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Fernsehauftritt zur Selbstverteidigung : Sarkozys seltsamer Sitztanz

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Oh Sarko! Grimassen, Spasmen, Konvulsionen? Der ehemalige französische Präsident hat im Zuge der Korruptionsvorwürfe eine interessante Körpersprache entwickelt. Bild: dpa

Es ist immer wieder erstaunlich, wie ein zu frühes Comeback politische Karrieren ruinieren kann: Nicolas Sarkozy hat sich zu den Korruptionsvorwürfen in einem Fernsehinterview geäußert. Ein Tanz im Sitzen.

          Dieser Staatsmann hat eine wichtige Botschaft für seine Landsleute, denn es steht nicht gut um Frankreich. Seine Stimme ist tief, ruhig und ernst. Würde man Nicolas Sarkozy im Radio hören, wäre man ehrlich alarmiert. Im Fernsehen ist das anders. Da übernimmt der Körper des ehemaligen Präsidenten die Kommunikation, insbesondere seine Schultern. Während er von seiner Besonnenheit und tiefen Sorge spricht, hebt sich erst die linke, dann wieder die rechte Schulter. Der ganze Oberkörper vollzieht eine rollende Bewegung, während Sarko laut über den Zustand der Justiz nachdenkt und sagt, dass es nun jeden treffen könne, denn eine radikale linke Richterclique nutze die Justiz für politische Kampagnen.

          Er trägt einen schmal geschnittenen grauen Anzug. Man erkennt gut, wie sich darunter der ganze Oberkörper in Bewegung gesetzt hat. Im Laufe des Interviews entwickeln aber auch die Arme, Hände und Gesichtsmuskeln ihre ganz eigene Choreographie. Nach wenigen Minuten muss Sarkozy bei jedem Halbsatz eine neue Position auf seinem Stuhl einnehmen, um halbwegs den Eindruck zu erwecken, die Konvulsionen und Spasmen seien gewollt. Als Letztes machen sich auch die Gesichtsmuskeln selbständig: Augenbrauen hoch und wieder ganz tief, die Mundwinkel hochgerissen zu einem seltsamen Grinsen, wie eine Parodie auf Louis de Funès.

          Sarkozys wilder Tanz im Sitzen

          Es ist immer wieder erstaunlich, wie ein zu frühes Comeback politische Karrieren ruinieren kann, wie nicht der Skandal, sondern der anschließende Umgang damit öffentliche Personen um ihre Glaubwürdigkeit bringt. Die meisten Bürger haben keine Zeit und keine Lust, sich durch lange Programme und Papiere zu arbeiten, sie nutzen im Umgang mit Politikern dieselben Instrumente, denen sie auch im Alltag zur Meinungsbildung vertrauen, und das wichtigste davon ist nun mal die Anschauung.

          Bei Nicolas Sarkozy hören sie die uneigennützige Warnung vor einer wild gewordenen Justiz, die bald jeden Bürger ins Visier nehmen kann, aber sie sehen den physischen Aufschrei eines ehemaligen Präsidenten, der kämpfen oder fliehen möchte. Da in einem langen Rechtsstreit weder das eine noch das andere möglich ist, vollführt er einen wilden Tanz im Sitzen. Sarkozy sagt, das Heimatland der Menschenrechte dürfe den Richtern diese Übergriffe nicht erlauben, aber die Revolte seiner Muskeln kündet von seiner Verzweiflung und verrät den Versuch, in diesem Interview seine Probleme zu denen aller Bürger zu machen.

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