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Bundesbankpräsident Axel Weber : Der Zielstrebige

Axel Weber Bild: AP

Axel Weber ist eigentlich Wissenschaftler und ein eher unpolitischer Mensch. Die Berufung von Thilo Sarrazin in den Bundesbank-Vorstand wollte er von Anfang verhindern. Jetzt droht der Fall Sarrazin Webers hauptsächliche Arbeit zu überschatten. Dabei gehört er zur Elite der europäischen Geldpolitiker.

          In diesen Tagen droht Weber zum politischsten aller Bundesbankpräsidenten zu werden und zu einem Mann, der als Herold der Unabhängigkeit der Bundesbank anfing, um an der Leine des Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin zu enden. Weber ist ein gradliniger, sehr zielstrebiger Mann, der eher dazu tendiert, Widerstände aus dem Weg zu räumen, als sie zu umgehen. Der Ehrgeiz war schon vor gut 20 Jahren dem damals noch jungen Assistenten aus einer Provinzuniversität anzumerken, als er sich auf internationalen Ökonomenkonferenzen ohne Scheu mit den Großen der Zunft rieb.

          Weber hat Thilo Sarrazin von Anfang an als Fremdkörper in der Bundesbank betrachtet und die Berufung des ehemaligen Berliner Finanzsenators zu verhindern versucht. Spätestens seit den Auseinandersetzungen um ein Zeitungsgespräch Sarrazins über das Thema Migration im vergangenen Jahr war das persönliche Verhältnis belastet. Langjährige Weggefährten Webers wundern sich nicht, dass der Bundesbankpräsident in der Auseinandersetzung um Sarrazins Buch kompromisslos versucht hat, eine Trennung von seinem Vorstandskollegen juristisch zu erzwingen, obgleich sich die Bundesbankführung der äußerst komplizierten Rechtslage bewusst war.

          Der Streit mit Sarrazin sollte die hauptsächliche Arbeit Webers nicht verdecken. Der Bundesbankpräsident gehört zur Elite der Geldpolitiker. So gilt Weber neben EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und dem Italiener Mario Draghi als einer der drei einflussreichsten Geldpolitiker in der Europäischen Zentralbank, auch wenn die EZB nicht immer den Positionen der Bundesbank folgt.

          Hohes Ansehen in Fachkreisen

          Weber spielte eine bedeutende Rolle in der Rettung deutscher Banken nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers vor zwei Jahren. Seitdem besitzt er ein enges Arbeitsverhältnis mit der Bundeskanzlerin. Und auch in den Frankfurter Bankentürmen genießt Weber wegen seiner Fachkenntnisse ein hohes Ansehen.

          Die Finanzkrise hat nicht nur in Deutschland die Regierung und die formal unabhängige Zentralbank enger zusammenrücken lassen. Die Auseinandersetzung um Sarrazin hat eine bislang undenkbare Einvernahme der Bundesbank durch Berlin gezeigt. Hätte Weber anders handeln sollen? Langjährige Weggefährten sehen ihn in einer Situation, in der er in keinem Fall gewinnen konnte. Da Weber ein Mann der Tat ist, der eher voraus- als zurückblickt, dürfte er die Trennung von Sarrazin in erster Linie als Erleichterung wahrnehmen und die für die Bundesbank peinlichen Begleitumstände als notwendigen Nebeneffekt abhaken.

          Webers Karriere muss nicht am Ende sein. Auch wenn er gerne mit der Vorstellung kokettierte, aus der Welt des Geldes an seinen Kölner Lehrstuhl zurückzukehren, wird ihn die Aussicht, im kommenden Jahr Trichet an der Spitze der EZB nachzufolgen, fraglos interessieren. Hierzu braucht er die Unterstützung der Bundeskanzlerin. Und damit schließt sich ein politischer Kreis.

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