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Russlands Venusfallen : Wie angle ich mir einen Millionär?

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Russische Frauen sind einsam

Freilich, immer mehr Europäer beschleicht der Verdacht, dass Ehrlichkeit Erotik tötet. Die russische Schule erfolgreicher Weiblichkeit spart die gleichberechtigte Beziehung gerade aus. Vielleicht ist Rakowski deshalb überzeugt, im Grunde seien alle russischen Frauen einsam. Der Zicken-Guru gliedert auch die Männerwelt in drei Typen. Da ist der infantile, psychisch nicht belastbare Mann, der auf starke Frauen anspringt. Der jungenhafte, oft zum Narzissmus neigende Typ sei verantwortungsscheu, aber gut im Bett. Der Papa-Typ braucht eine anschmiegsame Lolita.

Der reife, eigenständige Mann kommt in der Typologie nicht vor. Vielleicht weil solche Wesen in Russlands hart gefügter Subordinationspyramide schlecht gedeihen. Vielleicht aber auch, weil die Angelhaken der Zicke sich an einem solchen Mann schwer verfangen. Als sie gemeinsam mit einigen Nachwuchszicken durch Eis und Schnee zur nächsten U-Bahn-Station stöckelt, zitiert die Journalistin einen oft gehörten Gemeinplatz: Russische Frauen seien für ihre Schönheit berühmt, aber auch notorisch für ihren ökonomischen Vampirismus. Nina lacht. Die Wonnen, die ein Mann genießt, während eine Russin ihm den letzten finanziellen Blutstropfen aussaugt, schwärmt sie, seien mit Geld nicht aufzuwiegen.

Soldatenhemd und Tarnbadehöschen

Einer erfolgreichen Sterwa, die sich Urlaub gönnen will vom Schauspielvirtuosentum ihres Lebens, bieten sich in Moskau diverse Damen-Nachtklubs an, wo Scharen gut gebauter Jünglinge jeder Frau das Gefühl geben, sie sei eine Königin. In der Männer-Strip-Bar „Egoistka“ (Die Egoistin) heben die Bühnentänzer, Kellner, Barjungen ihre Reize heute durch Military-Look hervor, denn es ist Tag des Vaterlandsverteidigers, der russische Männerfeiertag. Ein Dutzend Adonisse in gestreiften Soldatenhemden und Tarnbadehöschen, eine Plastik-Kalaschnikow über der durchtrainierten Schulter, begrüßen den weiblichen Gast mit euphorischem Pfeifkonzert. Auf der Bühne wiegen ein Latin Lover, in dessen Pistolenhalfter eine Banane steckt, und ein blondmähniger Siegfried ihre schönen nackten Oberkörper. Während im realen russischen Leben Frauenüberschuss herrscht, steht der „Egoistin“ hier eine ganze männliche Belegschaft inklusive der unsichtbaren Manager zur Verfügung, die nur danach strebt, sie glücklich zu machen, wie ein Conférencier alle halbe Stunde über Mikrophon verkündet.

Dazu bedarf es echter, nicht metrosexueller Männer, scheinen die „Egoistka“- Choreographen überzeugt. Wie jene hochgewachsenen drei, die in den Sonntagsuniformen der Kriegsmarine auftreten und sie sich zum Disco-Song „Don't save our souls“ synchron vom Leib reißen. Dann betritt, mit Pistole und Suchscheinwerfer, ein attraktives Polizistenpaar die Bühne. Sie verhaften eine Dame aus dem Saal, deren Körper sie ausgiebig nach Waffen abtasten. Dann beginnt das „Verhör“, bei dem der Inspektor sich entkleidet und schlangenhafte Bewegungen über seinem Opfer vollführt. Der begeisterte Beifall legt nahe, dass Frauenglück nicht vollkommen ist ohne eine Prise maskuliner Gewalt.

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