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Augustinus : Die Bekehrung als Befreiung

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Was ich war und wer ich bin: Augustinus als Lehrer. Bild: Blauel/Gnamm/ARTOTHEK

Was ich einst war, was ich jetzt bin: Mit seinem Buch „Bekenntnisse“ tritt Augustinus in eine Beziehung zu sich selbst und zu Gott, wie es kein Autor vor oder nach ihm je getan hat.

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          Ende des vierten Jahrhunderts begann ein Mann, Anfang vierzig, mit der Niederschrift eines intimen Gebetes zu Gott. In seinen einsamen Stunden entstand ein langer lateinischer Text, dessen eine Hälfte der Frage nachging, „was ich einst war“, den Sünden und Irrtümern seiner frühen Jahre. Er berichtet von seinen Diebstählen als Junge, seiner bemerkenswerten Mutter, seiner Konkubine, seiner Mitgliedschaft in einer geächteten religiösen Gruppe, seiner Liebe zum Sex, seinen irdischen Wünschen. Dann versucht er darzulegen, „was ich bin“, doch die autobiographischen Details treten in den Hintergrund. Er reflektiert ausgiebig über das Wesen des Gedächtnisses und das Fortdauern sündhafter Versuchungen wie der Freude, die er empfindet, wenn andere ihn loben, oder des eitlen Vergnügens, einer Spinne zuzuschauen, die eine Fliege fängt. Dann beginnt er eine komplexe Meditation über die ersten beiden Kapitel der Genesis und die dort beschriebene Schöpfungsgeschichte.

          Dabei stößt er unter der Oberfläche vieler Verse auf verborgene Bedeutungen. Er reflektiert über die Ewigkeit und erörtert unser Zeitbewusstsein in einem Gedankengang, dessen Brillanz Philosophen heute noch beeindruckt. Nach dreizehn Büchern, von denen nur neun behandeln, „was ich einst war“, schließt er mit Lobgesängen auf die Güte Gottes und dem Ausdruck menschlicher Hoffnung auf das Himmelreich. Dieses Werk mit dem Titel „Bekenntnisse“ gleicht keinem, das davor oder danach entstand. Es ist ein christliches Meisterwerk, doch es entfaltet seinen Zauber auch jenseits der Grenzen der christlichen Kirche.

          Kurzschrift darf nicht von Gott ablenken

          Dieses außergewöhnlich lange Gebet verrät nicht, wie es entstand: ob er es selbst niederschrieb oder vielleicht diktierte. Gut zehn Jahre zuvor hatte Augustinus Selbstgespräche verfasst, einen neuartigen Dialog zwischen ihm selbst und seinem Verstand. Dort befiehlt ihm der Verstand, seine Gedanken nicht zu diktieren, sondern selbst niederzuschreiben, da derart intime Fragen der „Einsamkeit“ bedürften. Die „Bekenntnisse“ behandeln in weiten Teilen noch intimere Fragen. Folgte Augustinus auch hier seinem Verstand und schrieb sein Gebet selbst nieder? Benutzte er vielleicht eine Kurzschrift, wie sie damals vielfach verwendet wurde? In einem anderen Werk bezeichnete Augustinus die Kurzschrift als sinnvoll, sofern sie nicht von Gott ablenke.

          Wenn er sein langes Gebet diktierte, stellt sich die Frage, ob er dabei stand oder saß. Augustinus hatte die Frage nach der korrekten Position beim Beten kaum ein Jahr vor der Niederschrift der „Bekenntnisse“ erörtert und war zu dem Schluss gelangt, dass es darauf keine eindeutige Antwort gab. Die Christen beteten jedoch oft kniend und mit erhobenen Händen – eine Position, in der man unmöglich schreiben könnte. Wenn Augustinus kniete, muss er die Bekenntnisse in vorbereiteten Passagen einem im selben Raum befindlichen Sekretär diktiert haben, der den Text in Kurzschrift festhielt.

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