https://www.faz.net/-gqz-shff

Rußland : Ein Auffangbecken für Luxusgeschöpfe

Xenia Sobtschak mit Wladimir Putin Bild: AP

Die russische Politikertochter Xenia Sobtschak ist bekannt für spontane Solotänze, wilde Geburtstagsfeiern und Bikini-Fotos, moderiert eine Reality-Show - und hat nun ihre eigene Jugendorganisation gegründet: „Alle sind frei“.

          Die Lizenz fürs Luxusleben erwirbt man sich in Rußland durch politische Hirtendienste. Xenia Sobtschak, ebenso verwöhnte wie exhibitionistische Tochter des früheren Petersburger Bürgermeisters Anatoli Sobtschak, will ihre Karriere als Lebedame und Reality- Show-Moderatorin jetzt durch eine selbstgemachte Jugendorganisation befestigen.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Xenia Anatoljewna, bekannt durch ihre Vorliebe für spontane Solotänze, wilde Geburtstagsfeiern und freche Bikini-Fotos, wurde auf den Flügeln der Klatschpresse zum Jugendidol der russischen Reichtumsinsel Moskau. Mit blonder Mähne, gesunder Bräune, die vom Glauben an sich selbst beseelten Züge schimmernd geschminkt, verstrahlt Xenia Sobtschak den Charme amerikanischer Fernsehserien.

          Unverwüstlich guter Laune

          Die 24 Jahre alte Lieblingslöwin auf den Parties der Superreichen studierte an der Moskauer Elitehochschule für Diplomaten. Doch sie betätigt sich lieber vor der Kamera des Fernsehkanals TNT als Beziehungstherapeutin für die Teilnehmer des Reality-Projekts „Dom dwa“ (Haus 2). Den ins Studioglashaus gesperrten Jugendlichen, die einander vor der Kamera als Liebespartner ausprobieren, um im Erfolgsfall als großen Preis vielleicht eine Eigentumswohnung zu gewinnen, steht Xenia Sobtschak mit Anteilnahme, Lebenserfahrung sowie unverwüstlich guter Laune bei. Die Fernsehsonderwirklichkeit ebne die sozialen Unterschiede zwischen ihr und den Versuchspersonen ein, bekennt die gern in teurer Unterwäsche posierende Sobtschak. In ihren Fernseh-Proteges finde sie das, was sie am Menschen am meisten schätze: Reinheit und Unmittelbarkeit.

          Die Staatsduma hat sie damit nicht überzeugt. Deren Abgeordnete erblicken in Sobtschak ein Sicherheitsrisiko für die öffentliche Moral. Im Mai wollten Abgeordnete vom Komitee für Volksgesundheit ein Kriminalverfahren gegen die Glamour-Fee anstrengen, weil sie im Fernsehen ein ungesundes Interesse am Sex schüre und sich faktisch als Zuhälterin betätige. Im Gegenzug gründete Xenia Sobtschak die Jugendgruppe „Wse swobodny“ (Alle sind frei), womit sie soziales Gewissen demonstriert und zugleich ein Auffangbecken für den Nachwuchs der Elite schafft.

          Die Bewegung, für deren Hauptquartier Fräulein Sobtschak eine Villa im Moskauer Stadtzentrum anmietete, hat sich die auch vom Kreml ausgegebene Minimalideologie zu eigen gemacht, man müsse seine Heimat und Familie lieben, aber auch tolerant sein und Minderheiten respektieren. Nur die Subordinationspyramide will Xenia Sobtschak ihrer Jugend nicht zumuten. Die Mitglieder von „Alle sind frei“ sind gleichgestellt, ihren Einfluß müssen sie sich durch Charakterstärke erwerben. Ihre Organisation leiste echte Lebenshilfe, erklärte die schöne Xenia, die auf der Pressepräsentation ihre Gäste mit Mozzarella auf Kirschtomaten, Ananas-Krabben und Parmaschinken auf Melone bewirtete. Zwei Brillanten habe sie dafür bereits versetzt.

          Weitere Themen

          Propaganda auf Moskauer Art

          Nach dem Mord an Boris Nemzow : Propaganda auf Moskauer Art

          Sie war die Freundin des russischen Oppositionellen Boris Nemzow und ging neben ihm, als er im Februar 2015 nahe dem Kreml ermordet wurde. Russische Medien wie der Sender NTW setzen Anna Durizkaja nach, auf unfassbare Weise.

          Topmeldungen

          Nach dem Mord an Boris Nemzow : Propaganda auf Moskauer Art

          Sie war die Freundin des russischen Oppositionellen Boris Nemzow und ging neben ihm, als er im Februar 2015 nahe dem Kreml ermordet wurde. Russische Medien wie der Sender NTW setzen Anna Durizkaja nach, auf unfassbare Weise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.