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Schloss Schwarzburg : Zimmer frei im Reichsgästehaus

Wundmale der Geschichte: der Emporensaal auf Schloss Schwarzburg Bild: IBA Thüringen,/Thomas Müller

Die Nazis entkernten einst den Stammsitz der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Jetzt sind in der Ruine zwei Räume hergerichtet worden, die als historischer „Denkort“ und der Vermittlung von Demokratie dienen sollen.

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          Die Entscheidung traf Adolf Hitler. Unter den Kandidaten für den Standort eines weiteren Reichsgästehauses (zu einem solchen war Schloss Bellevue in Berlin 1938/39 umgebaut worden) fiel seine Wahl Ende der Dreißigerjahre auf Schloss Schwarzburg in Thüringen. Die 1071 erstmals urkundlich erwähnte Anlage, Stammsitz der gleichnamigen Grafen-, später Fürstenfamilie, liegt spektakulär auf einem schmalen, steilen Bergsporn, der in einer engen Schlaufe von der Schwarza umflossen wird. In der Kategorie „Malerische Lage“ muss die durch barocke Umbauten überformte mittelalterliche Burg keinen Vergleich scheuen – zwar ein wenig ab vom Schuss, dafür aber in einer Gegend gelegen, die als Sommerfrische seit dem 19. Jahrhundert einen erstklassigen Ruf genoss.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

          Für das Gebäudeensemble war das Votum aus Berlin eine fatale Entscheidung. Den Auftrag für die Umbauplanung erhielt ein Architekt, der Hitler ebenso wie dem Thüringer Gauleiter Fritz Sauckel eng verbunden war: Hermann Giesler. Er hatte Sauckels Dienstvilla in Weimar entworfen, und von Hitler war er mit der Gestaltung von dessen Grabmal beauftragt worden; er zählte zu den zwölf „unersetzlichen Künstlern“ unter den sogenannten Gottbegnadeten. Giesler schlug vor, das Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg weitgehend zu entkernen und einige Nebengebäude ohne Rücksicht auf deren historische Bedeutung abzureißen, darunter das Torhaus und die Schlosskirche mit Ausnahme ihres Turms.

          Blick auf das Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg, rechts das Kaisersaalgebäude
          Blick auf das Hauptgebäude von Schloss Schwarzburg, rechts das Kaisersaalgebäude : Bild: dpa

          Das Unheil nahm 1940 seinen Lauf: Zu einem Zeitpunkt, als andere Bauvorhaben ohne unmittelbaren militärischen Nutzen längst eingestellt worden waren, trieb der besonders ehrgeizige Sauckel das angeblich kriegswichtige Projekt voran, Anna Luise, Witwe des letzten Fürsten Günther Victor musste das Schloss binnen weniger Tage verlassen, obwohl sie dort eigentlich ein lebenslanges Wohnrecht genoss. Erst im April 1942 wurden die Arbeiten, die weitgehend von belgischen Zwangsarbeitern ausgeführt werden mussten, auf Befehl von Albert Speer dann doch beendet. Die Nationalsozialisten ließen nur noch die notwendigsten Sicherungsarbeiten erledigen, anschließend blieb die Hülle des Schlosses ihrem Schicksal überlassen. Der DDR fehlten die Mittel, das Gebäude herzurichten, auch wenn es immer wieder ehrgeizige Planungen gab. Immerhin: Das barocke Kaisersaalgebäude wurde Anfang der Siebzigerjahre restauriert. Doch der Hauptbau war weiterhin schutzlos der Witterung ausgeliefert, und die Haube des Kirchturms brannte in einer Silvesternacht ab.

          Ein rühriger Förderverein

          Nach der Wende gab es für die lang gestreckte Schlossanlage, in der man sich gut ein Luxushotel oder eine Kurklinik vorstellen könnte, verschiedene Nutzungsideen, die sich jedoch zerschlugen. Der angesichts der historischen und landschaftsräumlichen Bedeutung des Ensembles eigentlich unvorstellbare, aufgrund der prekären Statik aber kaum noch vermeidbare Abriss konnte abgewendet werden. Das ist auch dem rührigen Förderverein mit rund 200 Mitgliedern zu verdanken, der sich seit Mitte der Neunzigerjahre für den Erhalt der Burg einsetzt.

          Im Jahr 2009 war Geld vorhanden, um zumindest mit ersten Sicherungsmaßnahmen zu beginnen, etwa durch ein neues Dach. Seither verfolgt die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Eigentümerin der Anlage eine Strategie der kleinen Schritte, auch das Zeughaus wurde saniert und dient heute als Ausstellungshaus für die Waffensammlung des Fürstenhauses.

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