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Russisches Adoptionsgesetz : Waisenweisheit

  • -Aktualisiert am

Präsident Putin hat per Duma-Dekret verbieten lassen, dass amerikanische Ersatzeltern russische Kinder adoptieren. Dagegen gibt es nun Proteste im Land. Zudem melden sich verzweifelte Waisen zu Wort.

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          Am Sonntag wurde in Moskau, Petersburg, Samara, Nowosibirsk und Barnaul gegen das Adoptionsverbot russischer Waisenkinder durch amerikanische Ersatzeltern demonstriert. Das Gesetz, das die Duma dem russischen Adoptivkind Dima Jakowlew widmete, das starb, weil sein amerikanischer Adoptivvater es bei praller Sonne im Auto einschloss, war die politische Antwort auf die amerikanische Magnitzki-Verordnung, die sechzig russische Amtspersonen, die an der Ermordung des Juristen Sergej Magnitzki im Untersuchungsgefängnis beteiligt waren, zu unerwünschten Personen erklärt.

          Der Gegenschlag trifft freilich nicht die Supermacht, sondern Russlands Schwächste: behinderte Waisenkinder, die keine einheimischen Adoptiveltern finden. Die blinde Zehntklässlerin Natascha Pisarenko aus Rostow schrieb einen Brief an Präsident Putin, worin sie ihm das „Staatsgeheimnis“ verrät, allein gelassene russische Krüppelkinder würden in staatlichen Heimen dahinvegetieren, bis sie eines frühen Todes sterben - oder von „bösen“ Amerikanern adoptiert werden. Die würden sie nämlich zu behandeln versuchen mittels moderner Medizin, die es in Russland nicht gebe.

          Natascha, die ein Begabtenstipendium erhält, spricht aus Erfahrung. Für russische Ärzte sei sie ein Kind mit einer obskuren, unheilbaren Krankheit. Doch deutsche und amerikanische Mediziner hätten ihr eine Diagnose gestellt, und sie habe das Glück, bald im feindlichen Amerika behandelt und sehend zu werden.

          Der verzweifelte Maxim

          Auch der halbwüchsige behinderte Maxim Kargopolzew, der in einem Tscheljabinsker Kinderheim lebt, will zu den amerikanischen Eheleuten Mil und Dianna Wallen ziehen, die ihn adoptieren wollen. Die Wallens, die mit ihrer Methodistengemeinde Tscheljabinsk seit zehn Jahren besuchen und Hilfsgüter mitbringen, bemühen sich seit 2011, Maxim als Sohn aufzunehmen. Zwar erklärte der Tscheljabinsker Baulöwe von der kremltreuen Populisten-Partei LDPR, Sergej Wainstein, jetzt, er sei bereit, den Jungen zu adoptieren. Wainstein hat ihn freilich nie gesehen.

          Mil und Dianna Wallen halten täglich Kontakt mit dem verzweifelten Maxim. Natascha Pisarenko fragt Putin in ihrem Brief, warum er so spät darauf verfallen sei, russische Waisen vor dem amerikanischen Übel zu bewahren. Ob er im Alter weise geworden sei? Sie rät ihm, die Welt durch einen weiteren weisen Vorstoß in Erstaunen zu versetzen und fünf, zehn behinderte Kinder zu adoptieren, um seine Untertanen zur Nachahmung zu animieren.

          Kerstin Holm
          (kho.), Feuilleton

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