung, um sich nun wieder den Sachfragen zu widmen. Dazu zählen unter anderem die neuen Regeln für die Bankenregulierung, für die derzeit in Basel wichtige Vorentscheidungen fallen werden. Dort vertritt Bundesbank-Präsident Axel Weber am Sonntag die deutschen Interessen und wird auf Notenbank-Gouverneure und Aufseher aus 26 anderen Ländern treffen.

          International wird die Affäre Sarrazin mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, zumal Weber als aussichtsreicher Kandidat für den Posten des nächsten Präsidenten der Europäischen Zentralbank gilt. In dem Gremium scheint derzeit eher das Mitleid für Weber zu überwiegen. Die wenigen Notenbanker, die sich im Hintergrund zu der Personalie äußern, schreiben ihm keine Verantwortung zu. Kritischer wird dagegen die Einflussnahme der Politik auf die Entscheidungen in der Bundesbank bewertet. Für Webers Kandidatur sei der öffentliche Druck der Politiker nicht hilfreich gewesen, sagte ein Notenbanker eines kleineren europäischen Landes. Ein ranghohes Mitglied der Europäischen Zentralbank äußerte sich verständnislos über das Verhalten Sarrazins, der sich nicht an die Regeln der Bundesbank gehalten habe.

          Auch unter den privaten Banken überwog am Freitag die Hoffnung auf ein rasches Ende der Affäre. Die Bundesbank hat am Donnerstag ihr Entlassungsgesuch beim Bundespräsidenten zurückgenommen. Thilo Sarrazin bittet im Gegenzug den Bundespräsidenten darum, seinen Vertrag aufzulösen. Für ihn sei Bedingung gewesen, dass die Bundesbank den Vorwurf zurücknimmt, er habe Ausländer diskriminiert, sagte Sarrazin.

          Bankentürme in Frankfurt

          „Ich halte das für eine sehr honorige, einvernehmliche Lösung, die viel quälende Diskussionen für alle Beteiligten beendet hat“, sagte der Geschäftsführende Vorstand des Deutschen Aktieninstitutes, Rüdiger von Rosen. Gerüchte, die Einigung sei zustande gekommen, weil Sarrazin eine Abfindung erhalte, bezeichnete ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Bundesbank als völlig unplausibel. Er erwarte, dass eine Regelung für die Pensionsansprüche gefunden werde und weiter nichts. Dafür gebe es bewährte Verfahren, von denen die Bundesbank auch gar nicht abweichen könne.

          Offenes Rennen um Nachfolge

          Unterdessen stellt sich in der Bankenbranche die Frage nach dem Nachfolger Sarrazins. Der Ball liege jetzt im Feld der Politik, heißt es dazu aus der Bundesbank. Im Wechsel benennen Bund und reihum die Länder die Kandidaten. Die Reihenfolge der Länder ergibt sich traditionell daraus, an welcher Stelle ihre Hauptverwaltungen im Bundesbank-Gesetz genannt werden. Dieses Mal richtet sich der Blick demnach auf Rheinland-Pfalz und das Saarland.

          Und schon kursieren erste Namen. Im Gespräch ist zum Beispiel Hans-Helmut Kotz, der gerade als Vorstand die Bundesbank verlassen hat und sich um das Ressort Finanzstabilität, Märkte und Statistik verdient gemacht hat. Unter den verschiedenen Wissenschaftlern, die in Frage kommen, werden zum Beispiel Harald Uhlig und Markus Brunnermeier genannt, die in Chicago beziehungsweise Princeton forschen und lehren. Noch sei das aber ein völlig offenes Rennen, in dem noch ganz andere Kandidaten aufkommen könnten, heißt es unisono.

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