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Russische Medien : Wetterfrosch

  • -Aktualisiert am

Der russische Filmregisseur Nikita Michalkow will die moralische Umerziehung des Publikums zur Staatsaufgabe machen. Seinem Duz-Freund Putin dürfte das gefallen, Präsident Medwedjew weniger.

          Der Filmregisseur und Oscar-Preisträger Nikita Michalkow muss sich seit kurzem ohne Blaulicht durchs Moskauer Verkehrschaos kämpfen, wobei er schon seine legendäre politische Manövrierkunst demonstriert. Dass Michalkow, der den „zivilen Rat“ beim Verteidigungsministerium leitete, dafür mit einer Blinklampe am Jeep an den Staus vorbeifahren und Verkehrsregeln ignorieren durfte, war ein Dauerskandal unter Bloggern und Aktivisten für Autofahrerrechte. Möglicherweise hat das Ministerium deswegen Putins Duz-Freund das eigentlich nur hohen Staatsbeamten zustehende Privileg vor einigen Wochen aberkannt.

          Als Vorwärtsverteidigungsmanöver verbreitete Michalkow jetzt über die Zeitung „Komsomolskaja prawda“ einen Brief, worin er die traurige Lage der russischen Armee beklagt und erklärt, er gebe deshalb seinen Ratsvorsitz auf und also auch das Blaulicht. Außerdem beschwerte er sich noch schnell, dass im vorigen Jahr bei der Maiparade Nato-Truppen auf dem Roten Platz mitmarschierten, und dass Präsident Medwedjew die Parade im Sitzen abgehalten habe.

          Lasst die zivilrechtlichen Hoffnungen fahren

          Der legendäre Kinoheld und Filmemacher, der seinerzeit Putin aufforderte, zum dritten Mal hintereinander Präsident zu werden, also gegen die Verfassung zu verstoßen, ist immer ein treuer Freund der Macht gewesen. Dafür sitzt er immer noch dem russischen Filmverband vor, profitiert von der neuen Datenträgersteuer, baut sich im Moskauer Zentrum ein Hotel. Freilich war sein jüngstes Kriegsfilmepos, die „Zitadelle“, in das zweistellige Dollarmillionensummen aus dem Staatshaushalt investiert wurden, ein Flop.

          Doch auch Putin, der offenbar wieder ins Präsidentenamt strebt, hat beim Wahlvolk wenig Rückhalt. Michalkow, der stets spürt, wie der Wind weht, schlägt daher vor, die Umerziehung des Publikums zur Staatsaufgabe zu machen. Dabei will er selbst mitwirken. Soeben mahnte er den Premierminister, die Heimat brauche einen neuen Rat, worin neben ihm und patriotischen Kulturträgern orthodoxe Kleriker sitzen, die für mehr Moral in den Medien und für mehr Fernsehpräsenz der orthodoxen Kirche sorgen sollen. Als politischer Wetterfrosch möchte Michalkow signalisieren, dass die russische Gesellschaft ihre mit Präsident Medwedjew verbundenen zivilrechtlichen Hoffnungen fahren lassen muss.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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