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Fußball-Kommentar : Held, Verbrecher

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Dem mehrfachen Weltfußballer Cristiano Ronaldo wurden in der Vergangenheit Steuerhinterziehung sowie Vergewaltigung vorgeworfen. Bild: AP

Cristiano Ronaldo produziert ab sofort Superhelden-Serien und möchte damit ein Vorbild für seine jungen Anhänger sein. Aber taugt er überhaupt als solches?

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          Auf der Kinoleinwand haben sich Superhelden als Erfolgsmodell erwiesen. Gut gegen Böse, das ist gut verständlich. Im Fußball hingegen sind sie, zumindest auf den ersten Blick, ungern gesehen. Elf Freunde sollen es sein, die Mannschaft stehe über dem Einzelnen, wird gesagt, und auch die moralisch klare Unterscheidung von Gut und Böse ist dem Fußball fremd, genauer: Das Publikum ist je nach der Farbe des Fanschals geteilt, und eine Hälfte muss stets ertragen, dass die Unguten gewonnen haben. Es gibt, für Superhelden ganz unerträglich, sogar Unentschieden!

          Außerdem lebt der Fußball ja auch von unendlichen Diskussionen über Zweifelsfälle, die trotz oder gerade wegen der neuerlich verwendeten technischen Hilfsmittel umso zahlreicher geführt werden – auf die Spitze getrieben beim Finale des DFB-Pokals, das Eintracht Frankfurt zwar ohne Superhelden-Hilfe, aber freilich mit ein wenig Glück bei der Regelauslegung, gewann. Im Finale der Champions League in Kiew treffen nun heute Abend aber doch zwei Superheldenfiguren aufeinander. Liverpools Stürmer Mohamed Salah, dessen Schuhe inzwischen sogar im British Museum neben altägyptischen Sandalen ausgestellt sind, und der fünfmalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo. Letzterer – „keiner ist so wie ich“ – versucht sein Glück jetzt auch auf der Kinoleinwand. In der von ihm mitproduzierten Comic-Actionserie „Striker Force 7“ kämpft der animierte Muskelmann höchstpersönlich gegen das Böse. Bei der Vorstellung des Projektes erzählte Ronaldo – „mein biologisches Alter liegt bei 23 Jahren“ – gerade, dass es zu seinen liebsten Dingen gehöre, in der Freizeit gutes Fernsehen zu schauen.

          Spektakel überstrahlt Skandale

          Nun, es ist wohl zu erwarten, dass der Held dieser Serie nicht nur superstark und superschnell ist, sondern auch superselbstverliebt. In einer weiteren von Ronaldo für Facebook produzierten Serie soll es um ein Mädchenteam gehen. Die Serie will sich mit Rassismus und Vorurteilen auseinandersetzen und kommt ganz ohne Superheld aus. Zahlreiche Fans eifern ihrem Idol sicherlich noch euphorischer nach, wenn es nun auch noch für die richtigen Werte einsteht. Freundschaft und Solidarität zum Beispiel.

          Doch taugt Cristiano Ronaldo tatsächlich als Vorbild? Ein Fußballer, der Vergewaltigungsvorwürfe mit Schweigegeldzahlungen abwiegelte? Der dem Finanzamt vierzehn Millionen Euro anbietet, um in einer Steueraffäre fein raus zu sein und eine mögliche Gefängnisstrafe zu umgehen? Too big to fail, too big to be in jail? Wenn am heutigen Abend Prinz Salah auf König Ronaldo trifft, wie es in den Medien heißt, spielt das alles mit Sicherheit keine Rolle. Schließlich haben solche Kriminalia im Fußball, solange das Spektakel drumherum nur groß genug ist, nichts zu suchen. „Wer einer Gesamtheit Größe, Macht, Glanz verschafft, dem wird das Verbrechen nachgesehen“, schreibt Jacob Burckhardt, macht aber die Einschränkung, dagegen sei nur dann nichts vorzubringen, wenn jene Gesamtheit „wirklich so etwas Unbedingtes, a priori, zu ewigem und mächtigem Dasein Berechtigtes wäre“. Gilt das für den Fußball, gar für Real Madrid? Wir halten heute für Salah.

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