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Ruhrfestspiele : Kündigung: Castorf will kämpfen

  • Aktualisiert am

Sieht sich als Opfer: Frank Castorf Bild: AP

Der bei den Ruhrfestspielen gekündigte Regisseur und Intendant Frank Castorf will um seinen Vertrag kämpfen - notfalls auch juristisch. Seine Entlassung verglich er mit „stalinistischen Methoden“.

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          Der Berliner Regisseur und Intendant Frank Castorf will um seinen Vertrag bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen kämpfen und gegen die am Dienstag ausgesprochene Kündigung notfalls auch juristisch vorgehen.

          In seiner Volksbühne sprach er am Mittwoch in Berlin von „stalinistischen Methoden“, die er aus der DDR noch allzu gut in Erinnerung habe. Dort habe er etliche Arbeitsprozesse gewonnen. Das sei jetzt wieder wirklich so wie in der DDR nach dem Motto: „Wir geben dir das Geld und du bist so undankbar.“

          Er gehe davon aus, daß sein vierjähriger Arbeitsvertrag als künstlerischer Leiter der Ruhrfestspiele weiter bestehen bleibt, da ihm die „wichtigen Gründe“ der außerordentlichen Kündigung bisher nicht genannt worden seien. „Das will ich schon genau wissen, wo meine Vertragsverletzungen liegen.“ Eine Vertragsauflösung mit Abfindung habe er abgelehnt. Offenbar sei er jetzt mit Hausverbot bei den Festspielen belegt.

          Auch Recklinghausen entschlossen

          Die Stadt Recklinghausen will die Entlassung Castorfs notfalls auch juristisch durchsetzen. „Wir streben eine einvernehmliche Lösung an. Aber wenn Herr Castorf es will, werden wir ihm auch formell kündigen“, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Pantförder (CDU) am Mittwoch. Die Gründe würden Castorf dann schriftlich mitgeteilt.

          Castorf zeigte sich allerdings auch bereit, über gewisse Veränderungen bei den nächsten Ruhrfestspielen mit sich reden zu lassen. Die Reaktion des Publikums habe ihm zum Teil nicht gefallen. „Ich bin lernfähig, aber kein Opportunist.“ Er habe auch nie gesagt, daß er das dortige Publikum für „kleinbürgerlich oder piefig“ halte. Man könne bestimmte Neuproduktionen im nächsten Jahr einschränken und über eine „Konzentration von Zeiten, Personal und Geld“ nachdenken. Die Fülle habe sich gegenseitig erschlagen. Auch habe ihm Jürgen Flimm eine stärkere Kooperation mit seiner Triennale angeboten.

          Keine „Volksbühne West“

          Den Vorwurf, er habe nur eine „Volksbühne West“ mit deren radikalem Theaterstil nach Recklinghausen übertragen wollen, wies Castorf „entschieden zurück“. Aber es sei ihm wichtig gewesen, einen Umbruch in den Ruhrfestspielen einzuleiten, die das dringend nötig hätten. Der Besucherrückgang sei relativ und könne längerfristig aufgefangen werden. „Für Konzerte mit Udo Lindenberg oder Esther Ofarim stehe ich nicht zur Verfügung. Wo Castorf drauf steht, ist auch Castorf drin.“ Jeder hätte sich vorher über seine Arbeit informieren können. „Ich habe mich nicht beworben. Man ist zu mir gekommen.“ Der Vorwurf eines „Nischenprogramms“ sei angesichts von Einladungen zu Festivals wie Salzburg oder Avignon absurd.

          Mortier: Armutszeugnis

          Der Ruhrtriennale-Intendant Gerard Mortier kritisierte die Entlassung Castorfs als „Armutszeugnis ohnegleichen“. Das erinnere an „schlechteste DDR-Zeiten“, sagte Mortier in einer Stellungnahme. Die nordrhein-westfälische Landesregierung wird den finanziell angeschlagenen Ruhrfestspielen mit einem Defizit von 700.000 Euro keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung stellen.

          Die jetzige Situation hätten die Stadt Recklinghausen und der DGB als Gesellschafter alleine herbeigeführt, sagte Landeskulturminister Michael Vesper (Grüne) der dpa. Der frühere Leiter der Ruhrfestspiele, Hansgünther Heyme, befürchtet, daß das Festival mit dem hohen Defizit vor dem Bankrott steht.

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