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Sammlungen : Die subversiven Vorlieben des Unternehmers Falckenberg

  • -Aktualisiert am

Privatmuseen haben Konjunktur. Jüngstes Beispiel: Die Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg.

          Vor etwa sieben Jahren fing Harald Falckenberg an, zeitgenössische Kunst zu sammeln. Er hatte die "Anpassung und Normgerechtigkeit" des alltäglichen Lebens satt, suchte nach subversiven Gegenentwürfen.

          Auf den ersten Blick wirken die Künstler, die Falckenberg in seiner gerade eröffneten Sammlung in Hamburg-Harburg ausstellt, etabliert. Für Falckenberg haben jedoch Künstler wie Albert Oehlen, Martin Kippenberger, Dieter Roth, Paul MacCarthy enormes Subversionspotential.

          Über 1000 Einzelarbeiten hat der Hamburger Jurist und Unternehmer, Jahrgang 1943, in den sieben Jahren zusammengetragen. Der rote Faden: das Revival von Duchamp und Dada ab den 60er-Jahren. Entsprechend bunt und schräg mischen sich die Positionen.

          Drei Schwerpunkte lassen sich ausmachen: einen bildet der Kreis um Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Werner Büttner und Georg Herold. Den zweiten Schwerpunkt bilden die Pendants dieser Künstler in den USA: Richard Prince, Mike Kelley, Paul McCarthy und John Baldessari. Die dritte Säule der Sammlung Falckenberg stellen Franz West, Dieter Roth und Öyvind Fahlström dar. Mit diesen "Klassikern" der zeitgenössischen Kunst treten junge Künstler in Dialog: Jason Rhoades, Mark Dion, John Bock und Jonathan Meese etwa.

          Flick, Grässlin und andere Sammler

          Falckenberg hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um diesen Dialog opulent zu inszenieren. Falckenberg ist Teil einer regelrechten Welle von Privatsammlungen, die in letzter Zeit an die Öffentlichkeit getreten sind. Die Sammlung Grässlin etwa hat seit Beginn der 80er-Jahre großformatige Werke von Kippenberger & Co. in großen Mengen angekauft. Soeben war sie in den Hamburger Deichtorhallen zu besichtigen. Die Sammlung von Friedrich-Christian Flick, der mit seinen umstrittenen Plänen für ein Privatmuseum in Zürich unlängst Schlagzeilen machte, geht in eine ähnliche Richtung.

          Einen etwas anderen Weg beschreitet die Sammlung Olbricht. Hier dominieren die Themen Sex, Gewalt und der weibliche Körper. Thomas Olbricht, der seit acht Jahren junge Kunst erwirbt, präsentiert derzeit im Neuen Museum Weserburg, Bremen, seine Kollektion erstmals der Öffentlichkeit. Gerade die starke thematische Orientierung unterscheidet sie von Falckenbergs Zusammenstellung, die eher die Auswirkungen der jüngsten Kunstgeschichte auf die heutige Zeit nachvollziehbar macht.

          Mehrere Anliegen unter einem Dach

          Damit ergibt sich eine Parallele zu Ingvild Goetz, die in ihrer Sammlung den Bogen von der Arte Povera zur Young British Art spannt und im Privatmuseum auf dem eigenen Grundstück in München in wechselnden Ausstellungen zeigt. Was alle genannten Sammlungen wiederum verbindet, ist die Nähe zu den jüngsten Tendenzen. Privatsammler müssen nicht so vorsichtig sammeln wie Museen. Jüngere Tendenzen sind eher bei den risikofreudigen Privatsammlern zu finden als in den öffentlichen Sammlungen, die erst abwarten, welche Künstler tatsächlich Aussicht auf einen Platz in der Kunstgeschichte haben könnten.

          Harald Falckenberg hat ein Modell entwickelt, das gleich mehrere Anliegen unter einem Dach - in ehemaligen Werkshallen der Phoenix AG - vereint. Seine Sammlung ist eine Mischung aus begehbarem Schaulager, dargeboten in einer modernen, installationsgerechten Ausstellungsarchitektur, die viel Spielraum für großformatige Arbeiten gibt.

          In der Sammlung Falckenberg sollen künftig auch Wechselausstellungen internationaler Kunstsammlungen für Bewegung sorgen. Freie Kuratoren inszenieren die jeweiligen Schauen, so dass eine entsprechende Stringenz und Qualität der Veranstaltungen gewährleistet sind.

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