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Zum Siebzigsten von Neil Young : Schmerz und Rebellion

Akustische Gitarre, Mundharmonika und futuristische Synthesizer-Klänge: Mit seiner Musik ist es Neil Young gelungen, drei Generationen zu verbinden. Nun wird er siebzig Jahre alt. Über einen kanadischen Populisten im amerikanischen Rock.

          Jetzt werden die letzten derer, die das goldene Zeitalter des Rock bestimmten, auch schon siebzig. Denn diese Musik wurde von den Jahrgängen zwischen 1940 und 1945 getragen; das Frühere war harmloser und braver gewesen, und was danach kam – Punk und Grunge –, hatte die Kulturrevolution schon hinter sich, zehrte von ihr, wollte sie in einem offen destruktiven Gestus überbieten. Die eigentliche Lebensleistung von Neil Young war es, gleichsam drei Generationen zu verbinden: die eigene, für die Woodstock das magische Datum war; die ältere des Rock und Folk; und die sehr viel jüngere von Kurt Cobain.

          Lorenz Jäger

          Freier Autor im Feuilleton.

          Von Bob Dylan abgesehen, hat keiner sich so tiefgreifend in beständige Stilwandlungen hineinbegeben wie dieser Mann. Da sind weltschmerzlich melodiöse Weisen, in denen man sich verlieren kann, mit eigentümlich hoher Stimme gesungen, dazu Mundharmonika – und dann gibt es lärmende Stücke, die rebellisch aufbegehren; virtuos, aber kaum noch erträglich. Da ist die akustische Gitarre, und da sind die futuristischen Synthesizer-Klänge des Albums „Trans“ (1982).

          Ein scharfes Empfinden für die Unterprivilegierten

          Was die Anfänge und die späteren Phasen von Neil Youngs Schaffen verbindet, ist ein Bewusstsein des gebürtigen Kanadiers für Amerika als Kontinent. Die Band Buffalo Springfield, mit der er begann, war sehr amerikanisch in den Kostümen, Neil Young staffierte sich als Indianer oder als Trapper aus. Tatsächlich handelte ein Lied vom Schicksal der amerikanischen Ureinwohner. Nach dem bekannten Indianerhäuptling war auch seine Band Crazy Horse benannt. Und dann gab es das Lied „Cortez the Killer“.

          Wandlungen musikalischer, aber auch politischer Art. Das Patriotische in den Reagan-Jahren wurde ihm vorgeworfen, aber davor und danach gab es den Protest. „Ohio“, ein Song aus dem Jahr 1970 von Crosby, Stills, Nash and Young, behandelt den Tod von vier Studenten an der Kent State University durch Kugeln der Nationalgarde. So, wie der Protest Teilnahme am Geschick der Nation bedeutete, so lag dem Patriotismus ein scharfes Empfinden für die Unterprivilegierten zugrunde. Dies ist die Formel des amerikanischen Populismus.

          Nicht immer hat er dabei glücklich agiert. Sein Lied „Let’s Impeach the President“ (gegen George W. Bush) ist musikalisch unerheblich. Das schönste und ungemein charakteristische Album ist „Rust Never Sleeps“ (1979), eine Seite akustisch, die andere verzerrt, man hört den ganzen Menschen.

          Die Selbstzerstörung lag dieser Generation nahe; dass er ihrer Verlockung nicht folgte, mag mit dem an sich schon schwierigen Leben eines Opfers der Kinderlähmung zu erklären sein; auch hat er zwei behinderte Söhne großgezogen. Vor ein paar Jahren hat er die Drogen aufgegeben. Heute feiert Neil Young seinen siebzigsten Geburtstag.

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