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Russland hinter Gittern : Knastland

Nachforschungen der Aktivisten von „Sprawedliwost“ enthüllten eine verzweigte Übernahmeindustrie, die auch erklärt, warum der Minister und Dollarmultimillionär Kazyw vom russischen Forbes im Jahr 2010 zum reichsten Beamten im Moskauer Umland erklärt wurde. Zum einen waren im dem Minister unterstellten Straßenbau viele Millionen an Staatsgeldern veruntreut worden. Zum andern hatten Kazyw und Altunin sich außer dem Baugrundstück von Divareks auch die Landparzellen von 867 Rechtsnachfolgern einer ehemaligen Kolchose sowie die Straßenbaufirma „Stroidormasch“ im moskaunahen Chimki illegal angeeignet. Zwar wurde 2008 endlich ein Strafverfahren wegen illegaler Übernahme der Firma „Stroidormasch“ durch Kazyw eingeleitet, jedoch schon bald wieder geschlossen. In Russland gehe heute die größte Gefahr von Beamten der A-Klasse aus, erläutert der Vater von Baranowski, der weißhaarige Roald Rapoport, der ebenfalls regelmäßig zu den Zusammenkünften des „Einsitzenden Russlands“ kommt. Rapoport, ein schmaler Mann mit feinen Zügen hat ein Bündel Schriftstücke dabei.

Die Haft als tödliche Gefahr

Als Kazyws Geschäftsmethoden publik wurden, lief in Israel gerade ein Geldwäscheverfahren gegen die ganze Familie, der auf ein Konto bei der Hapoalim Bank von diversen Offshore- und Strohfirmen sechzig Millionen Dollar überwiesen worden waren, sagt Rapoport und zeigt die Daten und Aktenzeichen vor. Doch Denis Kazyw, der Sohn des Ministers, konnte durch ein Kooperationsabkommen mit der israelischen Justiz sowie die Zahlung von zwölf Millionen Dollar erreichen, dass das Verfahren gütlich beigelegt wurde. Kazyw senior versuchte in Moskau zunächst auch, mit Baranowski, der seine kriminellen Geschäftsmethoden an die Öffentlichkeit zerrte, durch Sonderzuwendungen ein Schweigeabkommen zu erzielen. Allerdings ohne Erfolg. Da wurde Baranowski 2009 zum Verhör vorgeladen und in Untersuchungshaft gesteckt.

In der Zelle ließ man ihn spüren, was es heißt, sich mit wichtigen Leuten anzulegen. In den Wintermonaten bekam er Sträflingshemden ohne Knöpfe. Man gab ihm Schuhe, aus deren Sohlen sich Nägel in die Füße bohrten. Nach mehreren „Fließbandverhören“ von bis zu 22 Stunden musste er ins Gefängniskrankenhaus eingeliefert und operiert werden. Gleichwohl fand die Richterin Podoprigorowa, die auch im Fall des im Untersuchungsgefängnis zu Tode gequälten Rechtsanwalts Sergej Magnitzki mitwirkte, an der Behandlung des Inhaftierten nichts auszusetzen. Magnitzki musste vor zweieinhalb Jahren sterben, weil er Veruntreuungen von Staatsgeldern durch Kriminalfahndern vor Gericht beweisen konnte.

Frauen, die für ihre Männer kämpfen

Die Enthüllungen, die Baranowski und andere Mitglieder von „Sprawedliwost“ in Medien lanciert hatten, galten dem Gericht nun als Verleumdung. Baranowski und die Beraubten, für die er sich einsetzte, werden der Erpressung beschuldigt. Was mit ihm und seinen Schicksalsgenossen geschehe, schreibt Baranowski in einem offenen Brief an Präsident Medwedjew und Premier Putin, welche die Zeitung „Nowaja gaseta“ nach seiner Aburteilung druckte, zeige, dass man in seinem Land heute über Korruption nur reden dürfe, solange man keine Namen nennt. Andernfalls schalte sich sofort die Repressionsmaschine ein, die, so Baranowski über sich, störrische Holzsplitter weghobele.

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