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Sängerin und Schauspielerin : In vielen Welten zuhause

Daliah Lavi im Jahr 2008 bei einem ihrer letzten Auftritte im deutschen Fernsehen. Bild: dapd

Sie spielte neben Kirk Douglas, Dean Martin und Yul Brynner, später eroberte sie als Sängerin die deutschen Charts. Zum Tod von Daliah Lavi.

          Es war die Zeit der Blumenmädchen und Hippies, die sich gegen alles auflehnten, vor allem gegen ihre spießigen Eltern. Und es war die Zeit, in der israelische Künstler musikalisch in die deutschen Schlagercharts einzogen: Carmela Corren, Esther Ofarim mit Abi Ofarim, Elisa Gabbai, später Milk & Honey und Gali Atari. Zu den populärsten israelischen Künstlern Anfang der siebziger Jahre gehörte Daliah Lavi, die mit Ende 20 schon eine beachtliche Filmkarriere hinter sich hatte. Die bildschöne Israelin mit dem rötlichen Haar und der rauchigen Stimme wurde schnell zu einem Idol der jungen Generation.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Gleich eines ihrer ersten Lieder wurde ihr größter Hit: „Oh, wann kommst Du“. Es folgten bis Mitte der Siebziger noch einige weitere Chart-Erfolge. Oft coverte sie englische Lieder, mit denen sie noch erfolgreicher war, als es die Originale waren – etwa „Ich glaub’ an die Liebe“ („I Believe In Music“) oder „Wär’ ich ein Buch“ („If You Could Read My Mind“ von Gordon Lightfoot). Die Texte schrieb unter anderen Michael Kunze, von dem auch die deutschen Erfolgsmusicals „Elisabeth“ und „Mozart!“ stammen.

          1965 stand Lavi an der Seite von Peter O’Toole für „Lord Jim“ vor der Kamera. Die Verfilmung eines Joseph-Conrad-Romans war kein großer Erfolg. Bilderstrecke

          Daliah Lavi kam 1942 in der Nähe von Haifa auf die Welt. Ihre Mutter kam aus Breslau und war in den dreißiger Jahren vor den Nationalsozialisten nach Palästina geflohen, ihr Vater war Russe. Daliah Lavis Großeltern und andere Verwandte wurden Opfer der Shoa. Trotzdem ging sie später nach Deutschland, um dort Karriere zu machen. Die jungen Leute, die zu ihren Konzerten kämen, hätten mit dem Holocaust ja nichts zu tun, sagte sie immer wieder. Antisemitismus habe sie in Deutschland nie erfahren. Auch damit hatten die nach dem Krieg geborenen Deutschen abgeschlossen.

          Als Kind hatte sie Tänzerin werden wollen. Dabei kam ihr mit zehn Jahren der Zufall zur Hilfe: Sie traf auf den Hollywood-Star Kirk Douglas, der in Israel einen Film drehte und der begabten Kleinen ein Stipendium an der Königlichen Oper in Stockholm vermittelte. In Schweden stand sie dann auch erstmals vor der Kamera, mit 19 Jahren schon spielte sie an der Seite von Gert Fröbe in dem deutschen Kriminalfilm „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“.

          Es folgten Rollen in amerikanischen Filmen. Für „Two Weeks in Another Town“ (1962) mit Kirk Douglas in der Hauptrolle wurde die Zwanzigjährige für einen Golden Globe als Beste Nachwuchsschauspielerin nominiert. Dean Martin, Christopher Lee, Lex Barker, Yul Brynner sind in den nächsten Jahren ihre Filmpartner, 1967 spielt sie mit Orson Welles, Woody Allen, John Houston und Jean-Paul Belmondo in der James-Bond-Parodie „Casino Royale“ die „Geheimwaffe 007“.

          Nach der Filmkarriere in den Sechzigern folgte die Musikkarriere in den Siebzigern. Seit den achtziger Jahren wurde es ruhig um sie. Mehrere Comeback-Versuche brachten nicht die gewünschten Erfolge, drei Ehen, aus denen vier Kinder hervorgingen, scheiterten. Seit 1992 lebte sie mit ihrem vierten Ehemann, dem amerikanischen Industriellen Charles E. Gans in Asheville (North Carolina). Dort ist Daliah Lavi, wie am Donnerstag bekannt wurde, bereits am Mittwoch gestorben.

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