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: Rumpelkammer: Welche Zukunft für das Berliner Kulturforum?

Hier wartet kein Bausparprogramm, sondern Rubens Bild: dpa

Berlins einmalige Sammlung Alter Meister befindet sich nicht, wie es ihr zustünde, in der Mitte einer Berliner Museumslandschaft, sondern in den Tiefen einer urbanistischen und architektonischen Rumpelkammer.

          6 Min.

          In Berlin versteckt sich die Kultur traditionell gern an Orten, an denen man sie nicht erwartet hätte. In der Auguststraße tritt man durch einen schrottigen Hauseingang und entdeckt die überraschende Oase der "Kunst-Werke". Eine Seitenstraße weiter verbirgt sich, ebenfalls in einem Hinterhof, "c/o Berlin", einer der wichtigsten Orte für Gegenwartsfotografie in Berlin. All diese Verstecke haben den Reiz des Provisorischen, des Improvisierten und trugen zum Ruf der Hauptstadt als Hort von Gegenwart und Untergrundkultur bei. Überhaupt nicht charmant ist aber die Art und Weise, wie man in Berlin eine der bedeutendsten Gemäldesammlungen der Welt versteckt hat. Man fragt sich schon heute, nur wenige Jahre nach der Eröffnung der Gemäldegalerie am Kulturforum, wie es zu dem kommen konnte, was man neben dem neuen Potsdamer Platz-Areal sieht.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Was hier veranstaltet wurde, ist ein städtebauliches Desaster, unter dem Berlins einmalige Sammlung Alter Meister zu leiden hat. Sie befindet sich nicht, wie es ihr zustünde, in der Mitte einer Berliner Museumslandschaft, sondern in den Tiefen einer urbanistischen und architektonischen Rumpelkammer, die man sich chaotischer nicht vorstellen kann. Dabei fehlt es, zumal in diesen Tagen des großen MoMA-Rauschs, nicht an Publikum auf dem Kulturforum. Stundenlang stehen die MoMA-Pilger vor Mies van der Rohes 1968 vollendeter Neuer Nationalgalerie, die wie ein majestätisches Ufo am Landwehrkanal schwebt; gegenüber blinkt die Nase des Kammermusiksaals in seinem bundesrepublikanischen Goldmäntelchen, und die Studenten strömen in Hans Scharouns Bibliotheksbau. Scharouns und Mies van der Rohes Gebäude bilden ein beeindruckendes Ensemble der Moderne - nur das, was zwischen ihnen, hinter der alten, auf etwas verlorenem Posten stehenden Matthäi-Kirche vor sich geht, paßt gar nicht ins Bild.

          Wie die Stadtsparkasse einer deutschen Kleinstadt

          Hier beult sich die Stadt plötzlich zu einer schrägen Rampe aus, als sei das Monster aus Rubens' "Perseus und Andromeda" aus dem Bilderrahmen geschlüpft und unter die Stadt gekrochen. Auf diesem seltsamen Wal-Rücken wandert man, in beunruhigender Schräglage, auf einen Eingang zu, der an den Einlaß der Stadtsparkasse einer deutschen Kleinstadt denken läßt. Hinter solchen Türen warten Bausparprogramme, aber keinesfalls Cranachs Jungbrunnen oder Rubens' heiliger Sebastian.

          Das ästhetische Phlegma setzt sich fort. Man betritt eine kühl-konfuse Verteilerhalle, hinter deren Treppen man Etagen mit Kleidung, Konserven und Orientteppichen erwarten würde, aber keineswegs eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom dreizehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert, keinen Dürer, Raffael, Tizian, Caravaggio, Rubens, Rembrandt und Vermeer, keine tausend Gemälde in 53 - architektonisch dezenten, der Kunst angemessenen - Sälen. In keinem anderen Museum der Welt ist die Diskrepanz von innerer Qualität und äußerer Banalität so eklatant wie hier, wo die Fußgängerzonenästhetik von Platz und Fassaden eher an Aldi statt an Anton van Dyck denken läßt.

          Ästhetische Wurzeln in der Fußgängerzone

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