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Julia Bähr, Redakteurin im Feuilleton

RTL-Dschungelcamp : Wo sollen sie denn jetzt lästern?

  • -Aktualisiert am

Kommen aus der Nummer einfach nicht mehr raus: die RTL-Dschungelcamp-Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwig Bild: dpa

Es heißt, das Dschungelcamp sei ein Spiegel der Gesellschaft. Bei der neuen Staffel bestätigen zwei Regeländerungen diese Theorie. Das Camp könnte mit unserer Gesellschaft mehr zu tun haben, als uns lieb ist.

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          Es heißt ja, das Dschungelcamp sei ein Spiegel der Gesellschaft: Cliquenbildung, Mobbing, Sozialdarwinismus – alles, was im Alltag schon fürchterlich ist, aber diesmal mit Mikrofonen, die alle geheimen Lästereien und Intrigen aufdecken. Bei der neuen Staffel, die heute Abend beginnt, bestätigen zwei Regeländerungen die Theorie, das Camp habe mit unserer Gesellschaft mehr zu tun, als uns lieb ist. Denn erstens steht bei den Essprüfungen kein lebendiges Getier mehr auf dem Speiseplan, also nicht mehr die auf dem Teller herumkrauchenden Maden, denen erst mal der Kopf abgebissen werden musste, und auch keine agile Wasserspinne wie in der neunten Staffel (Horror). Wer jemals eine einzige Folge der Show gesehen hat, weiß, dass Rücksicht auf die Kandidaten nicht der Grund für diese Veränderung gewesen sein kann, sondern nur die anhaltende Diskussion über Vegetarismus und Veganismus. Der Verzicht auf lebende Mahlzeiten ist ein kleines Zugeständnis an alle, die den Verzehr großer Mengen Fleisch, was in der Dschungelprüfung ja auch noch widerwillig und unter Würgen geschieht, zweifelhaft finden.

          Die zweite Regeländerung: Das Lagerfeuer wird abgeschafft. Um die Tragweite dieser Entscheidung zu begreifen, muss man wissen, dass die Produktionsfirma das Lagerfeuer liebte. Es wurde als Vorwand genutzt, die Kandidaten nachts wachzuhalten, weil immer zwei das Feuer bewachen mussten. Das führte regelmäßig zu Streit, weil der Schlafentzug alle dünnhäutig werden ließ, und schuf Raum für Lebensbeichten unter vier Augen (und zehn Kameras). In tiefster Nacht gab es die schlimmsten Kindheitsgeschichten und Lästereien über prominente Verflossene. All das muss nun neuen Raum finden. Schon das britische Original verzichtete im November vergangenen Jahres am gleichen Ort auf das Feuer – wegen der australischen Buschbrände, obwohl die laut Produktionsfirma mehrere hundert Kilometer vom Camp entfernt sind. Auch einen Evakuierungsplan gibt es jetzt. Hoffen wir, dass der noch eine ganze Weile nur in dieser Simulation unserer Gesellschaft nötig sein wird.

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          Kandidaten-Check : Wer tummelt sich da im Dschungel?
          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

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