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Römische Bischofssynode : Bitte alles Anstößige zur Ehe nur implizit ins Schlussdokument!

Bischöfe und Kardinäle während der Eröffnung der Synode auf dem Petersplatz im Vatican Bild: Reuters

Die römische Bischofssynode sucht nach neuen Positionen zu Ehe und Familie. Der deutschsprachige Zirkel unterbreitet einen Vorschlag, der es allen recht machen will, aber dem eigenen Wort nicht traut.

          Ein allererster Papier-Segen von der Weltbischofssynode in Rom liegt vor (dort, in Rom, will sich das Spitzenpersonal der katholischen Kirche noch bis Ende Oktober fürs Themenfeld Ehe und Familie neu aufstellen, unter ausdrücklicher, aber doch nicht hauptsächlicher Einbeziehung der Lebenswirklichkeitsfelder Lebensabschnittsbeziehungen, Homoehe, wiederverheiratete Geschiedene etc.). In dem Synodenabschnittspapier der deutschsprachigen Bischöfe (mit den theologischen Polen des knärzigen Kardinal Kasper und des großschädeligen Kardinal Müller) heißt es, man sei guter Dinge. „In einer sehr offenen und guten Atmosphäre“ habe man „im deutschen Zirkel“ bisher gearbeitet; „die verschiedenen Sichtweisen“ seien „bereichernd“; es habe sich wieder einmal gezeigt: „Vielfalt macht reich“. Das ist nicht wenig, bedenkt man, dass der deutsche Zirkel in seiner Mehrheit als der weltkirchliche Revoluzzer-Zirkel gilt (naturgemäß mit Ausnahme Müllers, des Statthalters der Inquisitionsbehörde).

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Also, Punkt 1: gute Stimmung im Zirkel. Punkt 2: Die gute Stimmung soll auch den Rest der Welt ergreifen. Fürs Abschlussdokument in zwei Wochen wünscht sich der deutsche Zirkel nämlich einen Text ohne „negativ abgrenzende und normativ verurteilende Sprache“. Wobei das schwierig werden dürfte für eine Institution, die sich auch als globale Moralagentur versteht. Der deutsche Zirkel hat aber offenbar eine Idee, wie die Quadratur des Kreises zu schaffen ist. Er will das negativ Abgrenzende der kirchlichen Ehe- und Familienidee im Schlussdokument nur „implizit“, nicht ausdrücklich zur Sprache gebracht wissen. Es geht ihm um „eine positive, die christliche Position entfaltende Sprache, die damit implizit (!) zur Sprache bringt, welche Positionen christlich inkompatibel sind“. So, denkt man im Zirkel, lässt sich ums Normative, Negative, Anstößige doch noch herumkommen.

          Mein Gott, was würden Luther, was Pascal, was Kierkegaard, Theresia von Avila und all die anderen großen Gotteswütigen zu einer derart abgezirkelten Verwaltungsvorlage des guten Lebens sagen? Zu diesem volkspädagogisch ausgeleierten, aufs große Einverständnis aller zielenden Pastoraldeutsch? Was soll man von einer Position halten, welche am liebsten den Pluralismus der Gesellschaft in der eigenen Position abbilden würde, die aber, wenn wissenssoziologische Analysen nicht täuschen, doch nur als eigensinnige, eben nicht-plurale Stimme eine Chance hat, im Orchester der Stimmen gehört zu werden?

          Bloß keinen Pessimismus!

          Theologisch ist die Entdeckung der „Lebenswirklichkeit“ (Bischof Bode) nicht ohne Ironie. Weil sie einerseits auf das Lebensfremde im Auge des klerikalen Betrachters verweist (er scheint sich als Gegenüber jener Lebenswirklichkeit zu sehen, die ihn nun als Hyperrealität einholt). Und andererseits, weil sich ein Brückenschlag zum 19. Jahrhundert beobachten lässt, zu den Trieben der Lebensphilosophie Diltheys, Bergsons, Nietzsches, welche hier in klerikaler Überhöhung wiederkehren. Sind nicht alle Intuitionen, Instinkte und Willen von „Elementen des Guten“ durchsetzt, auf welche es zu schauen gilt? Ist, mit anderen Worten, nicht das, was ist, als solches schon eine Stimme Gottes, ein himmlisches Zeichen der Zeit? So fragen die Elemente-Theologen des 21. Jahrhunderts, den Lebensphilosophen des 19. Jahrhunderts ihren Gruß entbietend.

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