https://www.faz.net/-gqz-11bqp

Römisches Schlachtfeld entdeckt : Die Germanen in den Sumpf treiben

  • -Aktualisiert am

Zwei rund 1800 Jahre alte Fundstücke Bild: ddp

Am Harzhorn haben Archäologen ein römisches Schlachtfeld aus dem dritten Jahrhundert entdeckt. Der einzigartige Fund spricht dafür, dass sich die Römer nach der Niederlage in der Varus-Schlacht nicht völlig aus Germanien zurückzogen.

          3 Min.

          Dass die Römer im dritten Jahrhundert gegen die Germanen kämpften, ist keine Sensation - dass man eines dieser Schlachtfelder gefunden hat, schon. Noch ist das Fundmaterial für eine „Schlacht“ vergleichsweise mager, stehen die Ausgrabungen erst am Anfang, aber so viel ist klar: In der Gemarkung Oldenrode bei Kalefeld im Landkreis Northeim haben sich Römer und Germanen ein erbittertes Gefecht geliefert. Ein offenbar von Nord nach Süd marschierender römischer Verband geriet am sogenannten Harzhorn, einem von Ost nach West ziehenden Höhenrücken, in einen germanischen Hinterhalt und musste sich darauf den Weg freikämpfen.

          Wie er das tat, beweist, dass es sich wirklich um römische Truppen handelte. Denn die geborgenen Stücke sind Geschosspfeile und Katapultbolzen, wie sie nur von der imperialen Feldartillerie verschossen wurden, beispielsweise vom Typ Scorpio, einem Torsionsgeschütz. Es war leicht transportierbar, einfach zu bedienen und durchschlug auf mehrere hundert Meter jeden Schild und jede Rüstung. Im Gelände haben die Archäologen mit auf Stöcken aufgesteckten Tennisbällen markiert, wo die Salven einschlugen. Unterstützt wurde der Angriff von orientalischen Bogenschützen. Ihre charakteristischen dreikantigen Pfeile fanden sich ebenfalls. Dem Beschuss mit Fernwaffen folgte ein Infanterieangriff. Ihn gegen den von Germanen besetzten Hang vorzutragen war sicherlich Schwerstarbeit. Seine Stoßrichtung bis hinauf auf die Kammhöhe lässt sich an den verlorenen Eisennägeln der Sandalen verfolgen, der klassischen Fußbekleidung der Legionäre.

          Kein Hinweis auf den germanischen Gegner

          Mit aller Vorsicht schätzt die Kreisarchäologin Petra Lönne die Stärke der Römer auf eine Abteilung von vielleicht tausend Mann. Sie führte auch einen Tross mit sich. Ein schön gearbeitetes Stück einer Wagenaufhängung, Radnaben, eine Pionieraxt und ein Zelthering belegen es, dazu auch ein eiserner Pferdeschuh, eine Steighilfe, die man für Transportmaultiere in schwerem Gelände einsetzte, da Hufeisen noch nicht in Gebrauch waren.

          Der Schlachtplatz aus der Vogelperspektive: der Höhenzug über dem Nettetal
          Der Schlachtplatz aus der Vogelperspektive: der Höhenzug über dem Nettetal : Bild: dpa

          Die Römer siegten. Jene verräterischen Kleinteile, die beim Fleddern der Toten von Rüstungen, Helmen und Kleidung abreißen und die zu Hunderten auf dem wahrscheinlichen Varusschlachtfeld von Kalkriese geborgen wurden, fehlen. Bislang gibt es außer ein paar Speerspitzen keine Hinweise auf die germanischen Gegner. Ebenfalls zu klären bleibt, warum die an Metall immer interessierten Stammeskrieger die römischen Geschosse liegen ließen. Vielleicht, vermutet der Archäologe Achim Rost, weil sie sich zu tief in den Boden eingebohrt hatten.

          Entlang einer klassischen Route

          Wann hat sich das Gefecht abgespielt? Der einzigen gefundenen Münze mit dem Porträt des Kaisers Commodus (180-192) - die ja nicht unbedingt mit dem Kamp im Zusammenhang stehen muss - springt eine Schwertscheidenverzierung zur Seite, deren Ornamentik sich eindeutig der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts zuordnen lässt. Endgültige Bestätigung dieser Zeitstellung lieferte eine C14-Datierung aus den Holzresten eines Geschützpfeils.

          Weitere Themen

          Den Schmerz wegtanzen

          Bachmann-Preis : Den Schmerz wegtanzen

          Nava Ebrahimi gewinnt hochverdient den Bachmannpreis 2021. Im Vordergrund stand aber eher die Frage, wie man über Literatur reden soll.

          2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie Video-Seite öffnen

          Bei Auktion : 2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie

          Auf einer Versteigerung wurden 2,9 Millionen Euro für eine Kopie des Meisterwerks von Leonardo da Vinci gezahlt. Nach Angaben des Auktionshauses Christie's handelt es sich dabei um einen Rekordpreis für eine derartige Replik.

          Ich werde leben

          TV-Serie „It’s a Sin“ : Ich werde leben

          „It’s a Sin“ ruft den Beginn der Aids-Pandemie auf. Die britische Miniserie ist eine Ode an die homosexuelle Emanzipationsbewegung und das London der Achtzigerjahre.

          Topmeldungen

          DFB-Liebling Robin Gosens : „Zwick mich mal“

          Die Geschichte von Robin Gosens gibt es eigentlich nicht mehr: Von einem, der auf dem Dorfplatz entdeckt wurde und nun bei der EM für überwältigende Momente sorgt.
          Erholung im Low-Covid-Sommer vor der vierten Welle: Cihan Çelik im Klinikum Darmstadt.

          Lungenarzt Cihan Çelik : „Unser Team ist dezimiert“

          In Deutschland sinken die Fallzahlen. Oberarzt Cihan Çelik berichtet, wie es jetzt auf der Isolierstation im Klinikum Darmstadt aussieht, was mit der Delta-Variante auf uns zukommt und wie sinnvoll die Maskenpflicht noch ist.
           Es gibt gut 220 000 Spielautomaten in Deutschland.

          Glücksspiel vor der Reform : Das große Zocken

          In Deutschland wird das Online-Spielen um Geld erlaubt. Der Staat will mitverdienen – treibt er die Zocker damit Kriminellen in die Arme?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.