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Peitschenhiebe zum Bier : Im Café Masoch

  • -Aktualisiert am

Eine Statue von Leopold von Sacher-Masoch vor dem Café Masoch in Lemberg. Bild: Picture-Alliance/ITAR-Tass/Vitaly Grabar

In einem Café Lembergs wird mit gespieltem Ernst der Vorlieben von Leopold Sacher-Masoch gedacht. Zum Bier gibt es gekonnte Peitschenhiebe. Den meisten Gästen scheint das gut zu tun.

          Eine Hauptattraktion in der westukrainischen Stadt Lviv (Lemberg) ist das Café Masoch, unweit des zentralen Marktplatzes an der Serbischen Straße 7 gelegen. In diesem Teil des zerrissenen Landes, der lange zu Österreich-Ungarn gehörte, kultiviert man alles, was einen mit der europäischen Kultur verbindet. Daher kommt die Hommage an den in Lemberg geborenen Leopold Sacher-Masoch, der die süßen Lüste des sich Unterwerfens und Züchtigenlassens literarisch besang, einem Bekenntnis zu Zivilität und Verfeinerung gleich.

          Vor dem Lokal, das außen mit einem Schlüssellochemblem und einer Bronzestatue des vornehmen Schriftstellers geschmückt ist, sammelt sich fast immer ein Pulk unentschlossener Nachtschwärmer. Einigen der jüngeren Deutschen, die derzeit in der Stadt sind, soll das Etablissement unheimlich sein. Vielleicht sitzen deshalb in dem rotsamten möblierten, schummrig beleuchteten vorderen Saal außer uns heute Abend nur ukrainische Gäste. Am Nebentisch haben zwei junge Männer Platz genommen, von denen einer stolz seine roten Striemen auf dem Rücken vorzeigt. Das sei das Souvenir von seinem Besuch vor drei Tagen, erklärt er strahlend. Und wirklich: Die in ein lässiges Korsett gezwängte Kellnerin, die mit hochmütiger Miene das Menü bringt, versetzt den beiden zur Begrüßung einen Schlag mit der Peitsche, die sie über der entblößten Schulter trägt. In der anderen Ecke legt eine Dame, assistiert von der streng dreinblickenden Bedienung, ihrem Kavalier ein Lederhalsband mit Handschellen an, so dass er das vorzügliche Bier, das hier serviert wird, wie ein apportierender Hund schlürfen muss. Ihm scheint es nur umso besser zu schmecken.

          Wir bekommen immerhin einen symbolischen Peitschenklatscher ab, damit wir uns nicht ganz ignoriert fühlen. Dafür beweisen unsere beiden Nachbarn Mumm: Sie enthüllen ihre wohlgestalten Rücken und stoßen, während die schöne Korsettträgerin sie mit viel Gefühl und völlig kostenlos vermöbelt, laute Schnurrgeräusche aus. Doch ein nicht mehr junges Paar toppt das. Während der Herr seinen Oberkörper frei macht, tuschelt sie mit der schlampig eleganten Oberin. Da kniet er vor ihr nieder und verbirgt den Kopf in ihrem Schoß, während unter den Handykameras der fröhlichen Gästeschar eine ganze Serie von Peitschenhieben auf ihn niedergeht. Nach der Prozedur wirken beide entspannt und glücklich. Es ist ein merkwürdiger Eindruck von Unschuld und Freiheit, den diese Themenbar hinterlässt, die in einer gewaltbesessenen Gesellschaft wie der russischen undenkbar wäre. Da man hier zudem ganz ohne Masken und Clubexklusivität auskommt, wirkt dieser Masochismus geradezu kerngesund.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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