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Romantikmuseum : Ein Bewusstsein für die Epoche schaffen

Wegbereiter der Moderne: Die Romantik braucht ein Museum Bild: Schmitt, Felix

Peter Feldmann und Petra Roth wollen parteiübergreifend das Deutsche Romantikmuseum in Frankfurt retten, nachdem der Magistrat seinen Beitrag wegen Sparzwängen zurückgezogen hat.

          „Die Kunst der Politik“ hat Petra Roth ihr überraschendes Bündnis mit Peter Feldmann zur Rettung des Deutschen Romantikmuseums bezeichnet. Die ehemalige CDU-Oberbürgermeisterin Frankfurts und ihr SPD-Nachfolger sind am Freitagabend gemeinsam vor die Presse getreten, um den Plan des Freien Deutschen Hochstifts, neben dem Goethehaus ein Museum für die Archivschätze zur Romantik zu errichten, doch noch Wirklichkeit werden zu lassen.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Nachdem durch die Zusagen von Stadt, Land und Bund sowie aus privater Hand der Bau des sechzehn Millionen teuren Hauses gesichert schien, hatte der schwarz-grüne Magistrat vor zwei Wochen überraschend seinen Beitrag für das geplante Museum in Höhe von vier Millionen Euro wegen Sparzwängen zurückgezogen. 

          Das Romantikmuseum sei ein unumgängliches Projekt, sagte jetzt Peter Feldmann, der Petra Roth und den Bankier und Frankfurter Ehrenbürger Friedrich von Metzler offiziell damit beauftragte, private Gelder einzuwerben, um die Finanzierungslücke zu schließen, die der Rückzug der Stadt hinterlassen hat. Peter Feldmann begründete mit Bettine von Arnim sein erwachtes Interesse für die Romantik, schließlich sei sie „Deutschlands erste soziale Vorkämpferin“.

          Er will sich dafür einsetzen, dass durch die schnelle Neubebauung auf dem Nachbargrundstück keine Fakten gegen das Museum geschaffen werden. Dass Feldmann mit seinem Engagement auch die schwarz-grünen Stadtregierung vorführt, wird ihm nicht unrecht sein. Weder er noch Petra Roth indes halten noch für möglich, dass der Magistrat seine Entscheidung gegen das Haus zurücknimmt.

          Petra Roth spricht von „Vertragsbruch“

          Wie verheerend Petra Roth den Beschluss ihrer Parteifreunde findet, daran ließ die Frankfurter Politikerin am Freitag keinen Zweifel, die das Projekt als Oberbürgermeisterin selbst vorangetrieben und die Gelder beim Land und beim Bund eingeworben hatte. „Eine solche Enttäuschung habe ich in siebzehn Jahren im Amt nicht erlebt“, sagte Petra Roth und sogar sprach von „Vertragsbruch“. Weil auch mündliche Absprachen ein Vertrag seien, so Petra Roth, die nur wegen der Zusage der Stadt an Kulturstaatsminister Neumann habe herantreten können, um für das Romantikmuseum zu werben.

          Die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, Anne Bohnenkamp-Renken, plädierte noch einmal für die Notwenigkeit einer Ergänzung des Ensembles am Großen Hirschgraben mit einer öffentlich zugänglichen Stätte für die Archivschätze von Novalis, Arnim, Eichendorff und der Brentanos, und stellte die Website www.deutsches-romantik-museum.de vor. Dort finden sich auch Informationen für mögliche Förderer.

          Wertschätzung im Ausland erfahren

          Zu den ersten Spendern zählen die FDP-Politikerin Ruth Wagner und der Frankfurter Altbürgermeister Hans-Jürgen Moog. Die große Überraschung freilich ist die  Summe von einer Million Euro, die der Kölner Galerist Karsten Greve zugesichert hat.

          Er habe weder mit Frankfurt etwas zu tun, noch verkaufe er Arbeiten aus der Epoche der Romantik, sagte der Kunsthändler im Gespräch mit FAZ.NET. Aber auf seinen Reisen ins Ausland sei ihm immer wieder bewusst geworden, welche Wertschätzung Deutschland für seine Erfindung der Romantik als Wegbereiter der Moderne erfährt. Nicht zuletzt, um endlich auch im eigenen Land das Bewusstsein dafür zu schärfen, wird die Aufgabe dieses Museums sein.

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