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Causa Sarrazin : Zur Strecke gebracht

Thilo Sarrazin (SPD) Bild: dpa

Thilo Sarrazin tat dem Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin und der Bundesbank einen großen Gefallen. Von einem „freiwilligen“ Rücktritt können nur Zyniker sprechen: Das Fegefeuer der Kritik in den vergangenen Wochen war selbst für ihn zu heiß.

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          Thilo Sarrazin ist der Aufforderung seiner Kritiker aus Staat und Partei gefolgt und hat sich selbst als Problem „abgeschafft“. Von einem „freiwilligen“ Rückzug können nur Zyniker sprechen.

          Von der „Menschenverachtung“ über den „Rassismus“ bis zur „Volksverhetzung“ ist ihm in den vergangenen Wochen keiner der Vorwürfe erspart geblieben, mit denen hierzulande Menschen zum Schweigen gebracht und aus der „Gemeinschaft der Demokraten“ ausgeschlossen werden sollen.

          Sarrazins Beschreibung, die gesamte politische Klasse und der größte Teil der Medien seien gegen ihn gewesen, ist nicht übertrieben. Wer keine Hitze vertrage, dürfe eben nicht in die Küche gehen, heißt es in solchen Fällen gerne. Der zur Hölle gewünschte Sarrazin bekam freilich schon auf Erden das Temperaturniveau des Fegefeuers zu spüren.

          Arme Bundesbank. Armes Deutschland.

          Sarrazin tat mit seinem Schritt dem Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin und der Bundesbank einen großen Gefallen. Die Fortsetzung des Verfahrens zur Entfernung aus seinem Dienstverhältnis hätte alle drei noch stärker beschädigt, als sie es ohnehin schon sind. Es ist nicht zu erkennen, wie Wulff angesichts des geballten Drucks des politischen Establishments, dem er entstammt, und nach seinen eigenen, eindeutigen Äußerungen zu dem Fall zu dem Urteil hätte kommen können, Sarrazin nicht zu entlassen. Die Absetzung wäre jedoch juristisch wie politisch angreifbar gewesen, auch wenn Wulff nicht hätte befürchten müssen, von der Einheitsfront kritisiert zu werden. Der Titel „Volkspräsident“ aber wäre in weite Ferne gerückt. Die Eile, in der das Staatsoberhaupt die „einvernehmliche“ Lösung begrüßte, spricht Bände.

          Wie wichtig es manchem Beteiligten gewesen sein muss, den Prozess gegen Sarrazin aus der Welt zu schaffen, bevor er wieder im Bellevue ankommt, zeigt die Größe der Kröte, die stellvertretend für alle Staatsbeteiligten die Bundesbank schlucken musste; das hat ihr der „Freiwillige“ nicht erspart. Die Bank halte ihre früheren wertenden Äußerungen zu Sarrazin nicht aufrecht, erklärte deren Vorstand.

          Sie behauptet also nicht mehr, dass seine Äußerungen „diskriminierend“, „provokant“, „abwertend“ seien und dass er dem Ansehen der Bundesbank Schaden zugefügt habe. Wer zurücktritt, so muss man die Logik dieses Debakels verstehen, hat dann auch nichts Falsches mehr gesagt. Arme Bundesbank. Armes Deutschland.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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