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Roman Polanski im Gespräch : Es ist doch komisch, finden Sie nicht?

  • Aktualisiert am

Ja. Von Zeit zu Zeit habe ich auch im Theater Regie geführt, wissen Sie.

Ja, weiß ich - aber . . .

Wenn es funktioniert, ist Theater eine phänomenale Erfahrung - wenn’s nicht funktioniert, kann es eine Folter sein. Der schlechteste Film ist besser als mittelmäßiges Theater. Aber wenn es funktioniert, dann ist es phantastisch. Ich hatte in meinem Leben ein paar Mal dieses Glück. Dass ich regelrecht verzaubert war durchs Theater. Das ist ein Gefühl, das einem das Kino nicht geben kann. Ich habe eine spezielle Nostalgie, was Theater angeht, weil ich im Theater angefangen habe. Mit 14 Jahren hatte ich meinen ersten Erfolg in Polen, als ich im Theater aufgetreten bin.

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Wie fanden Sie den neuen Woody Allen?

Fragen Sie mich nicht über das Werk meiner Kollegen. Das ist nicht meine Rolle. Das möchte ich nicht der Presse erzählen. Ich kann über tote Regisseure sprechen, wenn Sie möchten. Orson Welles. Fellini. Carol Reed. Noch lieber spreche ich eigentlich über konkrete Filme. Der Film, der mich wohl am meisten beeinflusst hat, war „Odd Man Out“ („Ausgestoßen“) von Carol Reed. Kennen Sie den?

Würde ich gerade so gerne.

Sie müssen sich den ansehen! Mein ganzes Leben lang versuche ich diesen Film zu drehen. Wenn Sie ihn sich ansehen, werden Sie vielleicht ein paar Sachen in meinen Filmen besser verstehen. Dass ich einfach nur versucht habe, jemanden zu imitieren. (Lacht.) Erfolglos. (Lacht noch mal.)

Wovon handelt der?

Es geht um einen irischen Revolutionär. Er kommt aus dem Gefängnis, und sie versuchen eine Bank auszurauben, und der Bankraub geht schief, er wird angeschossen, sie verlieren ihn unterwegs, und er versucht dann sich zu verstecken und wird immer weitergereicht. Menschen, die ihm helfen wollen, ihn verstecken wollen, ihn ausliefern wollen, ihn verraten wollen - es ist ein großartiger Film.

Und was daran wollten Sie kopieren? Ging es da um den Stil?

Den Stil, ganz genau. Und was auch toll ist an diesem Film, ist, wie Zeit behandelt wird. Das ganze Geschehen trägt sich innerhalb kurzer Zeit zu, und immer wieder kommt eine Turmuhr ins Bild, an der man sieht, wie viel Zeit vergangen ist. Und das Wetter wandelt sich von gut zu Schnee und Nebel, zur Atmosphäre einer Stadt wie Krakau, wo ich gelebt habe.

Gibt es auch neue Filme, über die Sie ähnlich enthusiastisch sind?

Bei den Filmen, die ich gesehen habe, als ich jung war, ist die Erinnerung stärker. Ich war begeisterungsfähiger, weniger übersättigt, wissen Sie. Inzwischen habe ich so viele Filme gesehen, so viel gelernt - es ist viel schwieriger, mich zu beeindrucken. Aber ich bin immer noch ein gutes Publikum.

Sie sind mit dem Familiennamen Liebling geboren. Ich habe nirgends gefunden, wann daraus Polanski wurde.

Liebling ist vielleicht ein hübscher Name für Deutsche, aber meine Eltern waren damit 1939 nicht gerade in einer guten Position.

Roman Polanski mit seinen Schauspielern Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric am Set von „Venus im Pelz“

Weil das jüdisch klang, ein deutscher Name in Polen.

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