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Russische Armee in der Ukraine : Kriegsverbrechen

Menschen suchen im Keller einer Kirche in der Stadt Baschtanka Zuflucht vor dem russischen Bombardement. Bild: AP

In zurückeroberten Orten nahe Kiew finden die Ukrainer hunderte Leichen, ein Fotograf wird erschossen, eine Reporterin verschleppt. Die Liste der Kriegsverbrechen von Putins Armee wächst.

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          Dass der Text von Wladimir Putin und seiner Getreuen die Lüge ist und nichts sonst, müssten auch die letzten Kremlversteher verstanden haben.

          Sagt der Kreml, die russischen Truppen ziehen sich zurück, heißt das: Sie sammeln sich neu und greifen an. Ist die Rede von Annäherungen bei den Verhandlungen, folgt die nächste Eskalation. Lautet es, man greife militärische Ziele an, werden Kliniken, Kindergärten, Schulen und Wohngebäude beschossen. Stehen „humanitäre Korridore“ in Aussicht, ist – wie in Mariupol - der Massenmord längst im Gang und setzt sich fort.

          Dieser Krieg ist Terror gegen Zivilisten. Mord, Massenvergewaltigung, Plünderei kennzeichnen das Vorgehen der Besatzer. Rund dreihundert tote Zivilisten haben die Ukrainer, nachdem die russische Armee vertrieben war, allein in dem Ort Butscha nahe Kiew gefunden und in einem Massengrab beerdigt.

          Dass dem vermeintlichen Frieden in den von den Russen eroberten Gebieten der Ukraine nicht zu trauen ist, unterstreichen diese Meldungen der letzten Stunden. Sie dokumentieren die Verwüstung, welche die russische Armee anrichtet. Ein besonderes Kapitel sind Journalisten.

          Im Norden von Kiew, in der Nähe des Dorfes Guta Meschygirska wurde die Leiche des ukrainischen Fotojournalisten Maks Levin gefunden. Er galt seit fast drei Wochen als verschwunden. Nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft ist Levin von russischen Soldaten erschossen worden. Levin sei unbewaffnet gewesen und habe eine Jacke mit der Aufschrift „Presse“ getragen, twittert die Organisation Reporter ohne Grenzen. Bei einem russischen Raketenangriif auf ein Wohngebiet in Kiew ist die russische Journalistin Oksana Baulina ums Leben gekommen. Sie arbeitete früher für die Stiftung des inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalnyj und zuletzt für das Inverstigativportal „The Insider“.

          Die ukrainische Reporterin Irina Dubchen­ko ist nach Angaben von Journalistenkollegen am 26. März vom russischen Militär entführt worden. Dubchenko, die für verschiedene Zeitungen und die Agentur Unian arbeitet, habe in dem besetzten Dorf Rosiwka im Haus ihrer Großmutter in der Ostukraine einen verletzten ukrainischen Soldaten versteckt und sei von Nachbarn denunziert worden. Man habe sie nach Donezk „zur Befragung“ gebracht. Das ist nur einer der Fälle von Verschleppungen, welche die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Lyudmila Denisova, auf mehr als 400.000 beziffert.

          Das sind die Nachrichten aus den Gebieten der Ukraine, die Putin „befreit“ nennt oder aus denen sich die russische Armee zurückzieht. Angeblich, so das Ergebnis einer Umfrage, unterstützen 81 Prozent der Russen die „militärische Spezial-Operation“. Die Liste der Kriegsverbrechen dieser „Operation“ wird länger. Sie besteht aus nichts anderem als Kriegsverbrechen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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