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Fernseh-Frühkritik : Eine Zumutung

Erledigt sich das Problem des Moderatorenüberschusses in der ARD von selbst? Maischberger kriselt Bild: ddp

Sandra Maischberger wollte über das Thema „Kopftuch und Koran: Hat Deutschland kapituliert?“ diskutieren. Sie setzte eine Frau, die den „Ehrenmord“ an ihrer Schwester anzeigte, dem islamischen Prediger Pierre Vogel gegenüber. Das konnte nicht gutgehen.

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          Am Thema Integration und Islam kommt dieser Tage keine Talkshow vorbei. Und irgendwann musste auch Sandra Maischberger auf den Zug springen. Die Debatte über das Buch von Thilo Sarrazin ebbt langsam ab, die über die Integration nicht. Was also unternimmt Sandra Maischberger? Sie lässt die denkbar größten Gegensätze aufeinanderprallen. Sie lädt den überaus eloquenten islamischen Prediger Pierre Vogel ein, die zum Islam konvertierte Soziologin Irmgard Pinn, den schwarzweiß malenden Islamkritiker (und ehemaligen Redakteur der F.A.Z.) Udo Ulfkotte, den altgedienten Welterklärer Peter Scholl-Latour und - als von der ersten bis zur letzten Sekunde um „Differenzierung“ und Dialog bittenden - Ausgleich in Person, Pfarrer Jürgen Fliege.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das wäre alles zu verkraften, das Aneinandervorbeireden, Koran-und-Bibelstellen-aus-dem-Stehgreif-zitieren, Statistiken-aus-dem-Hut-zaubern, Sich-gegen-Pauschalurteile-wehren und zugleich selbst welche fällen, das Nicht-ausreden-lassen und Sich-gegenseitig-anbrüllen auch. Eines aber ging und geht ganz und gar nicht: Jemanden wie Nourig Apfeld in eine solche Manege zu führen. Nourig Apfeld wurde Zeugin des „Ehrenmordes“ an ihrer kleinen Schwester, begangen von ihrem Vater und zwei syrischen Cousins.

          Sie verschwieg die Tat, aus Angst um ihr eigenes Leben. Brachte sie schließlich doch zur Anzeige, als sie die Kraft fand, sich von ihrer Familie zu lösen. Ihr Vater, der die alleinige Schuld auf sich nahm, wurde zu acht Jahren Haft verurteilt - er hatte seine Tochter, wie Nourig Apfeld sagt, gemeinsam mit den Cousin mit einem Seil stranguliert. Die beiden Verwandten kamen aus Mangel an Beweisen frei. Nourig Apfeld lebt heute unter Polizeischutz, über das Verbrechen an ihrer Schwester hat sie gerade ein Buch geschrieben.

          Ein Käfig mit zu vielen Narren

          Eine Frau mit dieser Geschichte würde in die Sendung von Reinhold Beckmann passen, vielleicht auch in die von Anne Will, nicht aber in „Menschen bei Maischberger“, wo sie sich - wie kaum anders zu erwarten - von zwei Seiten anhören musste, dass der Mord an ihrer Schwester mit dem Islam nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Wenn es um das Thema Kindesmissbrauch durch katholische Priester gehe, werde doch auch nicht jeder Katholik damit in Verbindung gebracht, sagte Pierre Vogel dem Sinn nach. Wenigstens an dieser Stelle hatte Pfarrer Fliege einen lichten Moment, da er meinte, dass man solche Kritik zu ertragen und sie nicht im Handstreich abzuwehren habe - gerade wenn es um die eigene Glaubensgemeinschaft geht.

          Ansonsten fiel Scholl-Latour noch dadurch auf, dass er die ehrende Rede der Bundeskanzlerin auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard (bei der Verleihung des M100-Preise in Potsdam) für „unklug“ hält. Für einen Journalisten verrät das eine erstaunliche Auffassung von Pressefreiheit. Ulfkotte verhedderte sich mit Sätzen zur Verbrennung des Korans oder der Bibel, nach dem Motto: gleiches Recht für alle. Irmgard Pinn wollte sich zum Thema Kopftuch nicht klipp und klar äußern, das sei eine theologische Fragestellung, die den Rahmen der Sendung übersteige. Fliege aber wollte alle mit in die Türkei nehmen, um sie Differenzierung zu lehren. Weil das da wohl besonders gut geht.

          Eine irrsinnige Sendung war das, ein Käfig mit zu vielen Narren, die Moderatorin hilflos und schlecht informiert mittendrin. Wenn Sandra Maischberger so weitermacht, erledigt sich das Problem des Moderatorenüberschusses bei der ARD von ganz allein.

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