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Sammler : Keine Schwellenangst beim Online-Kauf

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Was macht der Kunsthandel im Netz? Welche Klientel will und kann er erreichen? Fragen an Georg Friedrichs, den Gründer und Vorstandsvorsitzenden von „ExtraLot.com“.

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          Das Internet bringt die klassische Struktur des Kunstmarktes in Bewegung. Mit einem technisch hochentwickelten Online-Service für Partner aus dem Handel sucht das am Niederrhein ansässige Unternehmen „ExtraLot.com“ seit einem Jahr seinen Weg parallel zu Sotheby's, Ebays „Great Collections“ und den „International Auctioneers“. Vorstandsvorsitzender Georg Friedrichs, 34, über seine Geschäftsidee und das Nutzungsverhalten seiner sammelnden Klientel.

          Herr Friedrichs, Sie waren viele Jahre als herkömmlicher Galerist und Händler in Münster, Köln und Kleve tätig, bevor Sie Ihr angestammtes Geschäft aufgaben und den Sprung ins Netz wagten. Was hat Sie dazu bewogen, in den Neuen Markt einzusteigen?

          Meine Beobachtungen bei Freunden und Kollegen in England und Amerika. Speziell die Briten hatten ihr Geschäft bereits aufs Netz ausgedehnt. Außerdem waren „amazon.com“ und „Sothebys.com“ am Start. In Deutschland wurde nicht im gleichen Maße nachgezogen.

          Welches war Ihre Geschäftsidee?

          Ich wollte meinen deutschen Kollegen, also dem klassischen Handel, ins Netz helfen. Eine Galerie ist keine Softwareschmiede. Jeder sollte sich mit dem beschäftigen, was er am besten kann. Deshalb haben wir mit Hochdruck eine Technik entwickelt, die unsere Partner als gemeinsame Plattform nutzen können. Kunsthändler wie „Buchholz & Pyroth“ aus Hamburg können selbst ihre Lots ins System einpflegen. Für ein Auktionshaus wie „VAN HAM“ sind wir umfangreicher Technik-Provider. Für sie importieren wir die Daten des gedruckten Kataloges und veröffentlichen diese auf unserer Website.

          Was bringt das Ihren Partnern?

          Effizienz. Das Auktionshaus hat sehr viel geringere Kosten bei wesentlich höherer Reichweite. Wenn ein Anbieter 3.000 Exemplare seines Kataloges an Kunden in aller Welt verschickt, kostet ihn das etwa 120.000 Mark an Produktions-, Versand- und anderen Kosten. Auf die 28 Mark Porto nach Japan will er gerne verzichten. Außerdem überführen wir seine Daten in ein mehrsprachiges System - demnächst wird der Urtext in neun europäischen Sprachen aufgebrochen.

          Treten Sie auch selbst als Händler auf?

          Ja, es gibt einen ExtraLot-Freiverkauf. Kunden treten an uns heran und möchten irgendetwas verkaufen. Ein „Private to Private“ lassen wir nicht zu, das ist im Kunstmarkt viel zu gefährlich. Wir wollen ja die Garantie übernehmen für Echtheit und Zustand der Objekte. Also nehmen wir die Objekte entgegen, taxieren diese oder lassen sie durch einen Partner begutachten.

          Wissen Sie, wer Ihre Kunden sind?

          Wir haben überraschend viele ausländische Kunden. Etwa 60 Prozent kommen aus Amerika, den Niederlanden und Belgien, der Schweiz, Österreich, England, Skandinavien und zunehmend Südkorea und Japan. Das liegt wohl daran, dass Sammler über uns erst auf das Angebot unserer Partner aufmerksam werden. Ohne uns hätten die meisten nicht von der Existenz des anderen erfahren. Da kauft zum Beispiel ein Schwede bei einem Belgier. Die beiden hätten sich in ihrem Leben ohne ExtraLot vermutlich niemals gefunden.

          Trotzdem setzt das doch großes Vertrauen in Ihre Arbeit voraus. Woher nehmen denn Neukunden dieses Vertrauen?

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