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Edo Reents (edo.)

Rollkoffer und SUVs : Seid doch endlich mal still!

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Warum machen Reisende eigentlich so viel Lärm? Gerade will man sein Kind in den Schlaf erzählen, da rattern die Plastikräder des Rollkoffers alles nieder. Genauso laut und rücksichtslos sind SUVs in der Innenstadt.

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          Es ist, wenn ein einzelner von ihnen auf glattem Unterboden auftaucht, ein sanft schmirgelndes Rollgeräusch, das aber, sobald er sich auf Bürgersteigen oder gar Kopfsteinpflaster bewegt, zum energischen Rattern wird, das sich in engen Altstadtgassen zu einem infernalischen Lärm steigert: ratter-ratter-ratter oder, wenn es zügiger geht, rtrtrtr-rtrtrtr-rtrtrtr oder, wenn es ganz schnell geht, rrrrrrr-rrrrrr-rrrrrr.

          Besonders empörend ist es, wenn so einer am Haus vorbeirattert und man vergessen hat, das Fenster zu schließen: Man versucht vielleicht gerade, sein Kind zum Einschlafen zu bringen, es schläft auch schon fast, da kommt plötzlich einer: ratter-ratter-ratter, rtrtrtr-rtrtrtr-rtrtrtr, rrrrrr-rrrrrr-rrrrrr!!! Dann geht die Schose von vorne los, es dauert nun noch eine weitere halbe Stunde mit dem Einschlafen.

          Am schlimmsten aber ist es, wenn sie in Rudeln auftreten, vorzugsweise an Bahnhöfen. Sie steigen aus einem ICE aus, treten auf den Bahnsteig, und los geht es: rrrrrr-rrrrrr-rrrrrr, hundertfach verstärkt, es ist dann lauter als ein Güterzug, wie ein irdisches Jagdgeschwader dröhnt das dann, man kann sein eigenes Wort nicht mehr verstehen.

          Gedankenlos zieht er das Ding hinter sich her

          Warum tun Menschen und warum dulden Menschen das? Weil jedes Gepäckstück, sobald es mehr als fünf Kilogramm wiegt, offenbar nur noch auf Rollen transportiert werden kann. Man muss das verstehen: Die Leute wollen sich nicht mehr körperlich anstrengen, weil sie ja noch ins Fitnessstudio müssen. Richtig grotesk wird es, wenn so ein Rollkoffer-Stiesel sich im Zug bewegt: Gedankenlos zieht er das Ding hinter sich her, es hakt andauernd irgendwo fest, aber er denkt nicht daran, es anzuheben; verbissen, wie mit letzter Kraft reißt er es immer wieder los.

          Dies ist gewissermaßen das Pendant zu den SUV-Autos, die mit ihrer lächerlich bulligen Art auch nichts in den Innenstädten verloren haben. Laut, überdimensioniert, rücksichtslos – so geht es also zu. In einem kulturgeschichtlichen Bericht war einmal zu lesen, der Rollkoffer habe „das Leben von Millionen Bürgern angenehmer gemacht“ – eine überaus einseitige Betrachtungsweise. Widerstand dagegen ist wahrscheinlich zwecklos, Reisen und also Kofferschleppen sind ja Menschenrecht.

          Entweder, man versieht die Dinger zukünftig alle mit Hartgummirädern (und nicht mehr mit Plastik), oder man asphaltiert sämtliche Gehwege. Das Beste für Ohren und Nerven wäre natürlich beides. Bis es so weit ist, ergehe von hier aus die durchaus im Sinne christlicher Nächstenliebe gemeinte Bitte, die Koffer wenigstens über die Feiertage zu tragen – die Fitnessstudios haben eh nicht so lange auf.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

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