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Rücktritt des BBC-Generaldirektors : Die Tante des Clowns hat nichts mehr zu lachen

  • -Aktualisiert am
Byzantinisches Verwaltungsprozedere: George Entwistle war nur 54 Tage im Amt, in denen er seiner Aufgabe allerdings schon nicht gewachsen war.
          9 Min.

          George Entwistle war elf Tage im Amt, als die BBC in die schlimmste Krise ihrer Geschichte gestürzt wurde. Einer ihrer größten Stars, der vor einem Jahr gestorbene Entertainer Jimmy Savile, soll ein Pädophiler gewesen sein. Nach 54 Tagen hat nun Entwistle am vergangenen Samstag Abend seinen Rücktritt erklärt. Nichts stand dem unseligen Generaldirektor der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt so gut, als wie er den Posten verlassen hat, möchte man in Abwandlung von Shakespeare sagen. Entwistle musste gehen, weil die BBC in dem durch den Savile-Skandal entfachten Furor einen prominenten Konservativen zu Unrecht der Kinderschändung beschuldigt hat und damit ihr wichtigstes Kapital verspielt hat, nämlich die journalistische Integrität, auf der ihr weltweites Ansehen als Nachrichtendienst beruht.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Das Schicksal des Generaldirektors wurde durch ein Rundfunkinterview mit seinem eigenen Sender besiegelt, in dem sich bestätigte, dass er seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Wegen der Handhabung der Savile-Affäre stand er ohnehin in der Kritik, als er am Samstag morgen von seinem Kollegen John Humphrys in die Mangel genommen wurde. Das macht seinen Auftritt umso unfassbarer.

          Imageschutz vor journalistischer Integrität

          Seit Wochen wird die BBC von Sturmböen umweht. Ihr wird nicht nur vorgehalten, zugelassen zu haben, dass sich ein komischer Kauz wie Jimmy Savile an leicht zu beeindruckenden Minderjährigen vergehen konnte, teilweise sogar in den Garderoben des Senders. Sie steht außerdem im Verdacht, Ende vergangenen Jahres eine Recherche der Tagesthemensendung „Newsnight“ über Savile unterbunden zu haben, um ihr Image zu schützen. Obwohl Entwistle, damals noch zuständig für die Programmgestaltung, über die Recherche unterrichtet gewesen sei, habe er zugelassen, dass kurz darauf an Weihnachten mehrere lobpreisende Würdigungen des „unvergleichlichen“ und „unvergesslichen Jimmy Savile“ ausgestrahlt wurden.

          Entwistle bekundete über den genauen Inhalt der gestoppten Recherche nichts gewusst zu haben, woraufhin ihm der parlamentarische Kulturausschuss einen „erstaunlichen Mangel an Neugier“ bescheinigte. Nun will er wieder nichts gewusst haben von jenem „Newsnight“-Beitrag über die Affäre, der einen Rausch von Spekulationen in Gang setzte und am Freitag in der Offenbarung gipfelte, dass der „Kronzeuge“ der BBC sich geirrt habe. Der „hochrangige Konservative“ - es handelt sich um Lord McAlpine, einen ehemaligen Schatzmeister der Partei und Thatcher-Vertrauten - sei das Opfer einer Verwechslung. Wie Entwistle in verblüffender Offenheit erklärte, sei bei der BBC so viel los, dass er sich nur mit einer Sache beschäftige, wenn seine Aufmerksamkeit darauf gelenkt werde.

          Entwistle hatte Angst vor Autoritätsverlust

          Die mangelnde Neugier, die der Kulturausschuss kürzlich auch James Murdoch im Zusammenhang mit dem Abhörskandal bei der „News of the World“ vorhielt, klingt im Lichte dieser Vorgänge wie ein klassisches britisches Understatement. Es zeigt sich, nicht zum ersten Mal, dass die BBC an der gleichen Mischung aus institutioneller Blindheit und Behäbigkeit krankt, die das Ansehen der Banken, Murdochs britischem Zeitungskonzern, der katholischen Kirche, den Spesen reitenden Abgeordneten und der Polizei in einer Kette von Skandalen beschädigt haben.

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