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Sarkozy in Nöten : Sein Gaddafi, seine Carla

  • -Aktualisiert am

Die mediale Rettung des französischen Präsidenten? Das ehemalige Model Carla Bruni Bild: AFP

So sprach- und hilflos wie an der Seite Gaddafis hat man Nicolas Sarkozy noch nicht gesehen. Kaum war der Libyer abgereist, suchte der französische Präsident im Disneyland Zerstreuung - und die Gelegenheit, mit neuer Begleitung frisch zu punkten.

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          Der „Tag ohne Sarkozy“ in den Medien war ein Flop. Er sollte an den Tag erinnern, an dem der Präsident vor einem Jahr seine Kandidatur bekanntgegeben hatte. Dieser versprach, er werde sein Privatleben fortan unter Ausschluss der Medien leben. Am Vorabend ging der Präsident ins Fernsehen, um den Sieg über die Streikenden zu zelebrieren. Am Tag danach, der jener „ohne Sarkozy“ sein sollte, konnte sich kein seriöses Medium eine Abstinenz leisten. Möglicherweise hat er gleichwohl eine Wende in der Wahrnehmung eingeleitet.

          „Kommt Sarkozy im Fernsehen weniger gut an?“, titelte ungläubig „Le Monde“. Abnutzungserscheinungen waren unverkennbar. Mit dem Besuch von Gaddafi wurde alles noch viel dramatischer. So sprach- und hilflos hat man den Präsidenten noch nicht gesehen. Mit bunten Farben und exotischem Tross ließ ihn der Diktator aus Libyen in der Tagesschau als graue Maus erscheinen. Gaddafis Basar stahl Sarkozys Zirkus permanent die Schau. Gelassen widersprach der Gast: „Nein, über die Menschenrechte haben wir nicht gesprochen, das ist unter Freunden auch nicht üblich.“ Der Staatsterrorist, der einst Flugzeuge über der Wüste abschoss, will jetzt jene des „Figaro“- Besitzers und Sarkozy-Freundes Dassault kaufen.

          Zu Weihnachten eine First Lady

          Sarkozy schwieg, Sarkozy staunte - die ganze Woche über konnte sich Sarkozy nicht aus den langen Schatten des Besuchers befreien. Wie betäubt wirkte der Medienpräsident. Mehr noch als die Kritik am hohen Preis für die Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern verstörte ihn offensichtlich die Tatsache, dass da einer mit noch mehr Chuzpe und Unverfrorenheit seine Extravaganzen inszeniert. Am Samstag ging der Albtraum zu Ende. Noch am selben Nachmittag suchte der Staatspräsident im Kinderparadies Euro Disney private Zerstreuung. Journalisten und Fotografen waren schon da. Sarkozy erholte sich nicht allein.

          Er war in Begleitung - das Foto-Shooting hatte den Zweck, der Öffentlichkeit seine neue Liebe zu präsentieren: die Sängerin Carla Bruni, eine Ikone der seichten Linken und der zeitgenössischen Liebe. Sie hatte einst der Tochter von Bernard-Henri Lévy den Mann, einen Philosophen, ausgespannt und darüber ein Lied komponiert, das zum Hit wurde. Mittwoch werden die Fotos aus dem Freizeitpark in „Paris Match“ sein. Dessen Chefredakteur war einst wegen Bildern mit Cecilia und ihrem Freund entlassen worden. Zwei weitere People-Magazine bringen das neue Paar noch diese Woche aufs Cover. Gaddafi ist vergessen, es lebe das neue Glück. Sarkozy versöhnt sich mit der linken Kulturschickeria und beschert Frankreich zu Weihnachten auch noch eine First Lady. Es muss ja nicht für das ganze neue Jahr sein.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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